Geschlauft zum Nachweis

Die schlaufenförmige Verlegung von diffusionshemmenden Schichten in Kombination mit einer Zwischensparrendämmung ist nur noch mit einem Simulationsnachweis zulässig. Eine bewährte Methode der energetischen Sanierung wird damit deutlich anspruchsvoller – schon in der Planungsphase. Wir stellen einen Lösungsansatz vor.

Geschlauft zum Nachweis
Dachsanierungen mit Neueindeckungen und energetischen Verbesserungen haben einen immer höheren Stellenwert. So wurden in den letzten Jahren mehr Bauleistungen an bestehenden Gebäuden durchgeführt als an Neubauten. Foto: DDH

Mit der Einführung des neuen Merkblattes „Wärmeschutz bei Dach und Wand“ informierte das Deutsche Dachdeckerhandwerk im April 2015 über das Erfordernis einer zusätzlichen Berechnung nach DIN 4108-3 anhand einer Simulation der wärme- und feuchtetechnischen Prozesse. Zuvor konnte die schlaufenförmige Verlegung von Dampfsperren oder Dampfbremsen auch ohne die Anwendung gesonderter Berechnungsverfahren nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt werden. Die neue Regelung führt bei den ausführenden Dachdeckerfirmen zu einigen Fragen: Wie kann mit diesen Anforderungen umgegangen werden? Wie bearbeite ich vorliegende Aufträge? Wo bekomme ich Hilfe? Mit welchem erhöhten Kosten- und Zeitaufwand muss ich rechnen?

Wechselwirkung von warm zu kalt

Um eine Durchfeuchtung von Außenbauteilen wie dem Dach durch Tauwasserbildung in Folge von Diffusion und Konvektion zu verhindern, sorgt eine raumseitig angeordnete Dampfbremse und Luftsperre für eine funktionstüchtige Konstruktion. Durch eine falsche Verlegung oder Beschädigung dieser Schicht kann feuchte Raumluft in den Dachaufbau gelangen und sich dort als Tauwasser niederschlagen. Dieser bauphysikalische Vorgang kann zu Feuchteschäden und Schimmelbildung führen. Daher sind die Anforderungen an die fachgerechte Planung und Ausführung der Dampfbremse und der Luftdichtheitsschicht im Dach besonders hoch. Der Nachweis dafür, dass kein schädliches Tauwasser im Inneren des Bauteils anfällt, kann bei der Berücksichtigung konstruktiver Prinzipien nach DIN 4108-3 erbracht werden. Bei der Sanierung von bestehenden Dächern wird allerdings häufig als besondere Art der Ausführung eine schlaufenförmige Verlegung der diffusionshemmenden Bahnen angewendet. Hierbei wird die Dampfbremse oder Dampfsperre von außen über den Sparren verlegt. Dies hat den Vorteil, dass die innere Bekleidung des Daches nicht entfernt werden muss und der Wohnraum weiterhin genutzt werden kann.

Bewährte Praxis mit neuer Aufgabenstellung

Die schlaufenförmige Verlegung ist jahrelang gängige Praxis im Dachdeckerhandwerk und hat sich bewährt. Gleichzeitig besitzen Dachsanierungen mit Neueindeckungen und energetische Verbesserungen einen immer höheren Stellenwert. So wurden in den letzten Jahren mehr Bauleistungen an bestehenden Gebäuden durchgeführt als an Neubauten.

Hygrothermische Simulation

Mit dem Verweis des neuen Merkblattes „Wärmeschutz bei Dach und Wand“ auf die DIN 4108-3 ist nun bei der Ausführung einer schlaufenförmigen Verlegung ein Nachweis mit einem genaueren Berechnungsverfahren erforderlich. Das herkömmliche Glaser-Verfahren ist für diesen Anwendungsfall nicht zulässig. Der neue Nachweis erfordert eine hygrothermische Simulation, die eine Berechnung des Wärme- und Feuchtetransports im Schichtenaufbau unter Festlegung bestimmter Randbedingungen sowie eine Beurteilung der bauphysikalischen Folgen beinhaltet. Bei der Berechnung lässt sich sowohl die Holzfeuchte im Sparren als auch die Feuchte an kritischen Stellen wie der Sparrenoberseite prognostizieren. Mit der Einführung des neuen Nachweises werden die ausführenden Dachdeckerfirmen vor eine von ihnen bislang nicht geforderte Aufgabe gestellt. Zum einen ist die Anschaffung der entsprechenden Berechnungssoftware mit Kosten verbunden. Zum anderen erfordert die Anwendung durch den Nutzer ein spezielles Wissen, Erfahrung und Zeitkapazitäten.

Marius Haubold

Lesen Sie den gesamten Beitrag in DDH 21.2015

Letzte Aktualisierung: 06.11.2015