Fachtagung zum Thema PSAgA

Am 26. September haben rund 100 Gäste an der Fachtagung zum Thema "Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz" teilgenommen. Die SpanSet GmbH hatte in die Berufsgenossenschaftliche Bildungsstätte ins niedersächsische Bad Münder eingeladen. Die Dinglichkeit dieser Angelegenheit wird deutlich, wenn man die Zahl der tödlichen Abstürze betrachtet.

Jochen Nordhof
Jochen Nordhoff von Fa. Strenge präsentiert Spanngurte für den Absturzschutz auf dem Flachdach: RoofXafe schafft Feldlängen von bis zu 7,50 Metern. Fotos: Spanset

Unter dem Motto "Niemals oben ohne" ging es auf der Fachtagung nicht darum, möglichst viele PSAgA an die Leute zu bringen, sondern "(...) es gibt genügend andere Maßnahmen, die man zuerst ergreift, damit eben niemand 'oben ohne' dasteht.“, sagte SpanSet-Geschäftsführer Andreas Höltkemeier, der zusammen mit Prokurist Werner Glasen die Gäste begrüßte.

Zunächst ging es also darum, alle anderen technisch realisierbaren Schutzmaßnahmen, die einen Absturz verhindern, zu erwägen, wie z.B. Geländer. Frank Christ von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft hebt hervor: „Absturzsicherheit darf nicht erst dann eine Rolle spielen, wenn die Leute das Gerüst aufstellen.“ Bereits Bauherren und Architekten sollten das Thema möglichst frühzeitig mit einplanen, indem sie Auffangvorrichtungen oder Anschlagspunkte für die PSAgA von vornherein berückstichtigen.

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Improvisation ist fehl am Platz

Bei dem Begehen von Baustellen wird Christ besonders aufmerksam, wenn er auf ein potenzielles Sicherheitsrisiko in der Höhe anspricht und die Antwort enthält: „Das kriegen wir schon hin." Solche Aussagen deuten für Christ darauf hin, dass in Sachen Sicherheit schließlich improvisiert wird - „Genau das darf nicht passieren", so Christ.

Nicht allein aus Sicherheitsgründen sei es von großem Vorteil, wenn die Absturzsicherung in die Planung einbezogen werde. „Mit einem für die gesamte Bauphase installierten Schutz verhindern wir, dass ein Gewerk nach dem anderen seine eigene Lösung aufbaut. Das kostet unnötig Zeit und Geld.“

Praxisbeispiel am Flachdach

Jochen Nordhoff vom Fachhandelsunternehmen Strenge demonstrierte in einem Praxisbeispiel, wie man Absturzsicherung auf dem Flachdach oder an der offenen Gebäudekante planvoll betreibt. Die Auffangvorrichtung RoofXafe für das Flachdach besteht im Wesentlichen aus robusten Pfosten und Spanngurten. „Die Hülsen für die Pfosten müssen bei der Flachdachkonstruktion eingeplant werden. Damit ist die Basis für ein leichtes Anbringen geschaffen“, erklärte Nordhoff. Eine Spezialratsche mit Vorspannanzeige bringt die dehnungsarmen, beschichteten Gurte auf die vorgeschriebene Spannung, Feldlängen von bis zu 7,50 Metern sind möglich. Stehen Stützpfeiler oder Wandelemente des Bauwerks zur Verfügung, können die Gurte auch an ihnen befestigt werden. Hierbei kommt das System SideXafe mit Anschlagwinkeln zum Einsatz. Damit lassen sich Feldmaße von bis zu 9 Metern realisieren.

Beide Systeme bleiben während der Bauzeit an Ort und Stelle, ohne Umbau.

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Gewicht beachten und Sturzhöhe berechnen

Die Körpermasse der Arbeiter ist eine zunehmende Herausforderung. Das vorgeschriebene Prüfgewicht für PSAgA liegt bei 100 Kilogramm. Die zuständige EN 355 verlangt, dass das Verbindungsmittel bei diesem Gewicht maximal 175 Zentimeter aufreißt. Wenn ein Falldämpfer das leistet, „darf“ er bei 140 Kilogramm deutlich weiter aufreißen, ohne dass er seine Zulassung verliert. Praktiker sehen hier ein handfestes Problem. Denn 100 Kilogramm sind schnell erreicht, wenn man berücksichtigt, dass Schutzkleidung, Werkzeug und anderes Material mitzählen. „Wir können nicht nur Leute mit 75 Kilogramm einstellen“, sagte Göpfert, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Enercon, in seinem Vortrag. Deshalb hat Enercon für die PSAgA sowie für das Equipment zur Rettung und Evakuierung einen eigenen Standard definiert. Und der lautet 140 Kilogramm. SpanSet hat genau auf dieses Gewicht das Verbindungsmittel SP140 geeicht.

Die Parameter für die Berechnung der Sturzhöhe – also der Stecke, die jemand fällt, bevor ihn die PSAgA auffängt – sind: Anwendergewicht, Länge des Verbindungsmittels und Lage des Anschlagpunktes, z. B. über oder unter der Person.

Jörg Scheilen
Jörg Scheilen, Fa. SpanSet: „Das Verbindungsmittel SP140 erfüllt auch bei 140 Kilogramm die Norm, die von 100 Kilogramm ausgeht: Es reißt maximal 175 Zentimeter auf.“

Bei ordnungsgemäßem Gebrauch kann in einer ungünstigen Konstellation der Parameter die Sturzhöhe inklusive Sicherheitsabstand 6,25 Meter lang sein. Arbeitet der Verunfallte in einer Höhe von nur vier Metern, wird er auf dem Boden aufschlagen. Damit das nicht passiert, hat SpanSet einen Sturzhöhenrechner für das Verbindungsmittel SP140 entwickelt. Der Anwender gibt die drei genannten Parameter in eine Excel-Tabelle ein und erfährt per Mausklick, wie groß unter den konkreten Gegebenheiten die Sturzhöhe ist.


dach-holz.tv - Gerüstbau-Workshop

Absturzsicherung ist im Zimmererhandwerk ebenso wichtig wie bei den Dachdeckern und Spenglern. Micha hat als Dachdecker selbst Gerüste stellen müssen, Uli ist auf dem Gebiet (noch) völlig unbewandert.

Letzte Aktualisierung: 05.11.2019