Grüne Welle an der A 40

Dachneigungen bis zu 32°, runde Attiken und etliche Konsolen für die solarthermische Anlage – bei dem Neubau eines Raststättengebäudes musste Jürgen Quindeau viel Fingerspitzengefühl beweisen. Es entstand ein kompakter Systemaufbau mit wurzelfester EVA-­Abdichtung und extensivem Gründach.

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Grüne Dachlandschaft an der A 40 – rund 590 m² Dachfläche dichtete Jürgen Quindeau mit seinem Team ab, bevor der neue Gründachaufbau auf dem Dach einer Raststätte seinen Platz findet. Fotos: Quindeau

Dachbegrünungen auf flachen Dächern sind in der modernen Architektur schon fast normal. Bei steilen Dächern üben sich immer noch zu viele Bauherren und Architekten in großer Zurückhaltung. Im Auftrag der Aral Aktiengesellschaft entwarf der Architekt Manfred Beier couragiert ein als Welle geschwungenes und begrüntes Dach für eine Raststätte. Der Dachdecker und Dachgärtner Jürgen Quindeau konnte mit seiner Mannschaft von Grün + Dach unter Beweis stellen, dass es auf grünen Dächern auch einmal schräg zugehen kann – mit dem Systemaufbau „Begrüntes Schrägdach“.

Energieneutrale Raststätte

Die Autobahn A 40 ist verkehrstechnisch betrachtet eine der Hauptschlagadern im Ruhrgebiet. Sie reicht über eine Strecke von etwa 100 km vom holländischen Venlo im Westen über Duisburg, Essen und Bochum bis nach Dortmund im Osten. Als „Stau-Hotspot“ ist sie über die Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus bekannt, denn für Güterverkehr und Pendler im Ruhrgebiet ist sie unverzichtbar. Allerdings gab es bis zum Jahr 2014 nur eine einzige Tank- und Rastanlage an dieser wichtigen Autobahn, und zwar in Fahrtrichtung Venlo.

Erst im Herbst 2014 nahm die Raststätte Beverbach auf der anderen Seite der Autobahn, an der Grenze zwischen Bochum und Dortmund, ihren Betrieb auf. Der Bauherr Aral sagt: „Mit ihrem besonderen Design und dem innovativen Konzept ist die Tank- und Rastanlage in Beverbach eine der originellsten und modernsten Stationen ihrer Art in Europa.“ Und in der Tat hat das Architekturbüro Manfred Beier ein innovatives Gebäude geschaffen, das mithilfe von Sonnenkollektoren, Photovoltaikmodulen und Dachbegrünung ernergieneutral daherkommt. Die Inneneinrichtung der Raststätte ist modern und überzeugt mit vielen ausgefallenen Ideen. Der äußere Erholungsbereich mit Spielplatz liegt abgewandt von der Autobahn. Die Raststätte ist schon von Weitem gut sichtbar, denn zum Gebäudeensemble gehört auch der Nachbau eines 16 m hohen Förderturms mit zwei Aussichtsplattformen.

Steiler als eine schwarze Piste

Die „Grüne Welle“ beeindruckt mit ihrer geschwungenen Form und ihrer starken Neigung. Die Dachneigung erreicht im steilsten Abschnitt 32° (63 %). Um das einordnen zu können, hilft der Vergleich zu alpinen Skipisten, die bereits ab 22° (40 %) schwarz gekennzeichnet werden. Die Ausführung der Dachabdichtung und der Begrünung musste zwingend eng aufeinander abgestimmt werden. Die Firma Grün + Dach aus Heiligenhaus erschien dem Auftraggeber ideal für die anstehenden Arbeiten, denn der Innungsbetrieb ist Dachdecker- sowie Garten- und Landschaftsbaufachbetrieb, kurz Dachgärtner. Durch sie wurde das Leistungsverzeichnis in Teilen modifiziert und im Juli 2014 begannen die Abdichtungs- und Begrünungsarbeiten.

Grundlage des Dachaufbaus sind sogenannte Sandwichelemente, also ein trapezprofiliertes Flachdachsystem mit Dämmkern, das in Bauteilen von 1 m Breite und Längen von bis zu 13,5 m auf eine vorher montierte Konstruktion aus gebogenen Leimbindern befestigt wurde. Die Außenhülle der Sandwichelemente besteht aus vollverzinktem Stahlblech. Um darauf die Lagesicherung der Dachabdichtung zu gewährleisten, wurde zuerst ein Haftvermittler vollflächig auf die Metalloberfläche aufgetragen.

Jürgen Quindeau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 13/2016.

Letzte Aktualisierung: 14.07.2016