„Einfach machen“

Seit Ende Februar ist Mike Schilling neuer Vizepräsident des ZVDH. Im Interview sagt der Ravensburger, welche Impulse er in seinem Schwerpunkt Fachtechnik setzen will und wie er gelernt hat, auch einfache Dinge zu schätzen.

Mike Schilling ZVDH Vizepräsident
Mike Schilling, ZVDH Vizepräsident. Foto: ZVDH

Herr Schilling, bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.
Ich bin 47 Jahre alt, Ravensburger, verheiratet, zwei Kinder. Die Dachdeckerfirma Gabur habe ich von meinem früheren Firmenchef Erich Gabur 2006 übernommen, war mit ihm aber schon ab 1999 in der gemeinsamen Geschäftsführung tätig. Ich bin schon lange in der Berufsorganisation aktiv als stellvertretender Obermeister sowie im Marketingbeirat des Landesverbandes Baden-Württemberg und habe mich an vielen Projekten beteiligt. Ich habe einen großen Freundeskreis und engagiere mich viel in Netzwerken wie zum Beispiel Handwerk Pro Ravensburg und dem Wirtschaftsforum Ravensburg.
Sie holen sich also Impulse auch von außerhalb des Dachdeckerhandwerks?
Ja, ich bin sehr kontaktfreudig, sehr interessiert an Menschen und ich bin gerne unterwegs. Und ich lasse mich immer wieder mal zu neuen Sachen überreden.

Wie zum ZVDH-Vizepräsidentenamt?
Ich sage es mal so: Ich nehme neue Dinge relativ einfach an und scheue mich nicht vor Arbeit. Und das war auch mein Credo bei der Vorstellung für das Amt: Einfach machen – im doppelten Sinn. Nachvollziehbar handeln und reden einerseits, einfach mal loslegen andererseits. Man kann auch abbremsen, Entscheidungen korrigieren und sie dann verbessern.

Neudeutsch würde man sagen: eine „agile“ Herangehens­weise.
Genau. So habe ich mich auch beruflich weiterentwickelt. Schon am Ende meiner Ausbildungszeit habe ich Baustellen alleine geregelt, wenn der Vorarbeiter ausgefallen ist. So hat es sich dann auch in der Firma entwickelt: Wenn es Probleme gab, habe ich sie erledigt – und irgendwann praktisch die ganze Firma gemanagt. In der Berufsorganisation war es ähnlich, ich habe mich auf allen Ebenen gerne engagiert und bin jetzt Vizepräsident.

Welche Schwerpunkte legen Sie dort?
Im Prinzip übernehme ich eins zu eins das Aufgabenfeld meines Vorgängers Stephan Eickhoff, vor allem das große Feld der Fachtechnik . Dort versuche ich, auch den Blickwinkel des einfachen Dachdeckers einzunehmen, der draußen den ganzen Tag mit auf der Baustelle arbeitet, abends groggy ins Büro kommt und gerade noch den nächsten Tag organisiert bekommt. Viele haben damit zu kämpfen, dass es ihnen zu viel und zu kompliziert wird zwischen Fachregel, Norm und Aussagen der Industrie. Das Regelwerk ist einer unserer größten Erfolge und Errungenschaften. Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir es mit Kleinteiligkeit nicht übertreiben. Die kann bei bestimmten Gutachtern, die nicht tief genug in der Materie sind, auch die Angriffsfläche vergrößern.

Wie möchten Sie diesen Blickwinkel einbringen?
Zum Beispiel bei fachtechnischen Diskussionen – dort einfach mal die Gegenseite wiedergeben und quer fragen: Brauchen wir das? Was soll das? Bringt uns das weiter? Ich glaube, dass diese Herangehensweise erfolgreich ist. Ich bin froh, wenn einer von meinen Mitarbeitern ins Büro hereinkommt und mich ganz banal fragt: „Warum machen wir das eigentlich so?“ Das ist meine Art, Dinge anzupacken.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 09.2018//

Letzte Aktualisierung: 04.05.2018

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