Grandiose Kegeltour

Münchens Pfarrkirche Sankt Rupert im neoromanischen Stil ist eine architektonische Besonderheit. Dafür sorgt allein der kleeblattförmige Grundriss mit Sattel-, Ringpultdach und Vierungsturm. Steildächer und vier markante Kegel erhielten eine neue Biberdeckung – wo nötig im ungeregelten Verband und in einer außergewöhnlichen Verlegetechnik.

Grandiose Kegeltour Erlus Pfarrkirche Sankt Ruper1 (1)
Eine möglichst dicht eingedeckte Nockenkehle bietet Wind und Eis nur eine geringe Angriffsfläche.

Nichts schien in der Architektur unmöglich, als zur Kaiserzeit der Stahlbau mit eher filigranen Stützen und Streben ein hohes Maß an Perfektion erreichte. Dachkonstruktionen, die über Jahrhunderte nur mit monströsem Gebälk aus Fichte/Tanne realisiert werden konnten, ließen sich Ende des 19. Jahrhunderts mit deutlich geringerem Materialeinsatz bauen.

Zentrum von vier Seiten gestützt

Über dem Zentrum tront, allein von den vier Satteldächern gestützt, ein Vierungsturm – der allerdings deshalb nur wenig Eigengewicht haben durfte. Auch dies leistet ein Stahlgerippe mit dünnem Mauerwerk, das zwar saniert werden musste, in der konstruktiven Stabilität jedoch bis heute nichts eingebüßt hat. Solide berechnet und ausgeführt sind auch die stählernen Tragwerke der vier Satteldächer. Als es im Sommer 2016 an die Sanierung der Dachflächen ging, gab es nur wenige Stellen, an denen Streben mit verzinkten Winkeleisen verstärkt werden mussten. Holz ist für die Dächer von Sankt Rupert dennoch reichlich zum Einsatz gekommen: Ob Pfetten oder Sparren – die Unterkonstruktionen der Kegel sind überwiegend nicht aus Stahl. Stattdessen setzten die Bauleute dort auf Nadelhölzer, die zusammen mit einer Schalung ein massives, verwindungssteifes Unterdach bilden. Nach mehr als 100 Jahren haben auch diese hölzernen Konstruktionen kaum Reparaturen benötigt.

Biber – Asbestplatte – Biber

Ursprünglich schützte bereits eine Biberdeckung das 1903 fertiggestellte, beeindruckende Bauwerk, das jedoch Ende der 1950er-Jahre – ganz im Trend jener Zeit – eine Deutsche Deckung mit Asbestzementplatten erhielt. Für die jetzt fällige Entsorgung dieses problematischen Werkstoffs beauftragte das Münchener Innungsmitglied Hans Lex eine Spezialfirma, damit die Altlast mit allen erforderlichen Schutzmaßnahmen vom Dach kam. Die vom Asbest befreiten offenen Satteldächer einschließlich der geschalten Traufbereiche schützten die Dachdecker zunächst mit einer diffusionsoffenen Unterdeckbahn der Klasse 3, bevor neue Konter- und Traglatten aus 4/6er-Lärchenholz auf den Satteldächern verankert wurden. In Abstimmung mit der Denkmalpflege sollte es erneut eine Biberdeckung sein. Die Entscheidung fiel auf einen klinkerharten Sinterbiber, der durch seinen 1.200 °C hohen Sinterbrand (herkömmlicher Ofenbrand = rund 1.000 °C) den Anforderungen an die geforderte Langlebigkeit gerecht werden konnte. Leichte Nuancen im Sinterrot sind ein sichtbares Zeichen für diesen klinkerfarbigen unengobierten Biberschwanz-Segmentschnitt im Format 18 × 38 × 1,5 cm.

Thomas Dietrich, Paul Zielinski

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 04.2017

Letzte Aktualisierung: 22.02.2017