Hält wie eine Bienenwabe

In der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges waren sie aufgrund schneller Bauzeiten und minimalem Materialaufwand populär – Zollingerdächer. Eine dieser außergewöhnlichen Konstruktionen erwarb Dachdeckermeister Christoph Konow beim Kauf seines neuen Eigenheims. Er setze bei der Sanierung auf Erhalt statt Ersatz.

Zollinger Rockwool Aufmacher
Erinnert an die Struktur von Bienenwaben – das historische Zollingerdach des Reihenhauses aus dem Jahr 1927. Fotos: Rockwool

Anfang 2015 erwarb Dachdeckermeister Christoph Konow mit seinem Schwager ein Reihenhaus in Bochum-Eppendorf. Seitdem hat sich das Erscheinungsbild des Gebäudes mit seinen bestehenden Anbauten gravierend verändert. Durch diverse An- und Umbauten wurden die Wohn- und Nutzfläche nahezu verdoppelt und zwei separat zugängliche Wohneinheiten mit knapp 180 m² und 140 m² geschaffen. Steht man im Garten von Christoph Konows neuem Zuhause, so erkennt man die Erweiterungen am Gebäude deutlich.

Drei unterschiedliche Dachkonstruktionen

Zunächst beschäftigte sich der Innungsdachdecker allerdings mit den Dachaufbauten: „Analog den unterschiedlichen Gebäudeteilen haben wir es auch mit drei unterschiedlichen Dachformen zu tun. Der um zwei zusätzliche Geschosse aufgestockte Teil hat ein circa 65 m² großes Flachdach mit zweiprozentigem Gefälle erhalten. Dort sorgt eine im Mittel 80 mm dicke Steinwolle-Gefälleplatte für einen zeitgemäßen Wärmeschutz.“ Daran anschließend erstreckt sich ein zur Straße hin abfallendes Schrägdach, gedämmt mit einer 140 mm dicken Aufsparrendämmung, ebenfalls aus nicht brennbarer Steinwolle. „Im Inneren haben wir die Dämmung dann noch jeweils um eine Dämmlage aus 140 mm dicken Klemmrock-Platten ergänzt, die zwischen die Balkenlage unterhalb der Schalung des Flachdaches eingelegt wurden. Die geneigte Dachfläche des Schrägdaches erhielt zusätzlich eine Zwischensparrendämmung“, so Innungsdachdecker Konow.

Dachstuhl à la Zollinger

Eine besondere Herausforderung stellte der Dachstuhl des dritten Gebäudeteils dar: Dieser alte, 1927 errichtete Gebäudekern besitzt eine in der damaligen Zeit weit verbreitete, weil material- und kostensparende Dachkonstruktion, ein sogenanntes „Zollingerdach“. Dieses hebt sich von herkömmlichen Dachstühlen optisch deutlich ab. Der Dachstuhl eines Zollingerdaches wurde zumeist als Tonnendach von der Traufe bis zum First ausgebildet. Durch die Biegung der Dachflächen wurde erreicht, dass der First keine Unterstützung durch separate Stützen benötigt. Die gewölbte Form des Daches und der mögliche Verzicht auf Balken und Stützen ließen eine bessere Raumnutzung unter dem Dach zu. Um das circa 100 m2 große Dach mit einer leistungsfähigen Dämmung ausstatten zu können, mussten die Dachdecker eine neue Tragkonstruktion auf die in Rautenform angeordneten Holzbalken des Zollingerdaches aufschrauben. Um eine Spaltung des alten Tragwerks zu verhindern, schraubte das Team von Konow an den alten Balken beidseitig Metallwinkel an, auf die dann – nach der Verlegung der Luftdichtungsbahn – die neue Traglattung angeschraubt werden konnte.

Matthias Becker

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 18.2017

Letzte Aktualisierung: 18.09.2017