Konjunktur: Stimmung positiv, Gewinnorientierung schwach

Die wirtschaftliche Entwicklung im Dachdeckerhandwerk ist 2019 weiterhin positiv, wenn auch die Zuwächse nicht mehr ganz so hoch ausfallen wie im Vorjahr. Nicht nachzuvollziehen ist, ­warum Dachdecker in diesen guten Zeiten von allen Baugewerken die geringsten Preissteigerungen im Bereich Modernisierung von Wohngebäuden aufweisen.

Konjunkturbarometer 2019
Bröschure zum Stundenverrechnungssatz Quelle: ZVDH

Auch wenn sich die konjunkturellen Aussichten gesamtwirtschaftlich leicht eintrüben, gehen im Handwerk die Umsätze 2019 ­erneut nach oben. Bei den Dachdeckern steht für das erste Quartal ein vorläufiges Plus von 5,8 % und für das zweite von 2,8 %. Die ­Zuwachsraten aus dem Top-Jahr 2018 bleiben zwar unerreicht, ­dennoch rechnet der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks für 2019 mit einem Plus von 4,5 %. Erfreulich sind auch die Meldungen zur Stimmung und den Geschäftsaussichten: 78 % der Unternehmen bewerten die Geschäftslage in den verbandsinternen Umfragen als sehr gut oder gut. Im langfristigen Vergleich liegen die durchschnittlichen Bewertungen mit der Schulnote 2,0 auf einem neuen Rekordniveau. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Geschäftsaussichten: Die positiven Erwartungen schneiden hier mit einem Schulnoten-Mittelwert von 2,1 ab – dem höchsten jemals ­erreichten Wert eines zweiten Quartals in den ZVDH-Umfragen. ­Gestützt werden die Bewertungen von vollen Auftragsbüchern. Die Auslastung des Personals liegt mit 95 % ebenfalls bei einem Rekordwert in 12 Jahren Quartalsumfragen. Entsprechend gehen mehr als 90 % der Unternehmer davon aus, dass die Anzahl ihrer Mitarbeiter im nächsten halben Jahr gleichbleiben oder steigen wird (der beste Wert seit dem Jahr 2011).

Zu geringe Preissteigerungen

Doch trotz des positiven Rückenwinds kommen die Dachdecker bei den Umsatzsteigerungen weiterhin nicht an das Gesamtniveau im Handwerk heran. Während das Zimmerer- und Holzbaugewerbe durchschnittliche jährliche Umsatzsteigerungsraten von 4,5 Prozent innerhalb der letzten 10 Jahren kommt, erreicht das Dachdeckerhandwerk in derselben Zeit nur knapp 2,1 Prozent. Bezogen auf den Mai 2019 konnten die Dachdecker gegenüber dem Vorjahr im ­wichtigen Geschäftsfeld Instandhaltung und Sanierung von Wohn­gebäuden nur eine Preissteigerung von 3,0 Prozent erzielen. Weit oben in der Liste liegen Gerüstbauer, die mit 5,7 Prozent fast das Doppelte an Zuwachs erreichen.

Alle Konjunkturbarometer der vergangenen Jahre finden Sie hier

Mangelnde Gewinnorientierung

Diese Zahlen legen nahe, dass es bei den Dachdeckerunternehmen zu wenig Gewinnorientierung gibt und die Stundenverrechnungssätze zu niedrig liegen. Oft wird vorausgesetzt: „Höhere Preise kann ich nicht durchsetzen.“ Doch gerade wenn die Auftragsbücher voll sind und die Betriebe sogar Anfragen ablehnen müssen, ist das ein unbefriedigender Zustand. Denn wenn die Nachfrage aktuell so hoch ist, müssten sich auch höhere Preissteigerungen durchsetzen lassen. Ein weiterer Grund für die unterm Strich schwachen Gewinne: Viele Betriebe haben auch Hemmungen, sich von Kunden trennen, an deren Aufträge sie zu wenig verdienen.

Kalkulieren leicht gemacht

Der ZVDH bietet den Mitgliedsbetrieben zwei Excel-basierte Tools an, mit denen sie schnell und einfach ihre Vorkalkulation erledigen und die lohngebundenen Kosten sowie den betriebsindividuellen Stunden­verrechnungssatz ermitteln können. Für Innungsbetriebe sind diese im internen Bereich abrufbar: www.member.dachdecker.de unter „ZVDH-Unternehmer-Info“.

Wir sind unseren Preis wert

Weiterhin kann ein Flyer zur Kundeninformation im internen Bereich bestellt werden. Mit dem Folder angesprochen werden soll der ­„normale“ Kunde, für den der Dachdecker-Betrieb Stunden- und ­Tagelohnarbeiten auf Nachweis verrichtet.
Er informiert über die durchschnittliche prozentuale Höhe der Kosten einer Arbeitsstunde im Dachdeckerhandwerk und erklärt, aus welchen Bestandteilen sich der Stundenverrechnungssatz zusammensetzt. Der Folder eignet sich als Beilage für Angebote und Rechnungen sowie als Hilfsmittel bei Preisverhandlungen. Zu finden unter member.dachdecker.de // Werbemittel // Online-Shop //Auftrags-Werbefolder (50 Stück kosten 9,28 Euro).

Felix Fink


DDH Newsletter Anmeldung

Unser kostenloser Newsletter informiert Sie alle zwei Wochen über wichtige Branchenveranstaltungen, technische Neuerungen, einschlägige Regelwerke, interessante Sanierungsprojekte, die Fachmedienangebote der Rudolf Müller Mediengruppe sowie Produkte unserer Werbekunden.

Letzte Aktualisierung: 29.10.2019