Fügung ohne Flamme

Bei EPDM-Bahnen ist eine Heißluftverschweißung ohne Materialveränderung nicht möglich. Im Randbereich besitzen einige Bahnen Schweißstreifen, andere wiederum nicht. Und wie behandelt der Dachdecker unbeschichtete Querstoßverbindungen richtig? Wir schauen im Rahmen der Serie Flachdach-Praxis wieder genauer hin.

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Nahtfügung einer EPDM-Dichtungsbahn mit am Bahnenrand befindlichem Schweißrand mit Handschweißgerät; im T-Stoßbereich wird zusätzlich eine Schweißschnur eingelegt.

Nahtfügung von werkseitig hergestellten, großflächigen Planen


Elastomere Abdichtungswerkstoffe bestehen mittlerweile ausschließlich auf Basis von Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer (EPDM). Einzigartig ist dabei die Möglichkeit, großflächige Planen herzustellen. Dabei werden in der Vorfertigung einzelne Bahnen durch Druck, Temperatur und Zeit miteinander materialhomogen vulkanisiert. Diese Verbindung gilt als sicherste Nahtfügung im Abdichtungsbereich. Herstellerabhängig können in die Planen bereits in der Werkstatt die Aufkantungen für Dachdurchdringungen und Einbauteile einvulkanisiert werden.
Bedingung dafür ist allerdings, dass solche Detailpunkte überstülpbar sind und ein absolut exaktes Aufmaß der Dachfläche einschließlich ihrer einzudichtenden Einbauteile
vorliegt.

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Heißluftverschweißung einer unterseitig bitumenbeschichteten EPDM-Dichtungsbahn mit Handschweißgerät.

Nahtverbindungen ­herkömmlicher Bahnen


Die hochgradig vernetzte Molekularstruktur des Werkstoffes EPDM bildet zwar die Grundlage für seine hervorragenden stofflichen Eigenschaften. Sie verhält sich aber chemisch träge und verhindert im ausvulkanisierten Zustand die Verformbarkeit unter Wärme. Eine Heißluftverschweißung ohne Materialveränderung ist deshalb zunächst nicht möglich.
Zwei angrenzende Bahnen müssen also mit einem chemisch aktivem Material verbunden werden.

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Grafische Darstellung zur Anordnung des Handschweiß- geräts und der Andrückrolle.


Deshalb verfügen solche EPDM-Dichtungsbahnen im Bahnenrandbereich über spezielle Schweißstreifen, die beim Verlegen mit Heißluft miteinander verschweißt werden. So entsteht eine dauerhafte, homogene und wasserdichte Verbindung zwischen den Dachbahnen.
Die unbeschichteten Querstoßverbindungen müssen mit separaten Dichtbändern überschweißt werden. In gleicher Weise werden großflächige Einzelplanen auf der Baustelle miteinander verbunden. Im T-Stoßbereich wird in der Regel zusätzlich eine Schweißschnur eingearbeitet.
Obwohl im technischen Regelwerk nicht mehr enthalten, kann unter bestimmten Verlegebedingungen eine Nahtfügung durch Kontaktverklebung sinnvoll sein. Das betrifft vor allem Verbindungen von Einzelplanen mit wenigen Nahtverbindungen ohne Vorhandensein eines beschichteten Fügerands. Bei einem weiteren EPDM-Fabrikat werden auf der Baustelle die Nahtverbindungen mit einem Primer und einem Nahtfügeband ausgeführt. Dabei werden zunächst die Bahnenoberflächen im überlappenden Bereich mit einem Primer vorbehandelt, gegebenenfalls zusätzlich mit einem Spezialrei­niger.
Bei Umgebungstemperaturen unter 10 °C besteht die Gefahr einer Kondensatbildung. Innerhalb von T-Stoßbereichen sind zusätzliche Abdeckzuschnitte erforderlich. Insgesamt erfordert dieses Fügeverfahren ein sehr hohes Maß an Verlegesorgfalt.

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Möglichkeit der Nahtfügung bei langen Nähten: ein Heißluft-Schweißautomat Fotos/Grafiken: Carlisle

Nahtverbindung von ­bitumenbeschichteten Bahnen


Eine Weiterentwicklung der beschriebenen Varianten stellen Dichtungsbahnen mit vollflächiger, unterseitiger Polymerbitumenbeschichtung dar. Diese Beschichtung wird in die Nahtfügung mit eingebunden und ermöglicht so eine Nahtverschweißung des Materials an allen beliebigen Stellen der Bahnen. Als besonders verlegefreundlich erweist sich das sogenannte Schweißfenster. Das bedeutet, dass die Schweißtemperatur sehr variabel ist. In der Regel wird die maximal einzustellende Temperatur am Schweißgerät gewählt.

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Grafische Darstellung zur Platzierung eines Schweißautomaten im Nahtfügebereich.


Bei der Nahtfügung tritt eine gut sichtbare Schweißraupe an der jeweiligen Bahnenkante heraus, die eine optimale Form der Nahtkontrolle darstellt. Zudem schließt der Polymerbitumenfluss im T-Stoßbereich alle auftretenden Hohlräume. Zusatzmaßnahmen sind demzufolge nicht notwendig. Systemunabhängig wird bei allen Naht­fügetechniken die Verwendung einer offenen Flamme ausgeschlossen.

Roland Fritsch

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Letzte Aktualisierung: 10.08.2018