Kulturgut trifft Erfindergeist

Dass sich Tradition und förderungsfähiger U-Wert nicht ausschließen, beweist DDM Kai Roth bei einer Sanierung in Westerholz. Reetdeckung in Kombination mit einer Aufsparrendämmung – ein System, das der Innungs-Dachdecker selbst entwickelte.

Kulturgut trifft Erfindergeist
Hightech-Haus im Nostalgie-Kleid: Bei der Sanierung des 1778 erbauten Hauses setzte der Bauherr auf höchstmögliche Energieeffizienz zu KFW-Förderwerten.

Reethausbesitzer pflegen das Kulturgut Reetdach, doch auch sie haben heute den Wunsch nach mehr Wohnkomfort und besserer Energieeinsparung und müssen sich an die Vorgaben der Energieeinsparverordnung halten. Vor allem in Norddeutschland sieht man sie, die Reethäuser mit ihren großen Walmdächern und der dicken Weicheindeckung. Auch an der Flensburger Außenförde in Westerholz steht ein über 140 Jahre altes Reethaus mit einem 360 m² großen Krüppelwalmdach. Da Reet jedoch aufgrund der notwendigen Hinterlüftung nicht dämmt, muss auch hier nach den Vorschriften der EnEV energetisch saniert werden. Wie lässt sich eine förderfähige Sanierung mit einem U-Wert kleiner 0,14 W/m2K auf dem Reetdach erreichen?

Geht nicht? Geht doch! Energetische Sanierung mit Erfindergeist

Reetdächer sind eine Besonderheit, ihre Eindeckung beherrscht nur ein speziell geschulter Reetdachdecker – ein Handwerk, das großes fachliches Können erfordert. Kai Roth, Dachdeckermeister und Inhaber des gleichnamigen Satruper Innungsbetriebs mit acht Mitarbeitern, ist einer der begeisterten und fachlich versierten Reetdachdecker mit großen Ambitionen zu steten Verbesserungen auf den traditionellen Reetdächern. Seit rund sechs Jahren bietet er eine energetische Sanierung eigener Erfindung an, die einmalig ist: „Als ich nach intensiver Auseinandersetzung die Idee zur Sanierungslösung von Reetdächern hatte, habe ich mich an einen namhaften Dachsystem-Hersteller gewandt, um gemeinsam eine Lösung für eine kraftschlüssige Statik zu finden. Wir haben ein Dachsystem ausgetüftelt, das bestens funktioniert“, ist Dachdeckermeister Roth auf das Alleinstellungsmerkmal seines Betriebs stolz. Mit dem Haus in Westerholz hat er gemeinsam mit Bauder die siebte Reetdachsanierung erfolgreich abgeschlossen.

Individuelle Dämmmethoden je nach Bauteil

Als das Reetdach über dem bewohnten Dachgeschoss saniert werden musste, zog der energiebewusste Bauherr Dachdeckermeister Kai Roth zur Beratung hinzu. Nach der genauen Bestandsaufnahme beschlossen Bauherr und Dachdecker einen wirtschaftlichen wie hocheffizienten Aufbau der Wärmedämmung, um das Haus aus 1874 auf Niedrigenergiehausstandard zu bringen. Dafür kamen verschiedene Dämmmethoden für die unterschiedlichen Bedingungen zum Einsatz:

Über dem bewohnten Dachgeschoss ist eine Aufsparrendämmung die beste Dämmmethode, bei der über die gesamte Dachfläche von außen eine geschlossene Haube aus Dämmelementen verlegt wird, die den Wohnraum und die Dachkonstruktion schützt. Die Sparrenhöhe wird allein nach statischen Erfordernissen bemessen, Wärmebrücken durch Sparren und Zwischenwände werden vermieden. Alle Bauteile liegen im trockenen, warmen und temperaturneutralen Bereich. Damit ist die gesamte Dachkonstruktion optimal gegen Feuchtigkeit geschützt. „Mit einer Zwischensparrendämmung wäre die Verlegung der Dämmung ein riesengroßer Aufwand mit sehr geringem Ergebnis gewesen. Wir hätten die Sparren unverhältnismäßig stark aufdoppeln und endlos viel Mineralwolle einbringen müssen“, so DDM Roth. „Bei Reet ist das noch schwieriger, da viele zusätzliche und dicke Sparren für passende Gefachgrößen eingebaut werden müssten. Auch die Aufsparrendämmung erfordert eine spezielle Vorgehensweise beim Reetdach, doch bringt sie auch hier ein hervorragendes Ergebnis.“

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Letzte Aktualisierung: 10.07.2015