Galant in die Kurve gelegt

Um bei einer gekrümmten Kubatur mit üblichen Falzziegeln ein harmonisches Deckbild zu erreichen, kommt man durch Ziehen und Strecken allein nicht ans Ziel – wie eine Steildachsanierung in München zeigt. Stattdessen reiht sich jeder zehnte Ziegel in einem speziellen keiligen Format ein. Mit zusätzlichen Einbauteilen rundete die Firma Höglmeier das moderne Deckbild ab.

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Eine in weiten Teilen gekrümmte Fläche von rund 800 m² deckte das Höglmeier-Team mit einem Flachziegel in Mattschwarz. Hinzu kam die Montage der Schneefangeinrichtung auf zwei Ebenen – einmal über den Gauben und einmal oberhalb der vorgehängten Rinnen im Traufbereich. Fotos: Erlus

Für den neu erstellten sozialen Wohnungsbau in Münchens Bunzlauer Straße gab es klare Vorstellungen, wie die Gestaltung der Dachlandschaft auf dem leicht gekrümmten Walmdach ausschauen sollte. Eine dunkle flache Pfanne sollte es sein, die mit der strengen Anordnung glänzend eingefasster Gauben ein edles Farbenspiel eingeht. Also: Einerseits klare Kante am Deckwerkstoff und an den Gauben – andererseits die sanfte Rundung eines lang gezogenen Wohnkomplexes. Die fertige Lösung wirkt perfekt und verrät nichts über die vielen Überlegungen bis dorthin. Vielmehr macht tatsächlich das Zusammenspiel gegensätzlicher Formen den besonderen architektonischen Reiz dieser Dachflächen aus und wirkt als Bereicherung für die ansonsten eher unscheinbare Zweckbebauung im Stadtteil. Rudolf Höglmeier, Dachdecker- und Spenglermeister aus Unterföhring, fand Gefallen an diesem Neubauprojekt. Doch auf den ersten Blick zeigten Pläne und Ausschreibung bereits, dass dieses Walmdach mit leichter Krümmung und abschließendem Querriegel weit mehr Aufwand erfordern würde als die gewöhnliche Ziegeldeckung eines Wohnkomplexes. Für den Innungsdachdecker war dies eine willkommene Herausforderung. Denn mit einem edel ausschauenden dunklen Deckwerkstoff plus zahlreichen Metallbekleidungen aus Edelstahl boten sich für sein Team aus Spenglern und Dachdeckern zahlreiche Möglichkeiten, beste Facharbeit bis ins Detail abzuliefern.

Das Kantige muss ins Runde

Allerdings zeigte sich bald, dass ein ausgeschriebener kantiger Flachziegel schnell an seine Grenzen stößt, wenn es in die Rundung gehen soll. Das Verlegebild würde im wahrsten Wortsinn aus den Fugen geraten, sobald solche Ziegel durch Ziehen oder Strecken einen ungewöhnlichen Kurs nehmen sollen. Auch eine trapezförmige Eindeckung mit zahlreichen Segmentschnitten kam nicht infrage. Denn als Vorgabe der Bauleitung galt schließlich, mit dem dunklen Deckwerkstoff sowohl beim Innen- als auch beim Außenradius ein sehr harmonisches gerundetes Deckbild zu erzielen. Warum dann nicht zu einer Alternative wechseln, mit kleinformatigen Bibern oder einer Schieferdeckung? Doch dem hatte man von vornherein aus optischen sowie aus Kostengründen eine Absage erteilt. Was tun?

Keiliger Ziegel in Sonderform

DDM Höglmeier bemühte sich um eine Lösung, damit das Unmögliche doch noch möglich wurde. Er fand in einem Ziegelhersteller, der sich bereits seit Langem mit besonderen Dachformen beschäftigt und dazu Lösungen anbietet, den geeigneten Partner. So gibt es beispielsweise eine Sonderflachdachpfanne nach individuellem Zuschnitt, um etwa eine Kegeldeckung realisieren zu können. Ein dafür nötiges keiliges Format lässt sich bemessen und in der Manufaktur fertigen, sodass runde oder gar geschwungene Dachformen realisiert werden können. Für den gekrümmten Dachstuhl an Münchens Bunzlauer Straße entwarf der Ziegelhersteller ein Konzept, bei dem jeder zehnte Ziegel in der Deckbreite ein besonderes Keilformat besitzt und auf diese Art das gewünschte homogene Deckbild zu gestalten vermag.

Thomas Dietrich, Paul Zielinski

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 18.2016.

Letzte Aktualisierung: 27.09.2016