Klammern für die Historie

Nachdem Dachziegel vom Hamburgmuseum herunterfielen, deckte ein Gutachten auf: Im Dach waren zu wenige Sturmklammern verbaut und die Lattenabstände falsch berechnet. Mit einer aufwendigen Umdeckung machten die Handwerker das Dach wieder sturmsicher.

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Ansicht der Dachfläche im Innenhof: Die Dachhandwerker deckten Teile der Fläche ab, lagerten die Ziegel zwischen, tauschten Konter- und Traglattung aus und ergänzten die Sturmsicherung auf das geforderte Maß. Fotos: FOS

Das Museum für hamburgische Geschichte, auch als Hamburgmuseum bezeichnet, wurde 1908 gegründet. Es bietet einen Überblick der Hamburger Geschichte von etwa 800 nach Christi bis zur Gegenwart. Das imposante Backsteingebäude mit seiner markanten Dacharchitektur wird mit einem Turm über dem Haupteingang gekrönt, der optisch einem Leuchtturm nachempfunden ist. Der Hamburger Architekt Fritz Schumacher baute es zwischen 1914 und dem Eröffnungsjahr 1922. Das Museumsgebäude errichtete man an der Stelle der ehemaligen Bastion Henricus, einem Teil der früheren barocken Befestigungsanlage (1616 bis 1625), die damals die Stadt Hamburg zur uneinnehmbaren Festung machte. 1944 teilweise zerstört, zeigte das Museum bereits 1945 wieder einen Teil seiner Schausammlung. Das gesamte Gebäude wurde 1976 unter Denkmalschutz gestellt. Dass 1604/1605 geschaffene Südportal der Hamburger Hauptkirche St. Petri war bereits 1842 beim großen Stadtbrand beschädigt worden. Eingebaut in den Museumsinnenhof, wurde es im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach seiner Wiederherstellung bildet es den Zugang vom Hof in den Sonderaustellungsraum und bietet bei Konzerten im Innenhof eine repräsentative Kulisse.

Dachziegel fallen vom Gebäude

Der Baukörper misst an den zum Park hin ausgerichteten Längsseiten rund 80 m × 69 m, die Firsthöhe beträgt maximal 28,00 m. Abhängig vom Gebäudetrakt gibt es Walmdächer über den kleineren Gebäudebereichen und Satteldächer in den lang gestreckten Bereichen. Zudem gibt es noch einen Bereich mit einem Mansarddach. Die Dachneigungen variieren in Abhängigkeit vom Gebäudeteil; bei den Walmdächern liegt sie zwischen 36 und 58 Grad, das Satteldach besitzt eine Neigung von 52 Grad und das Mansarddach eine Neigung von 80 Grad. In einigen Dachbereichen gibt es Fledermausgauben. In den Jahren 2005 bis 2007 wurde die gesamte Dachfläche nach damals gültigem Regelwerk komplett saniert und mit Hohlfalzziegeln eingedeckt. Nachdem im Jahre 2011 ein Dachziegel vom Dach in den äußeren Gastrobereich des Cafés heruntergefallen war, bestand die Gefahr von Personenschäden bei wiederholten Dachziegelabstürzen.

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Bei der Neudeckung der Hauptfläche setzten die Dachhandwerker zumeist Seitenfalzklammern ein. An sensibleren Dachbereichen wie Grat oder Ortgang wurde jeder Ziegel auf einer Breite von 1 bis 5 m sturmgesichert.

Der heutige Eigentümer der Gebäude, die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH, vertreten durch die IMPF Hamburgische Immobilien Management Gesellschaft mbH, beauftragte aufgrund der Absturzgefahr einzelner Dachziegel einen Sachverständigen mit der Feststellung der Schadensursache. Die Expertise des Gutachters ergab, dass eine wirksame und fachgerechte Windsogsicherung – selbst nach den 2005 geltenden Fachregeln des ZVDH (sie entsprechen den „anerkannten Regeln der Technik“) – nicht gegeben war. Er stellte bei seiner Untersuchung fest, dass offensichtlich nur partiell Sturmklammern eingebaut und in Teilbereichen angeordnet waren. Zudem entsprachen sowohl die Qualität als auch die Abmessung der Traglattung nicht den seinerzeit gültigen Fachregeln. Aufgrund dieser Feststellungen durch den Gutachter entschloss sich die IMPF, um möglichen Unfällen durch herabfallende Ziegel entgegenzuwirken, die komplette rund 6.000 m² betragende Dachfläche – sie besteht aus rund 60 Teil flächen – entsprechend den aktuellen Fachregeln zu sanieren. Da die vorhandenen Dachpfannen selbst noch voll funktionsfähig sind, entschloss man sich zu einer Umdeckung mit diesen Dachziegeln. Die Bauleistungen dieser Maßnahmen wurden im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung submittiert.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 15/2013.

Letzte Aktualisierung: 13.08.2013