Intakte Perspektiven

Solide bis gut beurteilen die Betriebe im 3. Quartal 2015 ihre Geschäftslage. Der Blick ins kommende Jahr ist verhalten optimistisch – Umsatzsprünge sind zwar nicht zu erwarten, von ungewohnter Seite könnte jedoch die Nachfrage anziehen.

Schneider
Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender der Bundesver­einigung Bauwirtschaft Foto: ZDH/Werner Schüring

Statistisch gesehen befindet sich der Zeitpunkt für Jahresrückblicke noch in respektabler Entfernung. Erst mit Auswertung der ZVDH-Jahresumfrage im Frühjahr 2016 wird sich genauer beziffern lassen, wie sich die Geschäftslagen, Auftragsbestände und Investitionen 2016 bei den befragten Dachdeckerunternehmen entwickelt haben. Der späte Zeitpunkt im Jahr verengt den Blick jedoch automatisch auf Zurückliegendes. Diese Perspektive nimmt auch der Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft hervor, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Ende November vorgelegt hat. Der Bericht fasst einige Zahlen rund um den Gesamtbau zusammen. Demnach entfielen im Jahr 2014 von 330 Milliarden Euro Gesamtbauvolumen 55 % auf den Wohnungsbau.

Rückgang beim energetischen Sanierungsvolumen

Die relative Bedeutung der Bauleistungen im Bestand – Hauptstandbein des Dachdeckerhandwerks – sinkt aufgrund des Baubooms im Wohnungsneubau. Wie an dieser Stelle bereits dargelegt, ereignet sich dieser vor allem im Bereich des mehrgeschossigen Wohnungsbaus, mit entsprechend geringerer relativer Dachfläche pro Wohneinheit. Zum Vergleich: Das Bestandsmarktvolumen bei Mehrfamilienhäusern ist seit 2010 um 27  % gestiegen, während es bei Eigenheimen stagnierte.

„Deutliche Impulse“ aus dem Öffentlichen Bau erwartet

Für 2016 prognostiziert der Bericht eine zusätzliche Nachfrage nach Wohnraum durch Flüchtlingsmigration. Dies wird, folgert der Autor, „auch den Bedarf nach Renovierungen und somit die Bauleistungen in den Gebäudebeständen wieder verstärken.“ Während sich die gewerblichen Bauinvestitionen auch im kommenden Jahr eher zögerlich entwickeln, kündigt der Bericht „deutliche Impulse“ beim öffentlichen Bau an. Neben der Flüchtlingssituation wird demnach die Einrichtung eines Sondervermögens für finanzschwache Gemeinden für zusätzliche Investitionen sorgen.

Im Dachdeckerhandwerk konnte der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2015 nicht an das Vorjahr anknüpfen (siehe Kasten Umsatzentwicklung). Immer stärker in den Blickpunkt rückt für Dachdeckerbetriebe das Verhältnis zwischen realisierbaren Angebotspreisen einerseits und den Belastungen aus Einkaufspreisen und Fixkosten andererseits. Dabei machen sich auch die Tarifabschlüsse im Dachdeckerhandwerk für die Unternehmen bemerkbar: Im Oktober 2014 wurden Löhne und Gehälter um 1,9 % angehoben, ab August 2015 um weitere 2,3 %. Zudem wurden die Ausbildungssätze kräftig erhöht, auch um die Attraktivität des Berufes zu erhalten. Im Jahr 2016 wird die Lohnuntergrenze fortgeschrieben, sie beträgt ab Jahresbeginn 12,05 Euro pro Stunde. Angesichts der hohen Wettbewerbsintensität im Dachdeckerhandwerk bleibt das Durchsetzen entsprechend höherer Angebotspreise eine der wichtigsten betrieblichen Herausforderungen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag in DDH 24.15.

Malte von Lüttichau

Letzte Aktualisierung: 18.12.2015