Feuchtefalle und Befangenheit

Bauphysik, aktuelle technische Regeln, Normen und deren Novellierungen sowie Rechtsprechung und Abrechnung – Themen der diesjährigen Sachverständigentagung, mit der sich rund 250 Dachdecker und SV an drei Tagen beschäftigten. Wo Feuchtefallen lauern und wie sie zu vermeiden sind, erläuterte ein Kollege aus Wien.

Sachverständigen Tagung Mayen 2017 Teilnehmer
Telefonate führen, Mails checken und mit Kollegen austauschen – selbst die Pausen nutzten die rund 250 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständigen effektiv. Fotos: DDH

Den Start der dreitägigen Veranstaltung übernahm nach der Begrüßung durch Ullrich Sparrer, Vorsitzender des BBW Mayen, ein Gast aus Österreich: Univ.-Lektor Dr. Martin Teibinger von der technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt Wien. Der österreichische beeidigte Sachverständige referierte über das Thema „Flachdächer in Holzbauweise – professionelle Vorfertigung oder Baustellenfertigung“.

Dicht-Dicht-Konstruktion vermeiden

Einleitend erläuterte der Holzexperte einige bauphysikalische Grundlagen und Begrifflichkeiten wie beispielsweise die Diffusion und die Konvektion. Das Konzentrationsgefälle der Diffusion verglich Teibinger scherzhaft mit einer Kasse: „Öffnet Kasse 2, rennen alle an selbige Kasse. Hier entsteht automatisch ein Gefälle. So verhält es sich auch mit der Feuchtigkeit bei Wärmebrücken am Baukörper.“ Bewährte Konstruktionen, die im Steildach- und Fassadenbereich funktionieren, können im Bereich Flachdach unter Umständen kritisch werden . Das Problem: Abdichtungen sind weitestgehend diffusionsdicht. Bei solchen Dicht-Dicht-Konstruktionen können entstehende Baufeuchte oder beispielsweise Sekundärtauwasser nicht entweichen. Prinzipiell muss ein Flachdach die Möglichkeit haben, eingetragene Feuchte aus den Wintermonaten durch Diffusion und Konvektion im Sommer zurückzuführen, so Teibinger weiter. Verschattungen durch Aufbauten, Begrünungen etc. am Flachdach wirken sich stark negativ auf das Rücktrocknungspotenzial aus. Diese Einflüsse erschweren die ausschließliche Baustellenfertigung von „Flachdächern in Holzbauweise“. Teibinger ist wie seine deutschen Kollegen der Meinung, dass es in der Praxis keine 100%ige Luftdichtheit gibt. Kleinste Leckagen können Feuchtigkeit in den Aufbau eintragen – die Folge: eine vorprogrammierte Feuchtefalle. In Österreich gibt es eine Sammlung für nachweisfreie Konstruktionen „Planungshilfe Flachdach“ auf Basis europäischer Normen ( www.dataholz.com ) und nicht inhaltsgleich zu DIN-Normen wie der DIN 4108-3 mit weit über 1.000 beispielhaften, nachweisfreien Konstruktionen für die Praxis. Grundsätzlich hätten sich, zumindest in Österreich, vorgefertigte Flachdächer in Modulbauweise (einzelne Boxenmodule mit Innenbekleidung, Dampfbremse, Gefachdämmung, OSB-Platte und einlagige Abdichtungslage) bewährt und seien häufig eingesetzt. Sein Fazit zu Flachdächern in Holzbauweise: „Nein zu billigen Produkten. Nein zu noch nicht erprobten neuen Produkten und nein zu holzbaukritischen Aufbauten und Details.“

Bagatelle oder Mangel

Die Mangelbewertung sei eigentlich Sache der Richter, aber in Zeiten, da einem Richter 431 Parallelverfahren anhängen, sei es nicht nur eine Frage fachlicher Kompetenz, dass die Juristen deren Urteil auf den Schultern der Sachverständigen abladen. Professor Matthias Zöller, AIBau Aachen, beschäftigte sich dazu mit der Frage, welche Fehler als Mangel zu bewerten sind. „Ich habe mich ganz davon distanziert, in Gutachten über Mängel zu sprechen. Ich muss über Fall A und B aufklären“, erläuterte Zöller. Die Bestellererwartung sei die subjektive Komponente, die allgemein anerkannten Regeln der Technik die objektive. Schlussendlich sei die Vereinbarung zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber maßgeblich, ob etwas als Mangel gilt und ob es hinzunehmen, hinnehmbar oder zu beseitigen ist.

Brigitte Latsch, Michael Zenk

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 24.2017.

Letzte Aktualisierung: 12.12.2017

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