Flachdach auf Schienen

Bewegliche Fugen, ein Cabrio-Flachdach, dazu Durchdringungen und Klimatechnik – vielfältiger kann eine Dachlandschaft nicht sein. Im Zuge des Umbaus eines Freizeitbads setzte die Dachdeckerei Petry verschiedenste Werkstoffe ein, die stehend und liegend verarbeitet wurden.

Flachdach auf Schienen_1
Auf den ersten Blick ein gewöhnliches Flachdach, dabei funktioniert die linke Flachdachfläche wie ein Cabrio-Dach. Es fährt bei gutem Wetter nach rechts aus und die darunter liegende Hallenbadfläche wird zum Freibad. Das Petry-Team nutzte zahlreiche Techniken, um die Flächen zu dämmen und zu dichten. Alle Fotos: Soprema

Das Dach des Pfälzer Bad- und Freizeitzentrums Cabalela ist perfekt für jede Jahreszeit: Bei kühler Witterung bleibt es geschlossen und hält absolut dicht. Bei gutem Wetter lässt es sich über dem Schwimmerbecken vollständig öffnen. Schwimmhalle und Dach sind nagelneu – sie entstanden zwischen Mai 2015 und März 2017 bei einer Komplettsanierung des Bads. Außerdem wurden mehrere Altbestandsflächen modernisiert. Für die Sanierung mit komplexen und unterschiedlichen Ausführung der jeweiligen Teilflächen wurde die Dachdeckerei und Zimmerei Petry GmbH beauftragt – allerdings erst im zweiten Step. Das im Jahr 1975 errichtete Grünstädter Allwetterbad war trotz zwischenzeitlicher Sanierungen in die Jahre gekommen und baufällig geworden. Nach einem Bürgerentscheid im Jahr 2014 fiel die Entscheidung, das Bad für insgesamt 12 Millionen Euro umfassend energetisch zu sanieren und zu modernisieren. Die alte Schwimmhalle wurde zurückgebaut, ebenso das Dach, bei dem sich schon damals mehrere Flächen auf Schienen übereinanderschieben ließen.

Bewegliche Leichtdachkonstruktion


Im Anschluss an die Abrissarbeiten entstand ein modernes Schwimmbad mit einer Leichtdachkonstruktion, bestehend aus zwei Flächen auf Stahltrapezprofilen, deren größere sich komplett über die andere fahren lässt. Zusätzlich zum Neubau wurden einige Altbestandsbereiche erneuert, andere noch funktionstüchtige Gebäudeteile des Bads blieben erhalten. Die Planung sah einen Warmdachaufbau mit einlagiger FPO-Kunststoffbahnenabdichtung auf Stahltrapezprofilen und Stahlbetonuntergrund sowie für eine stark beanspruchte Terrasse eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen vor. Eine besondere Aufgabe bestand in der Vielzahl der Dach- und Bauwerksflächen, die zum Zeitpunkt der Modernisierung in unterschiedlichem Zustand waren und verschiedene Untergründe aufwiesen. Für jede Fläche musste das Petry-Team eine passende Abdichtungslösung finden, die mit den Nachbarflächen harmonierte. Fugen mussten geschlossen und sichere Anschlüsse zu funktionierenden Flächen geschaffen werden.

Große Aufholjagd zu Projektbeginn


Erschwerend kam hinzu, dass die Dachdeckerei und Zimmerei Petry GmbH durch einen Wechsel bei der Wahl des Dachdeckerunternehmens erst in einer fortgeschrittenen Bauphase in das laufende Projekt einstieg. Die Grünstädter Firma hatte schon in den Jahren zuvor Wartungsarbeiten am Dach des Bads vorgenommen und kannte daher die baulichen Gegebenheiten sehr gut – ein großer Vorteil bei der Realisierung des geplanten Bauablaufs. Dennoch: „Besonders am Anfang glich unsere Arbeit einer großen Aufholjagd“, berichtet Geschäftsführer Daniel Rumpf. „In den Schwimmhallen hatten bereits die Innenausbauten begonnen.“ Um die Innenbereiche und die fertiggestellten Dachflächen gegen die Witterung zu schützen, wurden zuerst in kürzester Zeit Dampfsperren mit Notabdichtungsfunktion verlegt und eine Notentwässerung installiert.

Für die Stahltrapez-Profilkonstruktion wählten die Dachdecker als Dampfsperre eine kaltselbstklebende Elastomerbitumenbahn, die ohne Grundierung verlegt wurde. Die Bahn verfügt über einen Duo-Längsrand, der eine Notabdichtung sicherstellt und somit die zeitversetzte Weiterarbeitung ermöglicht: Die inneren 3 cm der Naht sind kaltselbstklebend, die äußeren 5 cm lassen sich homogen verschweißen. Die Stahlbetonuntergründe sowohl im Neu- als auch Altbestand wurden zunächst mit einem schnell trocknenden Bitumenvoranstrich grundiert, danach verlegte das Petry-Team eine unterbrochen streifenweise aufgeschweißte Elastomerbitumen-Dampfsperrbahn. Auf dem beweglichen Dach folgte eine 180 mm dicke einlagige PIR-Dämmung, wobei die Gefälleausbildung konstruktiv durch die Unterkonstruktion erfolgte. Die übrigen Flächen wurden in einer Kombination aus EPS-Gefälleplatten und hochwärmedämmenden PIR-Flachplatten ausgebildet.


Susanne Knuth


Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH, Ausgabe 21.2017.

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