Energiewende mit Helau

Pünktlich um 11 Uhr 11 läuteten die rheinland-pfälzischen Dachdecker die närrische Zeit ein. Über den Dächern von Mainz strahlte die Sonne. Die spielte auch thematisch eine Rolle, der Tenor: "Die Energiewende braucht das Handwerk".

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Einen schönen Blick über Mainz und die Umgebung hatten die Dachdecker bei der Mainzer Dombegehung. Fotos: DDH

Die Narren hatten am 11.11. passend zum Einläuten der Karnevalszeit Mainz im Griff, zumindest die Innenstadt. Akustisch machten sich die "Meenzer" am Faßnachtsbrunnen bemerkbar. Dort versammelten sich die rheinland-pfälzischen Dachdecker und stimmten sich auf den 64. Landesverbandstag ein. Eine andere Gruppe besichtigte den Mainzer Dom und genoss das sonnige Panorama über den Dächern von Mainz. Parallel dazu ging es technisch im Mainzer Sendezentrum zu, wo sich eine dritte Gruppe über die Sendetechnik des ZDF informierte. "Neue Energie für unsere Zukunft" unter diesem Motto läutete der Obermeister der Dachdecker-Innung Mainz-Bingen, Karl-Christian Neger, die öffentliche Fachtagung ein. Neger begrüßte besonders Karl-Heinz Schneider und die Premiumpartner aus der Industrie Roto und Schott Solar. Jörg Roling von Schott Solar bedankte sich für die Einladung, sein Unternehmen stellte den Kontakt zum Haupt-Referenten Dr. Franz Alt her.

Es gibt kein Energieproblem

Der Pionier der Solarbranche tingelt seit Jahrzehnten um die Welt. Er hat nur ein Thema ("Die Sonne schickt uns keine Rechnung"), doch was er sagt, hat Hand und Fuß.

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Seine guten Beziehungen zur Politik ließ LIM Johannes Lauer im Vorfeld spielen und lud seine Parteifreundin Julia Klöckner nach Mainz ein.

Emotional und detailliert erläuterte Dr. Alt den Zusammenhang von Klimawandel und Erderwärmung: "Wer Kohlekraftwerke baut, produziert Klimaflüchtlinge. Dafür bekommen wir die Rechnung präsentiert, zumindest unsere Nachkommen. Der Journalist zeigte beispielhaft die Folgen der Erderwärmung und lobte das deutsche Erneuerbare Energie-Gesetz, das mittlerweile 27 Länder übernommen haben. Ein Umdenken beim Energiesparen sei außerdem nötig.

Technisch sehr anspruchsvoll ging es mit DDH Autor Thomas Gaisbauer von Isover weiter. Gaisbauer sprach über Wärmedämmung in der Gebäudehülle und deren wichtigste Einflussgrößen. Abends amüsierten sich die Dachdecker in der Laubenheimer Höhe, wo der singende Klempnermeister Thomas Neger, Enkel des legendären Dachdeckermeisters Ernst Neger, gemeinsam mit den berühmten Mainzer Hofsängern unterhielt. Lauer bedankte sich bei Obermeister Karl-Christian Neger für einen besonderen Festabend: "Lieber Christian, das war außergewöhnlich". Der Landesinnungsmeister begrüßte am Samstag weitere Gäste, unter ihnen auch die Kollegen aus Baden-Württemberg Hans-Peter Kistenberger, Westfalen (Manfred Struwe) und deren Geschäftsführer sowie Ehrenlandesinnungsmeister Karl-Heinrich Stein. Außerdem anwesend: Artur Wierschem und Peter Welter vom BBZ Mayen und LAK-Direktor Manfred Schneider. Lauer betonte die gute wirtschaftliche Lage in der Region: "Den rheinland-pfälzischen Dachdecker geht es gut, vor allem die Kollegen an der Mosel sind gut ausgelastet. Wir brauchen nicht zu jammern".

Wende muss bezahlbar sein

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Appellierte engagiert für ein Umdenken bei der Energieversorgung: Dr. Franz Alt.

Seine guten Beziehungen zur Politik ließ Lauer im Vorfeld spielen und lud seine Parteifreundin Julia Klöckner nach Mainz ein. "Energiewende braucht Handwerk" - derselben Meinung wie Franz Alt ist auch Klöckner, Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland Pfalz, die ihre Statements zum Thema ausführte. "Energiewende kann jeder sagen, doch wir müssen sie auch umsetzen und dafür brauchen wir gute Handwerker". Überregional geht es dem Dachdeckerhandwerk gut, das unterstrich Präsident Karl-Heinz Schneider: "Wir hatten 2010 einen Jahresumsatz von 8,3 Milliarden Euro, 2011 werden wir das noch um mindestens 10 & steigern können". Schneider gab einen ausführlichen Abriss über die Aktionen des ZVDH und der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Kritisch sieht Schneider den noch zu wenig genutzten Slogan der Handwerkskampagne. "Auf den dreckigsten Autos sehe ich das Logo unserer Kampagne, warum nutzen Sie die Aufkleber der Imagekampagne nicht?". Lobend erwähnte er das Elektroauto von Karl-Christian Neger, das auf der Hotelterrasse die Blicke auf sich zog.

Humorvolle Grußworte kamen von Felix Harth, Kreishandwerksmeister von Mainz Bingen. Der Zimmermeister fasste sich kurz: "Wir in den Betrieben müssen die Grundlagen für den Nachwuchs schaffen. Die Zahlen, die in Rheinland-Pfalz auf uns zukommen, sind erschreckend". Abschließend ehrte Lehrlingswart Karl-Heinz Bischoff Simon Moser, Landessieger im praktischen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend und 3. Bundessieger. Volkmar Sangl von der DEG übergab ihm traditionell einen Handwerkskoffer. Johannes Lauer ehrte abschließend die aktiven Vorstandsmitglieder Henri Scholtes und DDH Autor und PR-Referent Herbert Gärtner jeweils mit der Ehrennadel mit Eichenlaub. Obermeister Karl-Christian Neger, der souverän durch den abwechselungsreichen Verbandstag leitete, bedankte sich bei seinem Team für die Organisation und entließ die rund hundert Dachdecker mit einem kräftigen "Helau".

Johannes Messer

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Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 24/2011.

Letzte Aktualisierung: 14.11.2011