Integration an der Mosel

Marokko, Spanien, Fell bei Trier – das sind die Stationen von Youssef Berhil, der bei Dachdecker Bouteau als Helfer arbeitet. Er würde gerne eine Lehre machen, wenn da nicht die Probleme mit der Ausländerbehörde wären.

Youssef Berhil
Youssef Berhil kam aus Marokko über Spanien in die Gegend von Trier – sein Ziel: eine Dachdeckerlehre an der Mosel. Fotos: DDH

Anfang Oktober stellte die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner ihre Pläne für ein Integrationspflichtgesetz, eine Art „Hausordnung“ vor. Das betrifft aktuell Flüchtlinge, die in Zukunft eine Integrationsverpflichtung unterzeichnen sollen. Verstöße dagegen sollen mit Bußgeld belegt werden. Youssef Berhil könnten solche Initiativen bekannt vorkommen. Berhil ist zwar kein Flüchtling, aber dennoch ist er in Deutschland noch nicht gesellschaftlich anerkannt. In Marokko geboren, zog der 27-Jährige vor Jahren nach Spanien, wo der gelernte Schreiner sich auf den Obstplantagen ausbeuten ließ. Dort lernte er auch seine deutsche Frau kennen. Die wirtschaftliche Situation bot in Spanien allerdings keine Perspektive. Gemeinsam zogen sie in die alte Heimat der Ehefrau in der Gegend von Trier. „Ich habe etwas Geld mitgebracht und Arbeit gesucht. Dann sah ich eine Anzeige in der Tageszeitung ,Dachdeckerhelfer gesucht‘“, berichtet Youssef Berhil. Mittlerweile arbeitet er seit fast drei Jahren bei Dachdecker Bouteau in Fell an der Mosel. „Er hat sich gut und schnell in unser Team integriert – alles könnte gut sein“, sagt der Unternehmer. Doch die Aufenthaltsgenehmigung von Berhil ist beschränkt auf drei Jahre. „Im Grunde steht der Vorwurf der Behörden im Raum, die Heirat wäre eine Scheinehe, auch wenn das nicht offen ausgesprochen wird“, sagt Berhil. Deshalb erhält er nur eine beschränkte Aufenthaltsgenehmigung. „Das verstehen wir nicht. Youssef hat einen festen Wohnsitz, eine Arbeit, die er gut macht, und ist verheiratet – wo ist das Problem?“, regt sich Georg Bouteau auf.

Knackpunkt ist der Sprachnachweis

Der Sachbearbeiter seiner zuständigen Kreisverwaltung Trier-Saarburg räumt auf telefonische Anfrage allerdings ein, dass die Bestimmungen in den letzten Jahren verschärft wurden. Wenn der Antragsteller drei Jahre verheiratet ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Niederlassungserlaubnis erteilt werden. Das wäre bei Berhil erst Anfang 2016 der Fall, dann ist er in Deutschland drei Jahre verheiratet. Zudem muss er hierfür einen Sprachnachweis erbringen, der sich B1 nennt. Früher genügte es, wenn sich der Immigrant einigermaßen verständigen konnte. Aktuell muss er einen schriftlichen Nachweis erbringen. Und so muss Youssef alle drei Jahre zum Amt, um seine Aufenthaltsgenehmigung bitten und irgendwie beweisen, dass er nicht in einer Scheinehe lebt.

Yousseff berhil und Georg Bouteau
Youssef Berhil mit seinem Mentor/Chef Georg Bouteau auf der Baustelle in Schweich. Foto: DDH

„Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich einen Sprachkurs besucht, den ich selber bezahlt habe“, sagt Berhil. Den Kurs A1 hat er bestanden. Doch das genügt nicht. Die Behörden verlangen den Nachweis, dass er weitere Kurse besucht hat. Leider werden die weiteren Sprachkurse nur an Werktagen im Sommer angeboten – und da braucht Bouteau Youssef auf der Baustelle. Jetzt muss er – gekoppelt an die Aufenthaltsgenehmigung – den Kurs B1 machen. Bisher gibt es allerdings noch keine Abendkurse. „Youssef hat Deutsch von uns gelernt. Doch das Schriftliche ist das Problem. Einen Aufsatz zu verfassen, ist nicht so leicht. Wir haben ihm nahegelegt, dass er zu Hause deutsch spricht und möglichst auch schreibt“, erklärt Bouteau.

Ziel ist auf jeden Fall die Gesellenprüfung. Bouteau: „Er soll noch einige Jahre bei uns arbeiten und dann auf jeden Fall seinen Gesellenbrief ablegen. Schon jetzt besucht er viele Weiterbildungen, ist interessiert, verlässlich und passt mit seiner Art gut ins Team.“ Und er macht aus der Not eine Tugend: Youssef lernt besonders gerne mit den Augen.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 21.2015

Letzte Aktualisierung: 10.11.2015