Kommentar: Sicherheit in die Köpfe rein

Dachdeckerwetter ist ja nicht unbedingt Messewetter, dennoch drängten sich viele Besucher bei der DACH+HOLZ durch die Gänge der Kölner Messehallen. Zugegeben, das Rad wurde wieder nicht neu erfunden, aber auch die kleinen Dinge des Arbeitslebens können das Dachdeckerherz erfreuen.

Brigitte Latsch
Rasende Reporterin auf der Messe: Dachdeckermeisterin Brigitte Latsch.

Ein Leichtgewicht an Dämmstoffsäge, pfiffige Lösungen für Wandbegrünungen, ein Fahrgerüst zum „Alleinebauen“ oder Kehl- und Gratfüllstücke für eine PIR-Gefälledämmung, die Lagerhaltung optimieren und Baustellenabfälle minimieren sind nur ein paar Beispiele hierfür. Richtig pfiffig wurde es bei der Arbeitssicherheit, ein Kernthema der diesjährigen Messe. „Theorie meets Praxis“, konnte man sagen, wenn man die kleinen Helfer, die die BG verteilte, unter die Lupe nahm. Der „mobile Dachhaken“ mit Schlaufe begeisterte ebenso wie die praktischen Vorführungen, die BG, ZVDH und Holzbau Deutschland gemeinsam am Modell darboten. Gut zu sehen, dass sich immer mehr Betriebe für dieses Thema sensibilisieren. Schöner noch, wenn dies endlich alle täten. „Viel zu aufwendig, geht nicht, bezahlt uns keiner“, dieser Satz muss aus den Köpfen verschwinden, sonst bezahlt der Dachdecker mit seiner Gesundheit. Ich weiß, wovon ich hier schreibe. Ob der ebenfalls gezeigte Airbag-Rucksack allerdings eine wirkliche Option für den Arbeitsschutz darstellt, wird man sehen …

Auch die Digitalisierung war wieder großes Thema. Hier hatte man jedoch erneut den Eindruck, der Dachdecker arbeitet einfach lieber mit dem Hammer als mit der Elektronik. Tools, die einem die Arbeit erleichtern, haben zwar Einzug in die Büros gehalten, aber eine wirkliche Digitalisierung findet nicht statt. Also – Dachfrauen aufgemerkt – hier gibt es noch Potenzial. Beim FrauenZimmer 2019 , dem Forum für Frauen des Dachdecker- und Zimmererhandwerks, wird dies bestimmt auch wieder Thema sein. Die Planungen sind in vollem Gange und die Eckdaten wurden auf der Messe vorgestellt. Es gilt das Netzwerk auszubauen. Apropos Netzwerk, schlussendlich war die Messe auch wieder ein großes Netzwerk. Sehen, gesehen werden, austauschen. Das Gespräch mit Kollegen macht den Messebesuch zusätzlich so wertvoll. Miteinander arbeiten, einander helfen, heißt die Devise, gerade in Zeiten der Hochkonjunktur und des Fachkräftemangels. Letzterer war naturgemäß auch ein Riesenthema unter den Kollegen. Die Dachdeckermeister Manfred Rosenkranz und Rolf Klein erklärten, dass sie jetzt nach erfolgreichem Praktikum Flüchtlinge aus Gambia und Somalia einstellen. Klein: „Der ist der Hammer, der ist einfach hoch motiviert und hat richtig Spaß zu arbeiten.“ Also gibt es sie doch und ausgerechnet auf der DACH+HOLZ bekommst du sie erzählt, die kleinen Geschichten, die sich abseits der Öffentlichkeit abspielen und hoffen lassen, dass die Welt noch nicht vollends bekloppt geworden ist.

Brigitte Latsch

Letzte Aktualisierung: 26.02.2018

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