Gefährlicher Schnee

Wenn die Schneemenge auf dem Dach so hoch ist, dass die zulässige Schneelast überschritten wird, können Dacheinstürze drohen. Viele Dachdeckerbetriebe werden in schneereichen Wintern damit beauftragt, Schnee von Dächern zu räumen. Der Unternehmer muss einiges beachten, damit die Einsatzkräfte nicht gefährdet werden und die Standsicherheit der Konstruktion bestehen bleibt.

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So ist es falsch: Bei dieser Räumung sind die Personen schlecht verteilt. Jeder schaufelt irgendwo. Zu viele Personen stehen dicht beieinander. Fotos: Holger Hohage

Während der letzten Jahren gab es einige Winter, die viel Schnee mit sich brachten. Die hohen Schneemengen bedrohten die Standsicherheit so mancher Dachkonstruktionen. Es kam zu Dacheinstürzen, da die Schneelast nicht frühzeitig entfernt wurde. Aber auch unbedachtes Räumen des Schnees hat zu Unfällen geführt oder die Stabilität des Tragwerkes gefährdet.

Die Schneelast ist dann zu hoch, wenn sie die Menge überschreitet, die nach DIN 1055-5 "Lastannahmen - Verkehrslast: Schneelast und Eislast" bzw. nach dem Eurocode 1 "Einwirkungen auf Tragwerke - Teil 1-3: Allgemeine Einwirkungen, Schneelasten" berechnet werden kann. Dabei gilt immer die Fassung, die zu der Zeit gültig war, als das Gebäude erstellt wurde. Neben den Angaben in der Norm zählt natürlich der gesunde Menschenverstand. Wenn das Dach unter der Schneelast knarzt und ächzt, wenn sich Verformungen, Risse oder gelöste Verbindungen zeigen, muss die Tragfähigkeit des Daches von einem Sachverständigen überprüft werden. Dann wird entschieden, ob das Dach vom Schnee befreit wird.

Darf das Dach geräumt werden?

Holger Hohage ist einer der wenigen Experten, die sich auskennen. Er weiß, wie Schnee von einem Dach geräumt werden muss, dabei Unfälle vermieden werden und das Tragwerk standsicher bleibt. Er arbeitet als Bauingenieur in der Ingenieursozietät Schürmann - Kindmann und Partner GbR, Dortmund. Das Thema ist sein Spezialgebiet. Ehrenamtlich ist er als Baufachberater beim Technischen Hilfswerk (THW) tätig und musste in dem schneereichen Winter 2009/2010 mit seiner Mannschaft einige Dächer in Nordrhein-Westfalen vom Schnee befreien. Denn gerade in den Regionen, in denen Schneemassen nicht üblich sind, kommt es schnell zu einer Überlastung von Dachtragwerken.

"Zunächst muss die Schneelast gemessen werden. Dabei können sich drei unterschiedliche Szenarien ergeben. Wenn die reale Schneelast niedriger ist als die nach der Norm berechnete und die Statik der Dachkonstruktion entsprechend ausgelegt ist, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Ist die Schneelast jedoch höher und die Standsicherheit der Dachkonstruktion gefährdet, muss das Dach geräumt werden - und das, ohne die Einsatzkräfte zu gefährden. Ist die Standsicherheit des Daches akut gefährdet und eine Schneelasträumung nicht mehr möglich, muss das Gebäude gesperrt werden" erläutert Hohage.

Um die Schneelast zu ermitteln, muss das tatsächliche Schneegewicht ermittelt werden. Denn nicht die Schneehöhe ist maßgebend, sondern die Zusammensetzung. Neuschnee ist relativ leicht (100200 kg/m³). Ist er aber, aufgrund von wechselnden Tau- und Frostperioden, schichtweise oder über die ganze Höhe nass oder gefroren, kann der Schnee bis zu neunmal schwerer sein, als frisch gefallener. Man entnimmt drei bis sechs Proben vom Dach, um eine aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen.

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Nachdem mit einem Rohrstück ein Bohrkern entnommen worden ist, wird dieser gemessen und gewogen. Dann wird die vorhandene Schneelast rechnerisch ermittelt.

Wie die Schneelast gemessen wird

Während der Messung muss die Sicherheit der messenden Person gewährleistet sein. Die Person muss gesichert sein und sie darf das Dach nicht direkt betreten, wenn Unsicherheit bezüglich einer Einsturzgefahr besteht oder wenn die Lage von Dacheinbauten, wie Lichtbänder oder Lichtkuppeln, nicht bekannt ist. Kann die Sicherheit nicht gewährleistet werden, so ist die Nutzung eines Hubwagens oder einer Drehleiter erforderlich.

Für die Messung wird

  • eine Waage,

  • eine Ausstechvorrichtung, beispielsweise Stück Kunststoffrohr (Ø > 7,0 cm)

  • und ein Zollstock benötigt.

Für die Messung wird ein Bohrkern über die gesamte Schneehöhe (einschließlich eventueller Eisschichten) von Oberkante Schnee bis Oberkante Dachhaut entnommen. Dafür wird das Rohr rechtwinklig zur Dachneigung in den Schnee eingestochen und beim Herausziehen durch eine Abdeckung, wie ein Blech, gegen Herausrutschen des Schnees gesichert. Anschließend wird der Bohrkern gewogen und das Schneegewicht in kg/m² wie folgt ermittelt: Bohrkern [kg]/Öffnungsfläche des Rohres [m²]

Die ermittelte Schneelast wird mit der zulässigen Schneelast im Standsicherheitsnachweis verglichen. Ist diese nicht bekannt, muss ein Statiker hinzugezogen werden.

Angela Trinkert

Letzte Aktualisierung: 17.01.2019

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