Fledermausgauben: Einfach mal durchdecken

Winzig klein auf Scheunen zu Hause oder riesig auf Herrenhäusern, die Fledermausgaube ist immer ein Hingucker. Wichtig bei der Ausführung ist die richtige Unterkonstruktion für die jeweilige Eindeckung. Ein Plädoyer für die geschwungene Form auch in der Moderne.

Fledermausgauben Aufmacher
Die Fledermausgauben dieses Neubaus entstanden in gewerkeübergreifender Zusammenarbeit durch Steffen Paul und Rainer Carls. Foto: Rainer Carls

Ursprünglich, so nimmt man an, war die Fledermausgaube auf Reetdächern zu Hause. Im Gegensatz zu ihren Schwestern hat sie keine aufgehenden Bauteile, sondern wird mit dem Deckmaterial „einfach“ durchgedeckt. Da dies aber alles andere als einfach ist, widmen wir ihr einmal mehr Aufmerksamkeit und betrachten verschiedene Deckarten. Die Gaube wölbt sich aus der Dachfläche und ihre Trauflänge ist etwas länger als die des Hauptdaches. Neben Reet sind Deckmaterialien geeignet, die sich entweder individuell zurichten lassen oder gezogen werden können. Somit eignen sich neben Schiefer- und Biberschwanzziegeln auch Hohlziegel. Falzziegel und sogar Betondachsteine sind bedingt geeignet.

Fledermausgaube Ziegel
Bei flacher Neigung ist auch das Durchdecken mit Ziegeln oder Betondachsteinen möglich. Skizze: ZVDH

Mit Reet gedeckt

Die Eindeckung einer Fledermausgaube mit Schilfrohr unterscheidet sich prinzipiell nicht von der Flächendeckung, ist jedoch zeitaufwendiger. In der Fläche wird etwa 1 m² Rohr verlegt. Hierfür braucht man elf bis zwölf Bund. Am Anfang der Gaube werden kurze Bunde benötigt. Für eine perfekte gerade Eindeckung ist der Anfang ausschlaggebend. Der Überstand wird zurechtgeklopft. 20 cm Überstand entsprechen einer Klopfbrettbreite.

Zum Fachbuch Technik der Biberschwanzdeckung

Mit Schiefer gedeckt

Fledermausgauben Betondachstein
Die Betondachsteine der Traufreihe wurden zugeschnitten. Foto: DDH

Die ersten Fledermausgauben dienten der Belüftung und Belichtung unbewohnter Speicherflächen. Wegen der geringen Fensterhöhe entstanden keine Probleme durch eine zu geringe Scheitellinienneigung. Hier beträgt die Mindestneigung 25°. Die Differenz zur Neigung des Hauptdaches sollte weniger als 12° betragen. Durch den Ausbau von Dachgeschossen stieg die Scheitelhöhe. Entscheidend für die Eindeckungsart der Wangen ist die Wölbungsstärke der Gauben. Starke Wölbungen werden mit eingehenden Kehlen gedeckt, damit keine Sperrungen entstehen. Wegen der am Hauptdach vorgegebenen Deckrichtung wird eine Seite vom Einfäller, die andere vom Wasserstein aus gedeckt. Bevor das abschließende Firstgebinde aufgelegt wird, werden die letzten Gebinde ausgespitzt. Bei flacheren Gauben empfiehlt es sich, ausgehend zu decken. Man beginnt die Deckung am Stirnbogen und bindet die Kehle auf der einen Seite zwanglos, auf der anderen Seite unregelmäßig mit Schwärmer ein. Bei sehr flach geneigten Gauben kann die Fläche durchgedeckt werden. Das Verhältnis Höhe zu Breite muss mindestens 1 : 8 betragen. Zu aufgehenden Bauteilen müssen Mindestabstände eingehalten werden.

Mit Biber gedeckt

Ähnlich wie bei der Schieferdeckung können sehr flach geneigte Gauben auch mit Biberschwanzziegeln durchgedeckt werden. Im Gegensatz dazu ist bei stärker geneigten Ausführungen die Regeldachneigung des Gaubenscheitels mit 30° vorgegeben. Das Verhältnis von Höhe zu Breite sollte 1 : 5 nicht überschreiten. Die Traglattung erfolgt mit wasserfest verleimten Holz, getrennten Dachlatten oder Kunststoffprofilen. Die Lattweite ermittelt sich aus dem Abstand der ersten durchgehenden Latte auf der Gaube zur ersten durchgehenden Latte oberhalb der Gaube. Geteilt wird dieser durch die Anzahl der anschließenden Latten des Hauptdaches. Die Eindeckung erfolgt vom Scheitelpunkt, wo die Gebinde mittig drei Ziegel breit eingedeckt werden. Die Verwendung von Formbibern erleichtert die gleichmäßige Eindeckung und hilft, das Abkämmen und Schneiden zu vermeiden.

Brigitte Latsch

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11/2019 .

Letzte Aktualisierung: 26.05.2019