Feuchtekonvektion bei flach geneigten Pultdächern

Flach geneigte Pultdächer werden immer beliebter, doch Schadensfälle häufen sich. Wir beschreiben, wie eine ungetrennt über die Außenwände hinweggeführte Holzschalung für Feuchtekonvektion sorgt.

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Eigentlich schön anzusehen das Pultdach, allerdings nur von Weitem. Bei näherem hinsehen zeigen sich Schwarzflecken aufgrund von Luftkonvektion an der Unteransicht. Fotos: Holzapfel

Flach geneigte Pultdächer werden im Wohnungsbau immer beliebter und bestimmen bereits ganze Neubauviertel. Konstruktion und Ausführung erfordern jedoch gewisses Umdenken, weil es sich hierbei um Grenzfälle zwischen Flach- und Steildach handelt: Gewohnte Ausführungen aus dem Steildach sind nicht ohne weiteres übertragbar, wie ein Praxisbeispiel zeigt. Dies mussten Bauträger, Handwerker und Bauherr erfahren, weil aus einem vorgeblich geringen optischen, ein umfangreicher technischer Schaden erwuchs.

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Deutlich sichtbare Schadensbilder.

Der Schaden

Schon vor Bezug des zweigeschossigen Wohnhauses bemängelte der Bauherr schwärzliche Verschmutzung der Brettuntersichten am Dachüberstand. Der Bauträger schickte einen Mitarbeiter mit Farbe und Pinsel und glaubte den Mangel damit behoben. Nach Bezug des Wohnhauses traten in den folgenden Wintermonaten jedoch neue Verschmutzungen zu Tage die den Bauherren veranlassten einen Sachverständigen zu Hilfe zu rufen. Der Sachverständige prüfte Bauzeichnungen und Leistungsbeschriebe und ließ sich Baustellenfotos des Bauherren zeigen. Alles dies veranlasste ihn dazu, das Dach öffnen zu lassen um den Ursachen beweissicher auf die Spur zu kommen. Das Pultdach hatte eine Neigung von ~10° mit einer Dachdeckung aus Flachdachziegeln über Doppellattung, Unterdach aus Bitumenschweißbahnen und Dachschalung aus OSB-Platten. Die Dachüberstände waren mit Schattennut-Brettern bekleidet, die am Giebel außen auf Flugsparren, innen auf Streichsparren vernagelt waren. Die Bretter mit Ihren Fugen verliefen also von innen über die Außenwand. Luftströmung und mit ihr Schmutzpartikel konnten so von innen nach außen befördert werden, und Luft aus dem Dachgefach im Bereich des Dachüberstandes kondensieren. Die Öffnung des Unterdaches zeigte, dass das Dach unbelüftet konstruiert und hergestellt war: Eine Gefachdämmung aus MF-Matten füllte die Sparrengefache voll aus. Als Dampf- und Luftsperre war eine PE-Folie innenseitig unter den Dachsparren eingebaut. Im Dachgefach hatte sich weiträumige Verpilzung ausgebreitet, sowohl an der Unterseite der OSB-Platten, wie auch am tragenden Dachgebälk. Ein Prüfinstitut stelle fest, dass der Pilz ein holzzerstörender Blättling (Gloeophyllum sp.) war, der weitgehende Bekämpfung und teilweisen Austausch des Holzwerks und Kompletterneuerung der Dachschalung erforderte.

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Bei der Probeöffnung der Konstruktion waren die Schäden und Mängel schnell ersichtlich.

Ursachen und Bewertung

Unbelüftete zweischalige Flachdächer werden seit etwa 2012 als hoch risikobelastet eingestuft, die Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks sagen dies im Gelbdruck seit 2015 und in der Fachregel für Abdichtungen seit 12.2016 : (20) Dächer in Holzbauweise mit Vollsparrendämmung ohne Hinterlüftung der Abdichtungsunterlage haben sich in der Praxis als sehr schadensträchtig gezeigt. Solche Bauteile sind als Sonderkonstruktionen zu betrachten.

Für Steildächer hatte Prof. Dr. Hartwig Künzel vom Fraunhofer Institut bereits im Jahr 2007 auch auf Feuchteprobleme unbelüfteter Steildächer hingewiesen. Das hier schadhafte Pultdach ist weder Steil- noch Flachdach, jedoch mit den Problemen des unbelüfteten Daches behaftet. Zunehmend wird in wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf die besondere Gefahr der Feuchteschäden hingewiesen.

Für das hier schadhafte Dach ist ein zusätzlicher Mangel in der ungetrennt über die Außenwände hinweggeführten Holzschalung zu sehen. Die Fugenoffenheit der Bretter lässt Luft- und Feuchtekonvektion in beiden Richtungen zu. Dieser Umstand hat die Schäden am Dach zusätzlich befördert.

Daraus folgt: Brettschalungen müssen über Außenwänden getrennt – und abgeschottet - werden und dürfen auf keinen Fall ungetrennt durchlaufend verlegt werden.

Walter Holzapfel

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12.2019.

Zum Fachbuch Typische Schäden am Dach

Letzte Aktualisierung: 10.06.2019