Diskussion zum Thema Luftdichte

Zum Leserbrief „Luftdichte ist Dreh- und Angelpunkt“ von Dachdeckermeister und Sachverständigen Claus Wöbken, Köln, (Artikel „Wärmedämmung: Außen winddicht - innen luftdicht?“ aus DDH 22.2009, Seite 10 bis 13) von Dipl.-Ing. Thomas Gaisbauer, erwidert der Autor:

Gaisbauer, Thomas
Dipl.-Ing. Thomas Gaisbauer leitete die Abteilung  Seminare der Isover-Akademie in Ladenburg.

„Der Artikel soll darstellen, dass der technisch nicht definierte Begriff „Winddichte“ in einer Norm keine Hilfe für das ausführende Handwerk darstellt; im Gegenteil es entsteht dadurch Konfliktpotenzial. Es soll in dem Artikel aber auch gezeigt werden, dass die heutigen Dämmstoffe aus Mineralwolle, insbesondere jene mit geringer Rohdichte, bei Windanströmung nicht parallel zur Deckung durchströmt werden können. Die Meinung „je schwerer der Dämmstoff, desto besser der Schutz gegen Kaltluftströme“ ist falsch, da alle zugelassenen Dämmstoffe über diesen Schutz verfügen, egal welche Rohdichte vorliegt. Wenn mit „Winddichte“ ein Schutz gegen Durchströmung der Dämmstoffe parallel zur Deckung gemeint wäre, ist sie nicht erforderlich.
Letztendlich ist es natürlich richtig, dass eine verklebte Unterspannbahn Schäden durch eine mangelhafte Luftdichte der Dampfbremse reduzieren kann. Das ist logisch, denn der Strömungswiderstand vom Innenraum durch den Dachquerschnitt nach außen wird durch die Verklebung einer Unterdeckbahn erhöht. Dazu hatte das IBP bereits 2002 Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die zeigten, dass bei schlechter Luftdichte (n50 > 4 [1/h]) bis dreißig Prozent Verbesserung durch Abdichtungsmaßnahmen der Unterdeckbahn eintreten kann. Allerdings verbesserte sich die Luftwechselrate in einem Referenzraum mit handwerklich solider Ausführung (n50 ca. 1,5 [1/h]) durch die gleichen Maßnahmen kaum. Das bestätigt die These, dass bei einer korrekt ausgeführten Luftdichte eine zusätzliche „Winddichte“ keine Verbesserung mehr bringen kann. Wenn mit „Winddichte“ also eine Heilung mangelhafter Luftdichte bei der Dampfbremse gemeint ist, ist das nach den bisherigen Untersuchungen auch nicht erforderlich, denn massive Fehler werden nur zu dreißig Prozent verbessert und geringe Leckagen werden kaum beeinflusst.

Der Wunsch zu einer lückenlosen Kontrolle der Luftdichte in dem Leserbrief des Herrn Wöbken ist verständlich. Zum Teil wird auf diese Kontrollforderung vieler Sachverständiger und Bauphysiker bereits reagiert, denn die Prüfung wird mit verschärftem Grenzwert ja bereits bei Gebäuden mit Lüftungsanlage und bei diversen KfW-Förderungen vorgeschrieben. Routinierte Handwerker bestehen diese Prüfung im Standard schon seit langem mit Luftwechselraten von 0,8 bis 1,2 [1/h]. Bei diesen Raten wäre eine zusätzliche Abdichtung der Unterdeckbahn nur zur Verringerung von Durchströmung des Dachquerschnitts ein unverhältnismäßig hoher Aufwand mit nur geringem Effekt.“

Letzte Aktualisierung: 04.07.2017