Grundlagen Gründach

Schutz gegen mechanische Einwirkung, Brandschutz, verbesserte Abflusswerte – Gründächer bilden eine zweite „Schutzschicht“ über Flachdachabdichtungen. Wir zeigen, welche dies sind und auf was der Dachdecker grundlegend bei der Planung von Gründächern achten muss.

Flachdach Praxis-Tipp Teil 5, Gründach, Optigrün
Extensiv begrünte Dachflächen einer Wohnsiedlung – sie schützen die Abdichtung und sorgen für bessere Wohn- und Lebensbedingungen. Wichtig bei der Planung: der Kiesstreifen zu Dachrändern, Aufbauten und Durchdringungen. Fotos: Optigrün

Grundsätzlich sind sowohl Flachdächer als auch Schrägdächer begrünbar. Es wird unterschieden zwischen Extensiv- und Intensivbegrünungen. Die extensiven Gründächer zeichnen sich durch eine geringe Aufbauhöhe (circa 8 bis 15 cm), geringes Gewicht (circa 80 bis 170 kg/m²) und eine trockenheitsverträgliche und pflegeleichte Vegetation aus. Sie sehen einfach schön aus, speichern Regenwasser und schützen die darunterliegende Dachabdichtung vor Extremtemperaturen und Hagelschlag. Extensivbegrünungen werden nur zur Pflege ein- bis zweimal im Jahr begangen. Dagegen sind Intensivbegrünungen erweiterte Wohnräume (Dachgärten), auf denen ähnliche Pflanzen wachsen wie im ebenerdigen Garten. Dementsprechend ist der Gründachaufbau höher (ab circa 25 cm) und schwerer (ab circa 300 kg/m²). Die Pflege gestaltet sich wie sonst im Garten je nach Pflanzenauswahl mehr oder weniger aufwendig. Intensiv begrünte Dächer gibt es in der Regel nur auf Flachdächern, dagegen können Extensivbegrünungen auf Flach- und Schrägdächern bis zu einer Dachneigung von etwa 40° gebaut werden.

Wichtige Planungsgrundlagen

Grundlegend stehen dem Dachdecker einige Planungsgrundlagen für Gründächer zur Verfügung, beispielsweise die Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen (Dachbegrünungsrichtlinie) von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V., Bonn. Ebenso das Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks (Flachdachrichtlinie), herausgegeben vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, gibt Hinweise auf die Planung und Erstellung von Gründächern. Wir fassen einige wichtige Aspekte nachfolgend zusammen:

Geeignete Dachkonstruktionen

Grundsätzlich sind alle Dachkonstruktionen (auf schwerer und leichter Schale, durchlüftetes und nicht durchlüftetes Dach, Umkehrdach) in irgendeiner Form begrünbar. Neben der Tragfähigkeit spielen vor allem bauphysikalische Eigenschaften, die es zu berücksichtigen gilt, die entscheidende Rolle.

Flachdach Praxis-Tipp Teil 5, Gründach
Beachtenswerte Planungsgrundlagen bei Dachbegrünungen Grafik: Optigrün

Wurzelschutz

Die Dachabdichtung bzw. der zusätzliche Wurzelschutz bei Neubau bzw. Sanierungen muss wurzelfest nach FLL oder DIN EN 13948 sein. Rhizombildende Pflanzen wie Bambus und Schilf sollten nicht verwendet werden.

Zusätzliche Flächenlast

Extensivbegrünungen wiegen in der Regel 80 bis 170 kg/m² (0,8 bis 1,7 KN/m²), intensive Dachbegrünungen haben Flächenlasten ab circa 300 kg/m² (3 KN/m²). Die Angaben beziehen sich auf den wassergesättigten Zustand mit Vegetation. Die Schneelast ist gesondert zu berechnen, ebenso die Verkehrslasten bei genutzten Dachterrassen.

Gefälle/Dachneigung

Dachneigungen von 0° bis etwa 30° sind für Gründächer gut geeignet. Es sind auch Steildächer bis zu von 45° Dachneigung möglich. Über 15° Dachneigung sind Schubsicherungsmaßnahmen vorzusehen. Bei Intensivbegrünungen sind aufgrund des gewünschten Wasseranstaus 0°-Dächer erwünscht, bei Extensivbegrünungen sind eher Dächer mit Gefälle von 1 bis 2 % zu empfehlen.

Windsog- und Verwehsicherheit

Bei lose verlegten Dachabdichtungen sind Mindestgewichte (Windsoglast) zur Sicherung der Abdichtung gegen Abheben zu beachten. Eck- und Randbereiche sind besonders betroffen. Zudem muss der Schichtaufbau des Gründaches verwehsicher (Verwehsicherheit) sein.

Brandschutzvorschriften

Die länderspezifischen Brandschutzvorschriften sind zu beachten, begrünte Dächer gelten als „harte Bedachung“. Vor Dach- und Fensteröffnungen sind in der Regel Kies- oder Plattenstreifen vorzusehen.  Entwässerung/Dränage Die Dachentwässerung erfolgt über Dachabläufe oder Rinnen. Freispiegel- als auch Druckentwässerungssysteme können angewandt werden. In der Planung zu beachten sind: die Abflusskennzahl des Gründaches die ausreichend dimensionierte Dränageschicht Weiterhin zu beachten: die Absturzsicherung Maßnahmen zur Absturzsicherung müssen bei möglichen Absturzhöhen ab 2 m eingeplant werden. Das betrifft sowohl die Bau- als auch die spätere Pflegephase. Betroffen sind auch Fluchtwege und Dachflächen mit dauerhafter Nutzung. 

Gründachaufbau

Der Aufbau einer extensiv begrünten Fläche kann oberhalb der wurzelfesten Dachabdichtung wie folgt aussehen (in Anlehnung an die Systemlösung Naturdach):

Schutz- und Speichervlies Typ RMS 500

Festkörperdränage Typ FKD 40

Filtervlies Typ 105

11 cm Extensivsubstrat Typ E

Vegetationsmatte Sedum-Gras-Kraut

Dr. Gunter Mann

Letzte Aktualisierung: 26.10.2017

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