Flachdachabdichtung: Dumm gelaufen

Problem Flachdachabdichtung: Eine provisorische Abdichtung im Industriebau war nicht ausreichend ausgeführt und verursachte einen Millionenschaden. Der Sachverständige erstellte ein Provisorium, um den Schaden einzugrenzen.

Serie Schadensfälle Gärtner 2017
Deutlich sichtbar: die Laufspuren an den Obergurten bis in die Untergurte.

An einer Industriehalle, in der sensible wertvolle Lagergüter vorhanden waren, wurde ein Anbau in gleicher Größe zur Erweiterung geplant. Die alte und die neue Dachfläche besitzen jeweils eine Größe von über 2.000 m².

Das Problem

An einem Sonntag im Herbst 2016 wurde bei regnerischem Wetter im Inneren der Halle starke eindringende Feuchtigkeit nach dem Beginn des Regens festgestellt. Der unmittelbar hinzugezogene Sachverständige sollte entsprechend die Ursache eruieren, den Status quo dokumentieren und Vorschläge für eine zeitnahe Reparatur erstellen.

Die Analyse

Bei der Ermittlung der Schadensursache wurde zunächst der vorhandene provisorische Übergang des Altbestands der Halle an den neuen Teil besichtigt und die provisorischen Abdichtungsbahnen wurden partiell zurückgebaut, um einen entsprechenden Überblick zu erhalten. Die Konstruktion sollte nur temporär bis zum Weiterarbeiten dicht angeschlossen sein. Es war festzustellen, dass die Trapezbleche des Altbestands und des Neubestands durch einen biegesteifen Stoß genau am Übergang von Alt zu Neu verbunden waren. Dieser biegesteife Stoß hatte statische Ursachen und war somit erforderlich. Dies bedeutete natürlich auch, dass eine konstruktive Trennung des jeweils anfallenden Regenwassers nicht möglich war. Es wurde eine provisorische „ Abdichtung“ der Untergurte im gesamten Übergangsbereich vorgefunden. Die Untergurte waren mit Dämmstoff-Formstücken ausgefüllt und mit Klebebändern zu dem Neubestand hin provisorisch abgedichtet. Nach Überprüfung der Klebebänder konnte festgestellt werden, dass dort keine signifikante Menge Wasser eindringen konnte.

Bei weiterer Überprüfung wurde deutlich, dass die Obergurte in keinem Bereich eine Abdichtung besaßen. Die provisorisch ausgeführte Kunststoffdachbahn, welche vom Altbestand über den Neubestand und lose über die provisorische Abdichtung der Untergurte führte, war lediglich gegen Windsog in den Obergurten befestigt. Eine weitere Abdichtung zwischen Abdichtungsbahn und Obergurt existierte nicht.

Es wurde eindeutig festgestellt, dass über die Obergurte laufendes Wasser, begünstigt durch die leichte Gefälleneigung der Konstruktion zum Altbestand hin, unter die Altabdichtung laufen konnte. Dadurch ist das Regenwasser an dem biegesteifen Stoß sowie an dem nächsten Stoß der Trapezbleche und an den konstruktiven Öffnungen (Lichtkuppel et cetera) in der Dachkonstruktion eingedrungen und innen abgetropft. Bei weiterer näherer Untersuchung wurde auch überprüft, ob die Überlappungen in den Untergurten, welche naturgemäß nicht dicht sind, entsprechend Feuchtigkeit in die Konstruktion hätten leiten können. Hierzu bestanden keine Hinweise mehr, dass dort signifikant Wasser eingedrungen ist. Im Bereich der Altdachfläche wurden Kontrollöffnungen erstellt, die dann deutlich zeigten, dass entsprechende Wasserlaufspuren von den Obergurten über die seitlichen Stege bis in die Untergurte vorhanden waren, sodass der Wasserlauf insofern konkret nachvollzogen werden konnte.

Die Lösung

Zur zeitnahen Lösung des Problems des eindringenden Wassers, insbesondere um eine Schadenverminderung zu betreiben, wurde ein Provisorium gewählt, welches eine relativ zügige und schnelle Ausführung und Absicherung des Übergangs gewährleisten konnte. So war die Basis für eine gute Abdichtung geschaffen.

Herbert Gärtner

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 08.2017.

Die wesentlichen Punkte der neuen Flachdachrichtlinie ;

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