In Abdichtungen auch Asbest?!

Die Liste der belasteten Baustoffe ist lang. 28.000 Artikel sind nachweislich mit Gefahrstoffen belastet. Aktuell ist das Thema Bitumen problematisch. Es ist zu befürchten, dass HBCD erst der Anfang einer Problemserie war, die sich nun darin fortsetzt, dass nicht nur in Dachplatten Asbest verarbeitet wurde. Wir beschreiben, was Dachdecker wissen müssen.

Asbest Entsorgung Bitumen
Auch bituminös abgedichtete Dachflächen könnten asbestbelastet sein, dann gelten zwingend die Schutzmaßnahmen der TRGS 519 für den Abriss. Foto: BHW Bausparkasse

Beim Gesetzgeber und in den zuständigen Gremien der BG BAU wächst die Erkenntnis, dass großer Handlungsbedarf zur Klärung der zulässigen Vorgehensweise beim Abbruch von Bauteilen besteht. Als Zwischenergebnis der bestehenden Diskussion muss die fehlerhafte Beurteilung zum Vorkommen von Asbest in Bauprodukten und Bauarten, wie sie auch im Dachdeckerhandwerk Verwendung fanden, konstatiert werden.

Zur Problematik PUR-Engpass bei Dachdeckern .

Die bisherige Annahme, dass Asbest nur in den allgemein bekannten Baustoffen mit den dann auch bekannten Konzentrationen vorkommt, war ein Irrtum. Asbest ist in weit mehr Baustoffen (zum Beispiel Bitumenbahnen) verarbeitet worden, als vormals bekannt war. Die Vorschriften, die zurzeit existieren, sind somit nur auf die altbekannten Vorkommen in Baustoffen, wie etwa Wellplatten aus Asbestzement, ausgelegt. Gesetzgeber und Berufsgenossenschaften ringen nun um die richtige Vorgehensweise für die Sanierung. Es werden deshalb Verfahren gesucht, mit denen die neuerdings als asbesthaltig einzustufenden Bauteile bzw. Baustoffe umwelt- und gesundheitsschonend abgebrochen und entsorgt werden können.

Der Bedarf für eine Vorabanalyse in Kombination mit einer Gefährdungsbeurteilung wird immer wahrscheinlicher. Deshalb verweigern bereits schon jetzt immer mehr Containerdienste bzw. Entsorger die Abnahme von Bitumenprodukten ohne Analysebericht. Ebenso sind enorme Preissteigerungen bei der Entsorgung zu erwarten bzw. schon Realität. Daher rät der ZVDH zu folgender Vorgehensweise, die jedoch ausschließlich den Gefahrstoff Asbest, nicht aber möglicherweise weitere gefährliche Inhaltstoffe anspricht, etwa polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Was tun?

Kunden sollten das genaue Einbaudatum der vorliegenden Abdichtung ermitteln: Für Objekte ab Baujahr 1979 in den alten Bundesländern kann bei Neubauten und Verwendung von Schweißbahnen Asbest ausgeschlossen werden.

In den Bundesländern, in denen bis 1992 russische Bahnen eingebaut wurden, kann die Asbestfreiheit erst ab Baujahr 1993 unterstellt werden. Auch bei Verwendung von Heißbitumenmassen ist das erst ab Baujahr 1993 möglich, da vorher bauseits Asbestfasern eingestreut sein könnten. Für alle anderen Fälle sollte mit dem Kunden vertraglich eine kostenpflichtige Analyse der abzubrechenden Flächen vereinbart werden. Wird kein Asbest nachgewiesen, kann wie bisher abgebrochen werden. Wird Asbest nachgewiesen, gilt nachfolgende Empfehlung: Mit dem Containerdienst bzw. Entsorger sollte vorab ein Gespräch zur notwendigen Vorgehensweise bei der Transportvorbereitung geführt werden. Vordringlich ist zu klären, welche Nachweise akzeptiert werden. Mitarbeiter sollten die Schutzmaßnahmen der TRGS 519 schon dann anwenden, falls Asbest auch nur vermutet wird. Bei einem Nachweis ist die TRGS 519 natürlich zwingend anzuwenden.

Dèjà-vu wie bei HBCD

Wer sich hier an die HBCD-Entsorgungsproblematik aus dem Jahr 2016/2017 erinnert fühlt, scheint nicht zu irren. Ein ungutes Gefühl kommt auf. Die Bunker der Müllverbrennungsanlagen sind wieder voll. Wir gehen zudem davon aus, dass Entsorger und Verbrenner sich auf den Standpunkt zurückziehen werden, dass sie Bitumen nur dann annehmen, wenn dieser nachweislich kein Asbest enthält.

Bernd Redecker

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 15/2018.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2018

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