Konterlatte immer sichern

Im Bereich der regensichernden Zusatzmaßnahmen für Dachdeckungen informieren verschiedene Hersteller den Markt seit einigen Jahren sehr unterschiedlich: Dies gilt vor allem hinsichtlich der anerkannten Regeln der Technik für die Perforationssicherung von Unterdeck- und Unterspannbahnen.

Konterlatte immer sichern
Die allgemein anerkannte Regel der Technik zur Perforationssicherung von Unterdeck- und Unterspannbahnen ist die Ausführung mit Nagel- dichtbändern oder Nageldichtmassen zwischen Konterlatte und Bahn und nicht mögliche „perforationssichere Bahnen“. Foto: DDH

Mit Inkrafttreten der geänderten Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen sowie der aktuellen Fassung des Merkblatts für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen im Januar 2010 besteht zum Beispiel bei Unterschreitung der Regeldachneigung von Dachziegeln oder Dachsteinen (gemäß Fachregel) bis zu 8° sowie einer Wohnraumnutzung (oder vergleichbar) des Dachraumes die Anforderung, mindestens eine

  • naht- und perforationsgesicherte Unterdeckung

  • naht- und perforationsgesicherte Unterspannung

  • Unterdeckplatte

auszuführen. Hinsichtlich der Nahtsicherung besteht in der Praxis insgesamt kaum Erläuterungsbedarf: Die Verklebung erfolgt üblicherweise über herstellerseitig vorkonfektionierte Klebebereiche/-streifen der Unterdeck-/Unterspannbahnen oder mit Klebebändern.

Variierende Laborergebnisse

Die Perforationssicherung hingegen wird seit Januar 2010 verstärkt diskutiert, meist initiiert durch Aussagen der Inverkehrbringer der Bahnen. Einige Hersteller werben damit, dass die jeweiligen Produkte durch entsprechende oberseitigen Beschichtungen oder den materialspezifischen Aufbau automatisch perforationssicher seien. Der ZVDH hat im Januar 2010 hierzu klargestellt, dass die Perforationssicherung von Unterdeck- und Unterspannbahnen durch diese Beschichtungen nicht gewährleistet wird und somit nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht. Nun wird schon seit geraumer Zeit durch einige Hersteller und Inverkehrbringer dieser Produkte erklärt, dass der ZVDH 2010 seine Aussagen mit der mangelnden Langzeiterfahrungen begründet hätte und dass es mittlerweile andere Erfahrungswerte gebe. Dies kann der ZVDH bestätigen, denn es liegen nun weitere Ergebnisse zu den Produkten der entsprechenden Hersteller vor. Diese basieren meist auf labortechnischen Versuchen, mit denen die Perforationssicherung nachgewiesen werden soll. Nach Durchsicht der Untersuchungen ist der ZVDH auf einige Widersprüche gestoßen. So variieren beispielsweise die Ergebnisse von labortechnischen Untersuchungen bestimmter Produkte hinsichtlich des Wassereintrags sehr stark. Dies wirft folgende Fragen auf:

  • Taugen die gewählten Untersuchungsverfahren zur Beurteilung der geforderten Eigenschaften?

  • Wurden übliche Arbeits- und Befestigungstechniken sowie deren Einfluss auf die Ergebnisse in ausreichendem Umfang in den Untersuchungen berücksichtigt?

  • Sind labortechnische Untersuchungen in diesem Fall ein geeignetes Instrument, um Aussagen zur Perforationssicherung zu treffen?

  • Wie stark waren die Toleranzen der Eigenschaften der Prüfkörper und wie stark sind die Toleranzen in der Baupraxis?

Für den ZVDH steht fest: Der wissenschaftliche Beleg für die dauerhafte Funktion einer Beschichtung von Unterdeck-/Unterspannbahnen oder deren materialspezifischer Aufbau als Perforationssicherung ist nicht erbracht.

Durchgefallen in Theorie und Praxis

Aber wie sieht es mit den Praxiserfahrungen aus? Auch hier kann abschließend nicht festgestellt werden, dass die angeblich perforationssicheren Bahnen die Funktion im Sinne des Regelwerks des Dachdeckerhandwerks als regensichernde Zusatzmaßnahme für den oben aufgeführten Fall gewährleisten können. Es gibt zwar Rückmeldungen seitens der Dachdecker über positive Erfahrungen mit den Bahnen, die Mehrheit gibt aber negatives Feedback.

Christian Anders

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 15.2016.

Letzte Aktualisierung: 30.08.2016