Käfer frisst Klosterdach

Holzschädlinge zerstörten das Dach des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift und erforderten eine Generalsanierung. Sensible Dachpartien und Anschlüsse verwahrte DDM Michael Nebeler mit einer Holzwulst-Walzbleideckung nach englischem Vorbild.

Käfer frisst Klosterdach
Die barocke Klosteranlage nach der Dachsanierung. Die vormals mit Zink bekleideten Gauben, Anschlüsse und Rettungsaustritte führte der Dachdecker mit Walzblei aus. Fotos: Nebeler

Das Berufskolleg St.-Nikolaus-Stift liegt in der Voreifel im Städtedreieck Köln–Bonn–Aachen und ist Teil einer über 850 Jahre alten barocken Klosteranlage. Hier werden über 500 junge Menschen von 40 Lehrern auf den Einstieg in das Sozial- und Gesundheitswesen vorbereitet. Ursache für die umfangreiche Dachsanierung der barocken Anlage: der Gescheckte Nagekäfer. Dieser hatte ganze Arbeit geleistet und das Dach des Berufskollegs derart durchfressen, dass die ganze Bedachung inklusive Holztragwerk beschädigt wurde. Der Holzschädling ernährt sich vornehmlich von weichem und durch Pilzgeflecht geschädigtem Holz. So deutet ein starker Schädlingsbefall meist auf ein weiteres Problem hin – eindringende Feuchtigkeit. Diesen Verdacht bestätigte eine gründliche Schadensanalyse. Schnell war allen Bauverantwortlichen klar: Das Dach des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift war so stark angegriffen, dass eine Generalsanierung unumgänglich war. Die Holzbalken und die Schieferdeckung mussten komplett erneuert werden. Im Vordergrund stand eine systematische Ursachenbeseitigung, um das historische Bauwerk dauerhaft vor Feuchtigkeitseintritt zu bewahren und neuen Schädlingsattacken vorzubeugen. Gefragt war eine Lösung, die das historische Gebäude zuverlässig vor Witterungseinflüssen schützt. Zu diesem Zweck setzten die Bauverantwortlichen an sensiblen Dachpartien und Anschlussstellen auf den Werkstoff Walzblei.

Optisch stimmiges Gesamtbild
Die Dachsanierung erstreckte sich über die Jahre 2010 bis 2012. Es wurde in mehreren Bauabschnitten die beschädigte Dacheindeckung, bestehend aus alten Schuppenschablonen, abgetragen. Nach dem Abriss des beschädigten Holztragwerks erstellte der ausführende Zimmererbetrieb eine neue Balkenkonstruktion sowie eine vollflächige Deckunterlage aus Holz. Für die Schieferdeckung wählten die Planer Moselschiefer in der Sortierung 1/12. Die vorhandenen Gauben wurden in die Hauptflächen eingebunden. Zu guter Letzt kam insbesondere für die vielen Nahtstellen Walzblei zum Einsatz. Mit dem Werkstoff wurden Anschlüsse, Einfassungen, Kehlen und Kleinflächen passgenau verwahrt. Zudem ergibt das Zusammenspiel von Schiefer und Walzblei ein optisch stimmiges Gesamtbild. Mit den wichtigen Bleiarbeiten wurde Dachdecker- und Klempnermeister Michael Nebeler aus Bedburg beauftragt, der über langjährige Erfahrungen in der Verarbeitung von Walzblei verfügt.

Käfer frisst Klosterdach
Die Überdeckung wird über den Holzwulst getrieben und auf der benachbarten Schare mit aufgeschweißten Bleihaften gegen Windsog gesichert.

Blei ersetzt Zink
Ein großer Schwachpunkt und Feuchtigkeitseinträger der alten Konstruktion: die Fensterbänke der beiden etwa 15 m langen Großgauben. Sie waren mit Zink eingefasst und verlötet. Die Lösung erwies sich als nicht sonderlich witterungs- und temperaturbeständig. Über die Jahre platzen nahezu alle Nähte auf. Wiederholte Nachbesserungen zeigten nur kurz Erfolg. Um die thermische Bewegungsmöglichkeit in Zukunft zu gewährleisten, entschieden sich die Bauverantwortlichen für folgende Ausführungstechnik: Die Bleibleche wurden jeweils zwischen Fensterbank und Spiegel in der Länge getrennt. Die Verbindung zwischen den einzelnen bis zu 1,20 m langen Scharen erfolgte durch eine so genannte englische Bleideckung.

Kai Christian Busch

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 13.2013.

Letzte Aktualisierung: 14.06.2013