Fließende Wellentäler

Das geschwungene Dach des Agrippabades in Köln spiegelt symbolisch das Wellenspiel des Wassers wider. Substanzschädigende Undichtigkeiten des alten Wellblech-Daches erforderten eine Sanierung. Der alte Aufbau wich einer Abdichtung aus Bitumen und einer speziellen Entwässerungslösung.

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Architektonisch anspruchsvoll: Das geschwungene Dach des Agrippabades während der Sanierung. Unabhängig von Witterungseinflüssen, konnten die Dachdecker unter dem provisorischen Trapezdach arbeiten. Fotos: Sita

Bei dem in Wellenform gestalteten Aluminiumprofil-Dach des Agrippabades in Köln bestand Handlungsbedarf. Undichtigkeiten, vor allen Dingen im Bereich der innenliegenden Entwässerungsrinnen, gefährdete schon die Substanz. Die Wärmedämmung war teilweise durchfeuchtet und auch die darunter liegende Dampfsperre war schon in Mitleidenschaft gezogen. Die abgehängte Decke zeigte unschöne Verfärbungen aufgrund der Undichtigkeiten. Ein Gutachten dokumentierte gravierende Tauwasserschäden und Wärmeverluste durch die Dachkonstruktion, weil die durchfeuchtete Wärmedämmung ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen konnte. So entschloss man sich 2012 zu einer umfangreichen Sanierung des ca. 2.000 m² großen Daches.

Erschreckende Bestandsaufnahme

Schon die erste Ortsbegehung zeigte, dass Grundsatzarbeit gefragt war. Die vorhandene Stahlblechdacheindeckung war zwar optisch attraktiv, technisch gesehen aber mangelhaft. Am Tiefpunkt der beiden Wellen wurde sie jeweils durch eine Rinne abgefangen, die das Wasser zu den beiden Stirnseiten leiten sollte. Diese Rinnen waren mit nur 10 cm Höhe zu klein dimensioniert. Sie liefen bei jedem stärkeren Regen über, sodass sich das Wasser seinen Weg suchte, in den Dachaufbau eindrang und in der Halle abtropfte. Über 53 m wies die Rinne kein Gefälle und Abläufe und Notentwässerungen waren nur auf ein Sechstel der notwendigen Dimension konzipiert. Aus Kostengründen und aufgrund der flexiblen Möglichkeiten, entschied sich der ausführende Architekt Matthias Kruchen für ein Warmdach mit einer Bitumenabdichtung. Kruchen: "Ein Warmdach bot die Möglichkeit, ein zusätzliches Gefälle durch Gefällekeile einzubauen, um das Regenwasser schneller zu den Abflüssen an den Stirnseiten zu leiten. Es galt, die Forderungen des Denkmalschutzes und die baulichen Gegebenheiten des Bestands mit der aktuellen DIN und den anerkannten Regeln der Technik in Einklang zu bringen." Den Auftrag zur Sanierung der Dachflächen erhielt Bedachungsunternehmen Peter Kossmann aus Bornheim.

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Im ersten Wellental wurden eine Hauptentwässerer und vier Notentwässerungsgullys mit 55 mm hohem Anstauelement unmittelbar nebeneinander platziert.

Schwerpunkt Entwässerung

Dem Betreiber war wichtig, dass der Bäderbetrieb während der fünfmonatigen Bauphase uneingeschränkt weiterlaufen konnte. Daher wurde die gesamte Dachfläche mit einem Baustellendach aus Stahltrapezblechen abgedeckt. Erst als das Behelfsdach stand, konnten die Wände geöffnet werden und das örtliche Aufmaß erfolgen. Das Dach mit seinen beiden Wellen bot nur zwei Tiefpunktbereiche bzw. Flachdachebenen. Unter diesen recht beengten Platzverhältnissen galt es nun, den am Standort ausgewiesenen Berechnungsregen r(5,5) von 312 l/s x ha und den Jahrhundertregen r(5,100) von 610 l/s x ha abzuführen. In enger Abstimmung mit dem Architekten wurde die CAD-Planung erstellt, die auch als Vorgabe für die Fertigung der erforderlichen Entwässerungs-Sonderbauteile diente. Spezielle Rechteckgullys aus Edelstahl wurden hier zum Problemlöser. Durch ihre hohe Ablaufleistung bis zu 18,5 l/s bei der verrohrten Hauptentwässerung kann die gesamte Dachfläche heute mit nur 18 "Turbogullys" entwässert werden. In dem großen Wellental wurden pro Stirnseite je 5 Rechteckgullys gruppiert, in dem kleinen Wellental der kleineren Dachfläche je 4. Keine Gestaltungsspielräume ließ die Hauptentwässerung. Vorgabe war, dass sie an die alten Entwässerungsrohre angeschlossen werden musste, die jeweils an den Stirnseiten in die Grundleitung führen. Die 4 Rechteckgullys, die diese Hauptentwässerungsarbeit übernehmen, wurden direkt mit ankonfektioniertem Übergangsstück geliefert, das den lückenlosen Wechsel vom Rechteckrohr des Gullys auf das Rundrohr der Grundleitung sicherstellt. Die restlichen Gullys, die als Notentwässerer dienen, wurden pro Stirnseite um den jeweiligen Hauptentwässerer gruppiert.

Jens Klee

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 17.2012.

Letzte Aktualisierung: 12.09.2012