Groß in Europa

Diesmal nahmen die hessischen Dachdecker den weiten Weg in die belgische Hauptstadt auf sich. Gemeinsam mit HWK-Präsident Bernd Ehinger loteten die Teilnehmer aus, welche Einflüsse Europa auf das Deutsche Dachdeckerhandwerk hat und welche Maßnahmen nur gut gemeint sind.

Brüssel Landesvertretung
Die hessischen Dachdecker in Brüssel, natürlich oben auf, diesmal auf dem Dach der Landesvertretung. Foto: Florian Schöll

Der 67. Landesverbandstag war für die hessischen Dachdecker kein gewöhnlicher. Schon seit Jahren bestimmen die Entscheidungen auf europäischer Ebene den Berufsalltag für Dachdecker. Bis zu 80 Prozent aller Gesetze in Deutschland und Hessen werden inzwischen von Regulierungen der EU beeinflusst. Da die hessischen Dachdecker seit Jahren gute Kontakte zum Präsidenten des Hessischen Handwerkstags, Bernd Ehinger, pflegen, war es für Landesinnungsmeister Ludwig Held und Geschäftsführer Norbert Hain nur logisch, sich diesmal vor Ort über die Pläne der EU-Kommission zu informieren und den Dialog mit den Entscheidungsträgern zu führen. Die Themen waren klar: EU-Transparenzinitiative, Ein-Personen-Gesellschaften, besserer Marktzugang für kleinere Unternehmen, die Digitalisierung und natürlich der Bürokratieabbau. Für dieses Paket werden bis 2020 immerhin 2,5 Milliarden zur Verfügung gestellt.

Rund 120 Dachdecker stiegen in Weilburg und Kassel in die Reisebusse und machten sich nach Brüssel auf. Entschädigt wurden sie dafür am Abend im Gewölbe einer ehemaligen Druckerei mit einem leckeren Menu und stimmten sich schon mal auf die lebhafte Atmosphäre ein. Passend dazu boten die Veranstalter am nächsten Morgen eine lohnende Stadtführung durch das historische Brüssel an. Zu Fuß entdeckten die Teilnehmer die vielfältigen Seiten von Brüssel. Pünktlich um 9 Uhr trafen sich die Delegierten zur gemeinsamen Sitzung in der Landesvertretung mit seiner markanten Fassade.

Bürokratieabbau kein Lippenbekenntnis ?

Der Saal der hessischen Landesvertretung platzte fast aus allen Nähten, als sich die Teilnehmer mittags zur Podiumsdiskussion im Herzen des Europaviertels trafen. Das Treffen stand unter dem Motto: „Kleine Unternehmen im Großen Europa“ „Der Mittelstand ist das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Seine Entlastung muss weiterhin unser Schwerpunkt sein“, sagte die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich zur Begrüßung. „Eine der zentralen Forderungen der Hessischen Landesregierung ist dabei der Erhalt des deutschen Meisterbriefs. In Deutschland und in Hessen haben die Meisterbetriebe maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität während der Wirtschafts- und Finanzkrise beigetragen. Wir fordern daher ein klares Ja der Europäischen Kommission zum Meisterbrief“, so die Ministerin. Auch der Abbau der Bürokratie soll künftig kein Lippenbekenntnis mehr sein. Die Verringerung der Verwaltungslasten ist ein weiteres Ziel, mit dem die Kommission kleinere und mittlere Betriebe entlasten möchten.

Flüchtlinge brauchen Sprachkenntnisse

Die Podiumsdiskussion mit Kristin Schreiber, Direktorin in der Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission, Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Landesinnungsmeister Ludwig Held und dem hessischen Europaabgeordneten der SPD Dr. Udo Bullmann moderierte Peter Risbeck, EU-Korrespondent von der Frankfurter Rundschau. „Das Flüchtlingsthema wird uns künftig noch stärker beeinflussen“, sagte Bernd Ehinger aus aktuellem Anlass. Zurzeit startet der Landkreis Bergstraße eine Initiative, die Flüchtlinge zu Fachkräften ausbilden will. Auch Dachdecker sind daran beteiligt. „Diese Maßnahmen sind sinnvoll, doch ohne Sprachkenntnisse geht es nicht. Die Flüchtlinge müssen die Themen der Berufsschule einigermaßen bewältigen“, so Ehinger.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 19/2015.

Letzte Aktualisierung: 09.09.2015