„Einfach“ entwässern?

Entwässerung: Einfache und preiswerte Entwässerungen können teuer werden. Anhand von drei Praxisbeispielen erläutert der Autor die Problematik und mögliche Folgen einer falschen Einbauweise.

Entwässerung, Gärtner, Attika
Das Beispiel zeigt einen Attikagully mit Gullystutzen und werksseitigem Notentwässerungsrohr. Erkennbare Undichtigkeit an der Unterseite des Gullystutzens sorgten für Wassereintrag, der den gesamten Dachaufbau flutete. Fotos: Gärtner

Falsch montierte Entwässerungen durch breite Attiken können signifikante Probleme und deutliche Folgeschäden hervorrufen. An drei Schadensfällen wird aufgezeigt, wie durch eine einfache Konstruktion und deren nicht ausreichenden technischen Funktionen die angrenzenden Dachaufbauten unterflutet wurden. Insbesondere der Übergang des Gullystutzens auf das Entwässerungsrohr, welches innerhalb der Wandkonstruktion angesiedelt wird, ist besonders schadenträchtig und nicht kontrollierbar, wie die Beispiele zeigen. An zwei unterschiedlichen Dächern (1. Kunststoffabdichtung, 2. Bituminöse Abdichtung) war als Schadensbild festzustellen, dass die Dachflächen vollständig unterflutet wurden.

Der Grund war in beiden Fällen eine undichte Muffenverbindung am Übergang des Gullystutzens zu der handwerklich hergestellten Rohrweiterleitung, an der der Klemmring (Gummiring/Rollring) nicht exakt angebracht werden konnte. Durch diese Fehlkonstruktion konnte sich Wasser an der Stoßstelle zurückziehen und die Dachabdichtung unterwandern. Feuchtigkeit staute sich ungehindert auf der Dampfsperre und sammelte sich partiell in einer Höhe von 1 bis 2 cm. Im dritten Fall lagen die Gründe für das Versagen der Funktion des Gullys an der Eindichtung.

Relativ breite Attika

Bei den überprüften Dächern (Nr. 1 und Nr. 2) bestanden die Attiken aus gemauerten Bimsaufbauten. Dadurch existiert naturgemäß auch eine relativ breite Attika, die es zu überbrücken gilt. In Zeiten von exorbitant dicken Wärmedämmmaterialien erhöht sich dieses Problem weiter. Hierbei werden schnell Attikadicken von 40 oder sogar 50 cm erreicht. Durch eingehende Untersuchungen (Probeöffnungen, Mikrowellenmesstechnik) stand fest, dass der gesamte Bereich der Dachflächen (einmal Doppelgarage, einmal Wohnhaus) mit Wasser unterlaufen war. Die Wassermenge war so groß, dass diese praktisch gleichmäßig verteilt auf der Dampfsperre stand – bis zu einer Höhe von 2 cm.

Partiell war die Wärmedämmung schon so wassergesättigt, dass diese entfernt werden musste, respektive es sollte eine Trocknung dazu angeordnet werden. Durch intensive Untersuchung der Dachfläche war demnach davon auszugehen, dass eine Undichtigkeit in der Flächenabdichtung nicht vorhanden sein kann. Bei dem Flachdach, abgedichtet mit einer Kunststoff-Dachbahn, wurde der Ablauf dann ausgebaut und untersucht. Dieser bestand aus einem Formteil, extra für Attiken mit einem Rohrdurchmesser von 10 mm als Entwässerung und zusätzlich einem Ablaufrohr von ca. 60 mm Durchmesser für die Notentwässerung. Der Ablaufstutzen für die Notentwässerung sitzt ca. 10 cm über der Oberkante der Dachfläche, mithin ist also eine sehr hohe Stauhöhe für ablaufendes Wasser generiert.

Ein Nachweis für die Berechnung für die Notentwässerungsleistung existierte an dem Bauvorhaben nicht. Der Attikagully saß derart in der Wandkonstruktion, dass das Stutzenende des Gullys in der Mitte der Wandkonstruktion endete und dort mit herkömmlichen Muffen und Bogen so verlängert wurde, dass das Wasser nach außen geführt werden sollte. Die Stoßstelle also lag genau innerhalb des Wandaufbaus und war mit üblichen Muffen mit Klemmring (Gummiring/Rollring) hergestellt.

Gerade diese Stoßstelle ist ein sensibler Bereich der handwerklich sehr schwer wegen des beschränkten Handlings dauerhaft dicht und fachgerecht herzustellen ist. Die exakte Position des Gummirings ist nach der Montage kaum noch überprüfbar.

Autor: Herbert Gärtner

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05.2020.

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Letzte Aktualisierung: 13.03.2020

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