Generation 100 plus

Mancher Biber in der Altdeckung war auf das Jahr 1907 datiert und hätte die Obergriesbacher Kirche noch weitere Jahrzehnte schützen können. Durch die völlig rostige Befestigung der Biber am Kegel zeigten sich allerdings deutliche Schäden in der Deckung. Die Heinzlmeier GmbH sanierte rund 650 m² im Geradschnitt mit gerundeten Ecken.

Erlus 1
Sankt Stephanus in Obergriesbach: Etwa 25.000 neue Kirchenbiber mit Geradschnitt und abgerundeten Ecken verteilen sich auf den insgesamt knapp 650 m² große Dachflächen. Zu den besonders interessanten Details bei der Sanierung gehörten die Neudeckung des Kegels sowie die Fledermausgauben. Fotos: Heinzlmeier

Hätte man zur Kaiserzeit Edelstahlschrauben zur Verfügung gehabt und die Biber auf Traglatten über einer naht- und perforationsgesicherten Unterdeckung befestigt, wäre die Kegeldeckung von Sankt Stephanus kaum zum dringenden Sanierungsfall geworden. Längst hatte seit der Kaiserzeit eine Patinierung der Ziegel eingesetzt und am unregelmäßigen Ziegelbild konnte der Fachmann in den letzten Jahren erkennen, dass die Kirche von Obergriesbach vor allem im Übergang vom Kegel zur Apsis sowie an Ortgängen und First häufiger repariert worden war. Etliche schadhafte Stellen gaben keine Rätsel über die Ursachen auf, sondern waren die Folge längst bekannter Unzulänglichkeiten. Doch der Stand der Technik war vor 100 oder 50 Jahren bei Weitem nicht auf dem hohen Niveau von heute: Geprüfte Windsogsicherungen aus Edelstahl? War damals unbekannt. Eine Ziegelprüfung nach Hagelwiderstandsklasse 5, die für den Test Eiskugeln in der Größe eines Hühnereis verwendet? Gibt es erst seit wenigen Jahren. Die Schlussfolgerung: Eigentlich ist es verwunderlich, dass die 18 mm dicken Kirchenbiber überhaupt so viele Jahrzehnte überdauern konnten.

Stahlnägel vom Rost zerbröselt

Das Bistum Augsburg entschied sich für die komplette Sanierung der Dachflächen mit ihrer Biberdeckung sowie mit zahlreichen beschädigten Kupferbekleidungen und beauftragte dafür DDM Norbert Heinzlmeier. Dem Dachprofi zeigte sich am Kegel der Apsis, dass die Altdeckung ohne Traglattung direkt auf die Schalung genagelt war – allerdings hatte der Rost die Stahlnägel längst zerbröselt. Weil die Biber dort nicht hinterlüftet wurden, blieben sie nach Niederschlägen viel länger feucht, was bei Frost puren Stress für den Biber bedeutet. Doch das war nur ein Posten auf der Schadensliste. Für das Heinzlmeier-Team aus Schrobenhausen bot der Auftrag in den beiden Gewerken eine ideale Kombination, denn in diesem Innungsbetrieb arbeiten Dachdecker und Spengler routiniert zusammen. Über 1  gutes halbes Jahr hinweg waren die Fachhandwerker mit der Baustelle beschäftigt.

Die neue Dachdeckung kann sich sehen lassen: Jetzt verteilen sich etwa 25.000 neue Kirchenbiber mit Geradschnitt und abgerundeten Ecken auf insgesamt knapp 650 m² großen Dachflächen.
Zu den besonders interessanten Details bei der Sanierung gehörten die Neudeckung des Kegels sowie die Fledermausgauben.

Erlus2
Naht- und perforationsgesicherte Unterdeckung der Klasse 3 als Sicherheit gegen Flugschnee und Eisrückstau.

An Tragwerk und Schalung des Kegels mit seiner 60 m² großen Deckfläche waren zwar Feuchtespuren zu erkennen, doch hatte dies nicht zur Fäulnis geführt. Somit kann der einfache Stuhl mit seinen über hundert Jahre alten Sparren aus Fichte/Tanne sowie den darauf aufgesetzten Pfetten problemlos auch die nächste Ziegelgeneration tragen.

Thomas Dietrich, Paul Zielinski

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 09. 2015.

Letzte Aktualisierung: 06.05.2015