„Entwicklungen genau beobachten“

Seit Jahresbeginn verstärkt sich die Diskussion um Vertriebswege und Geschäftsmodelle im Dachmarkt. Im Interview schildert ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk die Sicht des Verbandes und bekennt sich klar zum dreistufigen Vertriebssystem.

Dirk Bollwerk
„Wir als Dachdecker wollen unsere Eigenverantwortlichkeit behalten.“ Dirk Bollwerk Foto: ZVDH

Herr Bollwerk, in den letzten Wochen sind die Wellen in der Verbandswelt hochgeschlagen: Viele sehen das dreistufige Vertriebssystem – bestehend aus Hersteller, Fach-Handel und Betrieb – in Gefahr. Was war der Anlass?

Es gab gleich mehrere Anlässe. Zum einen befürchten Dachdeckerbetriebe, dass Online-Portale wie MeinDach.de oder Stegimondo den Dachdecker – überspitzt formuliert – zum einfachen Monteur degradieren. Das hat nun erst einmal weniger mit dem dreistufigen Vertriebssystem zu tun, aber es wurde zum Anlass genommen, zu hinterfragen, wie eng generell die Partner des dreistufigen Systems derzeit noch verbunden sind. Ein Artikel, in dem in einer Kundenzeitschrift für meindach.de geworben wurde, hat weiterhin für Aufruhr gesorgt, weil man unterschwellig herauslesen konnte, dass nur Dachdeckerbetriebe, die bei meindach.de gelistet sind, zuverlässig seien. Das steht zwar nicht explizit in dem Text, aber kann so verstanden werden.

Ein anderer Grund zur Aufregung betrifft tatsächlich ganz konkret das dreistufige Vertriebssystem: Velux wird vorgeworfen, den Handel zu umgehen und über Internetportale direkt an den Endkunden zu liefern, zum Teil deutlich günstiger als über den stationären Dachdecker-Fachhandel. Das hat ebenfalls für viel Unmut in der Dachdecker-Branche gesorgt.

Die Stimmen dazu waren ja laut vernehmbar. Wie ist denn der aktuelle Stand? Wurde das Gespräch gesucht?

Natürlich! Zum einen haben wir auf unserer Mitgliederversammlung im Februar ausführlich mit allen Landesverbänden das Thema diskutiert. Wir haben dort – und auch auf der Delegiertenversammlung – ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sich das ZVDH-Präsidium bislang ausnahmslos für den Erhalt des dreigliedrigen Vertriebssystems im Dachdeckerhandwerk eingesetzt hat und dies auch weiterhin mit aller Kraft tun wird. Wir haben aber auch klar gemacht, dass der ZVDH sich weder für noch gegen eine Bindung von Mitgliedsbetrieben an digitale Geschäftsmodelle ausspricht. Eine solche Empfehlung lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Modelle nicht pauschal begründen. Abgesehen davon, dass dies uns als Berufsorganisation nicht erlaubt ist, ebenso wenig wie Aufrufe zum Boykott. An dieser Stelle sei auch noch einmal an unser eigenes Portal unter www.dachdecker.com erinnert, das speziell für unsere Mitgliedsbetriebe eingerichtet wurde.

Und wurden auch die Unternehmen direkt von Ihnen angesprochen?

Dazu sind wir zu lange Partner, um nicht auf Augenhöhe auch schwierige Themen anzusprechen. Erste – auch sehr ausführliche – Gespräche gab es auf der Messe, im Anschluss danach und zuletzt in unserem Lenkungskreis Digitalisierung, wo auch die Geschäftsführer von BMI/Braas und Velux vertreten sind. Wir konnten deutlich machen, wo die Ängste der Dachdecker liegen. An der Stelle bemühe ich gern nochmal das Bild von den Köchen und Kellnern. Wir als Dachdecker wollen unsere Eigenverantwortlichkeit behalten, wollen gute Arbeit leisten und setzen auf individuelle Beratung der Kunden. Dazu benötigen wir aber auch die Sicherheit, dass unsere Partner auch langfristig vertrauensvoll mit den Dachdeckerbetrieben arbeiten wollen. Denn auch der Industrie muss klar sein: Nur wenn es der Dachdeckerbranche insgesamt gut geht, geht es auch den Herstellern gut.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 07.2018.

Letzte Aktualisierung: 05.04.2018

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