Kampf um Kooperationen

Welche wichtigen Handelsunternehmen bestimmen den Dachmarkt? Welche Dienstleistungen erwarten die Dachdecker? Wir stellen die großen Dachbaustoffgesellschaften mit Marktzahlen und Serviceleistungen vor.

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Übersichtlich. Ein Mitarbeiter kontrolliert den Warenbestand im Baustoffhandel. Foto: Melle Dachbaustoffe GmbH.

Für den mittelständisch geprägten Dachdecker ist es wichtig, dass er sein Material schnell und einfach beziehen kann, am besten bei seinem örtlichen Baustoffhändler, der im Idealfall in der Umgebung sein Lager hat. Ab einer bestimmten Mengenabnahme fahren die Baustoffhändler dem Dachdecker das Material auch auf die Baustelle. Die meisten Handelsgesellschaften liefern in der Regel zwischen ein und zwei Tagen, einige bringen die Produkte auch, gegen eine zusätzliche Gebühr, über Nacht.

Neben der reinen Lager- und Lieferleistung spielen zusätzliche Service-Elemente eine immer größere Rolle. Dachdecker- und Zimmerermeister Fritz Glauner aus Birkenfeld bei Pforzheim: "Für mich gehören langjährige Kundenbeziehungen und zusätzliche Serviceleistungen einfach dazu. Deshalb arbeite ich auch mit vier Baustoffhändlern zusammen. Deren Leistungen ergänzen sich für mich gut: Der eine liefert schnell, der andere hat die neusten Produkte, der dritte Händler berät mich zusätzlich. Leider funktioniert die sogenannte "just-in time-Lieferung" oft nicht optimal. Meistens gehe ich auf Nummer Sicher und lasse mir das Material ans Lager liefern. Vor allem bei hochwertigen Produkten wie Solaranlagen muss ich rechtzeitig planen. Die sind bei mir besser aufgehoben, als dass ich sie an die Baustelle liefern lasse".

Beratung wird immer wichtiger

Gute Beratung wird immer wichtiger, findet auch Dachdeckermeister Bernd Friedrichs aus Steinfurt, der ebenfalls mit mehreren Dachbaustoffhändlern zusammenarbeitet. "Sehr wichtig ist für mich die Flexibilität bei der Lieferung. Bei uns muss es oft schnell gehen. Ich benötige das Material zum Beispiel schon morgen damit stoßen einige Dachbaustoffhändler an ihre Grenzen. Der schnelle Lieferservice darf dann ruhig etwas mehr kosten", sagt Friedrichs. Genauso wichtig ist ihm die telefonische Beratung. "Im Idealfall weiß mein Ansprechpartner mehr als ich", lacht Friedrichs. Vorbildlich findet er die Serviceleistungen der DEG, unter dem Dach der Zedach-Gruppe. "Hier finde ich fast immer eine kompetente Beratung. Auch die Möglichkeit der Online-Bestellung abends und sonntags ist für mich ein großer Vorteil", meint Friedrichs.

Eine andere Strategie verfolgt Dachdeckermeister Martin Weihsweiler, Degen Bedachungen aus Meckenheim. Er arbeitet bis zu achtzig Prozent mit dem Baustoffhändler Janssen zusammen, einer der wenigen noch verbliebenen Familienbetriebe. "Wichtig ist mir die Zusammenarbeit in Sachen Ausschreibung, hier müssen die Produkte auf das Angebot abgestimmt sein. Hinzu kommt der Bereich Logistik: Wenn ich morgens anrufe, kommt der Pritschenwagen des Händlers und liefert je nach Anfahrt innerhalb von wenigen Stunden. Das setzt natürlich eine Kundentreue unsererseits voraus und das zahle ich auch gerne mit".

Verdrängung durch Übernahmen

Durch Aufkäufe und Übernahmen Mehrwert erzielen das erhoffen sich die großen Dachbaustoff-Händler zurzeit in Deutschland. Bei den Handelshäusern gibt es in diesem Zusammenhang Parallelen zu den Herstellern der Branche der Steil- und Flachdachbranche. Die großen Handelsgesellschaften gehören wiederum oft zu weiteren großen Unternehmenszusammenschlüssen oder Verbänden, was der noch mittelständisch geprägten Dachbranche nicht immer deutlich ist. Die großen Player des Dachbaustoffhandels kämpfen momentan darum, sich gegenseitig die besten Einzelhändler abzukaufen ein starker Verdrängungswettbewerb ist im Gang und ein Ende noch längst nicht in Sicht.

Die Zedach ist die größte und älteste Handelsgesellschaft für Dachdecker in Deutschland. Die Gruppe ist mit über 130 Verkaufsstellen in Deutschland, Tschechien, Polen und Luxemburg vertreten. Der Leistungsverbund des Dachbau-Handwerks erwirtschaftet mit nach eigenen Aussagen über 6.000 Handwerksbetrieben als Mitglieder rund eine Milliarde Euro Umsatz jährlich. Die Marktdurchdringung dürfte bei rund dreißig Prozent liegen. Die Zedach gliedert sich in folgende sechs Dachdecker-Einkaufsgenossenschaften auf: West, Ost, Nordost, Süd, Rhein-Main und Alles für das Dach. Jörg Florian, geschäftsführender Vorstand Dachecker-Einkauf Nordwest eG: "Der Markt ordnet sich neu. Viele Händler und Industrie behalten zwar ihren Namen, werden aber von Konzernen und Finanzinvestoren geführt. Innerhalb des bundesweiten Marktführers Zedach-Gruppe, haben wir eine starke Position, die es gilt, gemeinsam zu halten und auszubauen. Wir sind dabei nicht an "Schnäppchenjägern" interessiert, denn der genossenschaftliche Fachhandel bringt nach wie vor nicht nur Ware auf den Markt, sondern Ideen für das Handwerk."

Ein großer Konkurrent am Markt ist die heutige Eurobaustoff. In den 60er Jahren gründeten Unternehmer die drei Fachhandelskooperationen Interpares, Mobau und IBS Leistungsverbund, aus deren Schulterschluss schließlich Eurobaustoff entsteht. Im Jahr 1994/95 fusionieren Mobau und Interpares zur Interpares/Mobau mit Sitz in Karlsruhe und starten die Dachmarke i&M Bauzentrum, die schon bald von mehr als hundert Gesellschaftern übernommen wird. Etwa zur gleichen Zeit wird aus dem IBS Leistungsverbund die Interbaustoff. 2001 führen Interpares/Mobau und Interbaustoff erste Gespräche über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. 2003 beschließen die Gesellschafter beider Kooperationen die Fusion zur I&M Interbaustoff mit Sitz in Bad Nauheim und Karlsruhe. 2006 erfolgt die Umbenennung in Eurobaustoff. Ulrich Wolf, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht unter anderem den Regionalen Einkauf der Kooperation als Verantwortlichen für den Umsatzerfolg. Die erste zentralfakturierte Umsatz-Milliarde konnte bereits im April 2008 erreicht werden. "Unsere Mannschaft der regionalen Einkäufer ist zwar erst seit Anfang des Jahres am Start und es muss zunächst noch viel Basisarbeit geleistet werden, aber die ersten Ergebnisse schlagen sich in Umsatz und Ertrag nieder." Dieses werde dazu beitragen, bis zum Ende des Jahres den geplanten zentral abgerechneten Umsatz von 3,8 Milliarden Euro zu erreichen.

Mit der Übernahme der Melle Gruppe trat 2006 die zum britischen Konzern SIG plc. gehörige SIG Germany erstmalig in Erscheinung. Im April 2008 kamen die Unternehmen Eicken, Stagge und Johne Dachbaustoffe dazu. Mittlerweile gehören zur deutschen Gesellschaft "SIG Deutsche Dachbaustoffe" 17 Niederlassungen. "Wir wollen uns als kompetenter Partner und als Alternative zu den Dachdeckereinkäufen positionieren", so Geschäftsführer SIG Germany, Ole Ahrens. Weitere Details zu SIG und der Melle Gruppe lesen Sie im Interview in DDH 15. Melle kooperiert wiederum mit der Hagebau Gesellschaft in Soltau, Abteilung "Dach und Fassade". Dieser Bereich der Hagebau produziert mittlerweile immer mehr Eigenmarken wie Firstrollen, Unterspannbahnen und Dampfbremsen und setzt auf Service-Elemente wie Gerüstvermietung oder Finanzierungs-Hilfen.

Raab Karcher Baustoffe heißt nun Saint-Gobain Building

Raab Karcher hat 2003 das Traditionshandelshaus Gallhöfer gekauft und zählt mit rund 7.600 Mitarbeitern und 380 Niederlassungen im In- und Ausland zu den bedeutendsten Baustoffhandelsunternehmen in Europa. Raab Karcher Baustoffe gehört zum großen Aktienkonzern von Saint-Gobain, Paris, was sich seit dem 1. Juli auch in der neuen Namensgebung zeigt: "Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH".

Baywa will weiter wachsen

Vor allem in Süddeutschland sind Niederlassungen der Baywa anzutreffen. Doch das soll sich ändern. Denn auch der Baustoffbereich des Baywa-Konzerns ist auf Expansionskurs: Im Februar wurde der Bautreff Voss aus Coesfeld übernommen. Mit den sieben Voss-Standorten lasse sich die Lücke im bisherigen Filialnetz von BayWa/Küppers zwischen Münsterland und Ruhrgebiet schließen, so Hans Witzig, Generalbevollmächtigter und Leiter der Sparte Baustoffe im BayWa-Konzern. Der Vertragsabschluss mit Voss sei ein wichtiger Schritt zur angestrebten Marktführerschaft im Ruhrgebiet und Münsterland. Die BayWa möchte künftig durch die Akquisition mittelständischer Baustoffunternehmen in baustarken Regionen weiter wachsen. So übernahm sie im Juni den bisherigen Eurobaustoff-Gesellschafter Bauzentrum Westmünsterland mit seinen acht Standorten.

"Wir brauchen ein gemeinsames Dach" unter diesem Motto trafen sich 1970 fünf norddeutsche Bedachungsfachhändler und gründeten die gemeinsame "Cooperation Bedachungs-Artikel" (Coba) in Osnabrück. Heute gehören der Coba über dreißig selbstständige Gesellschafter und Kooperationspartner an; mittelständisch strukturierte, meist inhabergeführte Unternehmen, die sich auf den Handel und den Vertrieb von Dachbaustoffen spezialisiert haben. Mit dem Prämienprogramm "Dach & Mehr" versucht die Coba Dachdecker an sich zu binden.

Auf Kooperation setzt auch die Celo, ein Zusammenschluss der EGN Einkaufsgesellschaft Nordbau, der FDF-Dienstleistungsgesellschaf, MB Kauf und der Nowebau. Die Mitgliederstärkste Gesellschaft der Celo ist die FDF Dienstleistungsgesellschaft aus Wilnsdorf. Sie besteht als Kooperation von Fachhändlern für Dach und Fassade seit 1988. Die FDF ist Gründungsgesellschafter der 2003 gegründeten Dachkooperation Celo GmbH. Zur FDF gehören bundesweit 50 Gesellschafter mit 73 Standorten. Heinz Slink ist Geschäftsführer von Celo und FDF. Seine Aussage zur künftigen Strategie: "Kernkompetenz der Kooperation ist auch künftig die Interessengemeinschaft von mittelständischen, inhabergeführten Bedachungshändlern. Zielsetzung ist ausdrücklich die Bündelung dieser Interessen auch über die Grenzen der Kooperation hinaus." Am 19. Juni feierte FDF in Bochholt 20jähriges Jubiläum.

Gründung: ZDBF setzt auf Öffentlichkeitsarbeit

Slink ist auch Initiator, Mitbegründer und Vorstandsmitglieds eines neuen Verbandes. Um Gemeinsamkeiten auszuloten und weitere Kooperationen zu besprechen trafen sich führende Dachbaustoffhändler auf der DACH+HOLZ. Die Fortsetzung fand am 20. Mai in Köln statt: Hier wurde ein Zentralverband des Deutschen Bedachungsfachhandel (ZDBF) gegründet.

Johannes Messer

Letzte Aktualisierung: 08.05.2012