Entwässerung: Alles im Fluss?

Jedes Flachdach ist so zu planen und auszuführen, dass auch der Jahrhundertregen abgeleitet werden kann. Dabei hat der Dachdecker Grundsätze beim Neubau, vor allem aber auch bei der Sanierung zu beachten. Wir verschaffen einen Überblick über Nennweiten, Ablaufleistung, Anordnung und Co.

Flachdachentwässerung Notabaulauf (1)
Typische Einbausituation: Werksseitig aufkaschierte Anschlussmanschetten (hier bituminös) geben große Sicherheit sowohl in der Abdichtungsebene wie auch beim Anschluss an die Dampfsperre. Fotos: Klöber

Nach DIN 1986-10 ist jedes Flachdach gegen das „Fünfminutenregenereignis einmal in 100 Jahren“ am jeweiligen Gebäudestandort abzusichern. Dabei fließen mit dem Berechnungsregen r(5,5) und dem Jahrhundertregen r(5,100), als ein fünfminütiges Extremregenereignis, zwei Werte in die Planung ein. Die Berechnungsregenspende r(D/T) [in l/(s ∙ ha)] ist die Menge Niederschlag, die für eine bestimmte Dauer pro Sekunde auf einen Hektar und somit auf die anteilige Dachfläche in der Horizontalprojektion, fällt.

Dabei gibt der Wert D die Dauer (5 Minuten) der Regenspende an und T die durchschnittliche Wiederkehrperiode der Regenspende (5 Jahre oder 100 Jahre). Die Berechnungsregenspende wird auf Basis statistischer Erhebungen ermittelt. Das Berechnungsverfahren und die Erfassung der Regenspende (l/s/ha) nach Kostra DWD 2010R hat sich bewährt.

Abläufe an Tiefpunkten

Die Entwässerung ist unter Beachtung der Bemessungsnormen so anzuordnen, dass die Niederschläge auf kurzem Wege abgeleitet werden können. Die Entwässerung kann mit Abläufen oder über vorgehängte Dachrinnen mit entsprechender Traufausbildung erfolgen. Vor allem innenliegende Entwässerungen sollten sorgfältig geplant und regelmäßig gewartet werden. Dachflächen mit nach innen abgeführter Entwässerung müssen unabhängig von der Größe der Dachfläche für jede Teildachfläche mindestens entweder zwei Dachabläufe (von denen ein Ablauf als Notablauf funktioniert) oder einen Dachablauf und einen Notüberlauf erhalten. Abläufe von innen liegenden Dachentwässerungen sollen an Tiefpunkten der Dachfläche angeordnet werden und so ausgebildet sein, dass die Abdichtung wasserdicht angeschlossen werden kann. Bei Dachflächen ohne Gefälle sind besondere Maßnahmen, wie die Anordnung der Abläufe an den Stellen maximaler Durchbiegung, zu treffen. Befinden sich die Dachabläufe in einem linearen Tiefpunkt ohne nennenswerte Höhendifferenzen, sollte der maximale Abstand der Dachabläufe 20 m nicht überschreiten. Bei Gefälledächern erhält man unterschiedlich große Einzugsgebiete pro Entwässerungselement. Dies erfordert einen gesonderten Nachweis pro Teilfläche.

Diese Berechnung sollte gemeinsam mit dem Ablaufhersteller geführt werden. Die Durchbiegung der Unterkonstruktion muss hierbei berücksichtigt werden.

(Hinweis: Es gibt immer sonst immer wieder Leute, die deshalb den Laubfang entfernen, ein Laubfang erhöht aber bei vielen Produkten auch die Ablaufleistung).

Bei der Einsatzplanung ist darauf zu achten, dass die Ablaufleistung eines Entwässerungssystems vom Hersteller bereits mit einem Kies-/Laubfang bemessen wurde. Flächenabläufe sollen einen Abstand von mindestens 0,30 m von Dachaufbauten, Fugen oder anderen Durchdringungen der Abdichtung haben. Dieser Wert wird ab der äußeren Begrenzung des Anschluss-Flansches bewertet. Dies gilt nicht für in die Attika integrierte Abläufe. Dachabläufe müssen zu Wartungszwecken frei zugänglich sein. Um die Funktionsfähigkeit der Entwässerung zu gewährleisten, sollten mindestens alle sechs Monate, insbesondere auch im Herbst, Wartungs- und gegebenenfalls Instandhaltungsarbeiten erfolgen.

Hanns-Christoph Zebe

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05.2020.


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Letzte Aktualisierung: 13.03.2020