Der Dachlüfter: Kleines Bauteil, große Sorgfalt

Der Dachlüfter gehört bei einem Steildach zum Standard, ob zur Raumentlüftung oder zur Entlüftung von Entwässerungsanlagen. Doch so profan das Bauteil auch erscheint, so müssen beim Einbau einige Aspekte berücksichtigt werden: neben Durchmesser, Abständen und Rohrleitung, gilt es insbesondere das Regelwerk und tangierende Normen zu beachten.

Rohrdurchführung
Eine Rohrdurchführung muss immer an alle Dachschichten angebunden sein: im Bereich Unterdach winddicht, insekten- und regensicher und je nach Anforderung an die Zusatzmaßnahme wasserdicht. Fotos/Grafiken: Klöber

Das Regelwerk des ZVDH beschreibt mit seinem Merkblatt „Einbauteile bei Dachdeckungen“ Rohrdurchführungen als Bauteile oder Elemente in Dachdeckungen für haustechnische Anlagen. Grundsätzlich sind diese Elemente regensicher in die Dachdeckung einzubinden. Auch die Anforderungen zur Einbindung in die weiteren Funktionsschichten eines Daches sind zu beachten. So sind je nach Anforderung einer Zusatzmaßnahme zur Deckung diese Durchdringungen auch in die zweite Ablaufebene einer Unterdachkonstruktion winddicht, insekten- und regensicher einzubinden. Auch die luftdichte Einbindung an die Innenausbauschichten wird beschrieben.

Ergänzende Anforderungen berücksichtigen

Dachdecker haben ergänzend zum Regelwerk noch weitere Anforderungen wie der DIN 1986-100 und DIN 18017-3 „Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster“ sowie der DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ zu beachten. Danach sind verschiedene Lüftungskonzepte möglich:

  • Für die Lüftung der Räume von Nutzungseinheiten stehen freie oder ventilatorgestützte Systeme der Wohnungslüftung zur Verfügung, die unter Beachtung der bauphysikalischen und hygienischen Erfordernisse ausgewählt werden können.

  • Bei der freien Lüftung wird planerisch zwischen Querlüftung (Feuchteschutz) sowie Schachtlüftung unterschieden.

  • Die ventilatorgestützte Lüftung wird als Lüftungs-Anlage oder -Gerät geplant.

  • Abluftsysteme sind abluftseitig ventilatorgestützte Lüftungssysteme und können ohne oder mit Wärmerückgewinnung mittels Abluftwärmepumpe geplant, ausgelegt und betrieben werden. Bei Abluftanlagen wird in Einzelventilator-Lüftungsanlagen, und Zentralventilator-Lüftungsanlagen unterschieden.

  • Zuluftsysteme sind zuluftseitig ventilatorgestützte Lüftungssysteme, bei denen zwischen Einzelraum-Lüftungsgeräten und Zentralventilator-Lüftungsanlage unterschieden wird. Auch hier kann eine Wärmerückgewinnung zum Einsatz kommen. Weiterhin wird in Zentralventilator-Lüftungsanlagen für Mehrfamilienhäuser, in Anlagen mit Wohnungs-Lüftungsgeräten im MFH und Wohnungs-Lüftungsgeräten im Einfamilienhaus sowie Einzelraum-Lüftungsgeräten, unterschieden.

Für alle Anlagen gilt, dass die Elemente sicher durch die Dachkonstruktion geführt und an die Dachdeckung, Luft- und Windsperre entsprechend dem Fachregelwerk und den Anforderungen der Schichten angeschlossen werden müssen.

Entlüftung von Schwerkraftentwässerungsleitungen

Entlüftungen von schmutzwasserführenden Schwerkraftentwässerungsanlagen müssen regelmäßig durch die Dachkonstruktion geführt werden. Diese Leitungen verhindern, dass sich ein Unterdruck in der Leitung bildet und mögliche Geruchsverschlüsse leergesaugt werden. Diese Lüftungsleitungen sind durch das gesamte Dachsystem zu führen. Dabei sind die Anforderungen der DIN 1986-100 (2016) „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056“ zu beachten, die über die grundsätzlichen Anforderungen für Einbauteile zu Dachdeckungen und Dachabdichtungen nach dem Regelwerk des ZVDH hinausgehen. Nach DIN 1986-100 ist grundsätzlich jede Fallleitung als Lüftungsleitung über das Dach zu führen.

Hanns Christoph Zebe

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12/2020

Letzte Aktualisierung: 18.11.2020