Gradierwerk: Mechanisch angebrachte Dichtungsbahnen

Eigentlich ist das neue Gradierwerk in Kevelar, zumindest aus Dachdeckersicht, technisch keine große Herausforderung. „Dennoch waren die Arbeiten an diesem, geometrisch einmaligem Bauwerk, besonders,“ so das Fazit von DDM Paul Grote. Besonders viel Feinarbeit forderten die vielen kleinen Edelstahlverbundblechsegmente des Dachrandes, welche in filigraner Handarbeit erstellt wurden.

Gradierwerk Kevelar
Grundriss und Dach des neuen Gradierwerkes in Kevelaer nehmen die Form einer Jakobsmuschel auf. Fotos: alwitra/Sven-Erik Tornow

Als Wallfahrtsstadt ist Kevelaer traditionell dem Tourismus verbunden. Waren es früher vor allem Reisegruppen, die an den Niederrhein kamen, sind es heute eher Individualtouristen, die es zu Gnadenkapelle und Marienbild zieht. Schon 1992 entdeckte man bei Bohrungen eine Solequelle im niederrheinischen Wallfahrtsort. Doch erst zwei Jahrzehnte später konnte sich die Stadt dazu durchringen ein angemessenes Nutzungskonzept für das salzhaltige Wasser aus der Tiefe umzusetzen. Galt es doch die traditionsreiche Wallfahrt mit einem sich ständig verändernden Reiseverhalten und einer klassischen Kuranwendung zu verbinden.

Bauwerk nach „altem Wissen“

Im Wesentlichen besteht das Gradierwerk aus dem Solerückhaltebecken, dem bedornten Holzbauwerk, den Dächern, zwei Holztürmen und der Soletechnik. Das Solerückhaltebecken aus wasserundurchlässigem und salzresistentem Beton bildet mit entsprechend angeordneten Fundamentstreifen den tragfähigen Grund für die Holzkonstruktion. Letztere setzt sich aus mehreren Haupt- und Nebenrahmen zusammen, die über Holzschwellen die Last in die Streifenfundamente abtragen. Ausfachungen aus Schwarzdorn-Bündeln zwischen, vor und hinter den Rahmen wurden in die gewünschte Form geschnitten. Schutz vor Regen- und damit auch vor Süßwasser bietet ein aus fünf im First fallenden, einzelnen Satteldächern bestehendes Dach oberhalb der Rähmbalken. Hier findet sich auch der Wartungsgang für die Berieselungsanlage.


Baustoffe für Dach und Wand

Das Standardwerk behandelt Herkunft, Herstellung, Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Werkstoffe. Insbesondere im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist der Titel ein unentbehrliches Hilfsmittel und entspricht dem aktuellen Rahmenlehrplan des Dachdeckerhandwerks.

Erschlossen wird der Wartungsgang über den nördlichen Turm, während der östliche Turm die Haustechnik samt Pumpentechnik und -sumpf sowie Frischwasser- und Stromanschluss beherbergt. Ein an der Ostseite des Gradierwerkes angeordneter „Abdrift-Pavillon“ erfüllt gleich mehrere Funktionen. Zum einen verhindert er die Abdrift der mit Salz angereicherten Luft durch West- und Südwestwinde, zum anderen ermöglicht er im Innenraum des Gradierwerkes ein humides und kühles Sole-Kleinklima. An der Westseite fällt die Sole über die Dornen des Schwarzdorns auf fünf Rieseltische nieder. Sonnenstrahlung und warme Luft sorgen für zusätzliche Verwirbelung. Dadurch entsteht hier ein mild-feuchtes Klima.

Gradierwerk Kevelar First
Unter Anleitung lernten die Nachwuchskräfte die fachgerechte Verlegung von Dach- und Dichtungsbahnen, wie hier das Anheften der Bahn vor der nachfolgenden flächigen Fügung im Überlappungsbereich.

Besondere Beanspruchung für die Baustoffe

Während einerseits die mit Salz angereicherte Luft den Atemwegen der Besucher gut tut, verlangt sie andererseits vorausschauenden Materialeinsatz. Denn obwohl man sich direkt am Unteren Niederrhein befindet, müssen die Baustoffe seewasserbeständig sein. Holz ist in der Regel ziemlich robust gegenüber salzhaltiger Luft und wird durch den hohen Salzgehalt eher noch besser konserviert. Bei den Solerückhaltebecken aus Beton sorgt eine zusätzliche Beschichtung für ausreichende Widerstandsfähigkeit. Hier wurde zudem auf eine ausreichende Überdeckung der Bewährung geachtet. Bei den fünf aneinandergereihten Satteldachflächen kam eine seewasserbeständige Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahn zum Einsatz.

Gradierwerk Kevelar Dachrand
Montage eines individuell gekanteten Verbundbleches aus Edelstahl.

Ideal für mechanische Befestigung

Ausgeführt wurde die Abdichtung der fünf Satteldächer auf dem Gradierwerk durch den Dachdeckerbetrieb Grote GmbH & Co. KG aus Weeze. Da die Dach- und Dichtungsbahnen auf den Dachflächen mechanisch fixiert werden sollten, war die homogene EVA-Dachbahn mit Verstärkung die ideale Bahn für die geplante Abdichtung. Trotz des nicht so aufwändigen Dachaufbaus als Kaltdach waren auch bei den Dacharbeiten die Anforderungen durch die salzhaltige Luft zu beachten.

Sven-Erik Tornow

Den detaillierten Artikel mit weiteren Infos zum Dachrandprofil sowie das Interview mit Paul Grote lesen Sie in DDH 24.19



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Letzte Aktualisierung: 18.12.2019