Lagerung, Transport & Verarbeitung von Flüssigkunststoffen

Beim Umgang und der Handhabung von Gefahrstoffen, sind verschiedene sicherheitsfördernde Vorgehensweisen in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Diese betreffen die Benutzung auf der Baustelle und im Betrieb. Tipps zum Umgang, Lagerung, Transport und Verarbeitung von Flüssigkunststoffen, liefert unsere zweiteilige Serie.

Arbeitsicherheit Flüssigkunststoffe
Auf Baustelle und auch im Betrieb gibt es im Sinne des Arbeitsschutzes Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um das Wohlergehen von Umwelt und Mensch sicherzustellen. Das gilt auch für den Umgang mit Produkten auf PMMA-Basis. Fotos/Abbildungen: Triflex

Beim Einsatz von Flüssigkunststoff zählen zur Minimierung von Gefahrquellen unter anderem das Gefahrstoffverzeichnis, die Betriebsanweisungen, die Gefährdungsbeurteilung und die persönliche Schutzausrüstung. Betreiben Arbeitnehmer und -geber aktiv Prävention, kann das Risiko erheblich reduziert oder sogar komplett vermieden werden. Vor nunmehr zwei Jahren, zum 01.06.2017, haben die altbekannten, orangefarbenen Gefahrensymbole auf Verpackungen und Sicherheitsdatenblättern nach EU-Richtlinie 67/548/EWG ihre Gültigkeiten endgültig verloren. Sie wurden abgelöst von den rautenförmigen, rot umrandeten Gefahrenpiktogrammen, die die Kennzeichnung von potenziell gefährlichen Stoffen und Gemischen nach dem GHS (Globally Harmonised System) der Vereinten Nationen zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien weltweit vereinheitlicht. Für Europa geltend ist die CLP-Verordnung (Klassifizierung und Etikettierung von Produkten), die auf Basis der GHS erarbeitet, aber leicht modifiziert wurde. Mit dem Inkrafttreten der EU-Chemikalienverordnung in 2009 wurde die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen seit dem 01.12.2010 obligatorisch und zum 01.06.2015 kamen die Gemische hinzu.

Produktkennzeichnung
Seit 1. Juni 2017 gelten die neuen Gefahrenpiktogramme auf Verpackungen und Sicherheitsdatenblätter. Die Piktogramme geben einen klar erkennbaren optischen Hinweis darauf, welche Gefahren im Umgang mit dem Produkt auftreten können. Das abgebildete warnt vor einer Ätzwirkung.

Produktkennzeichnung mit Etikett und Sicherheitsdatenblatt

Die neuen Piktogramme geben bereits auf dem Etikett einen klar verständlichen optischen Hinweis darauf, welche Gefahren im Umgang mit dem Produkt auftreten können. Die Produkte des Herstellers von PMMA-basierten Flüssigkunststoff-Lösungen sind ebenfalls mit dieser Kennzeichnung versehen. Ergänzend zur grafischen Darstellung bieten die H-Sätze (Gefahrenhinweise) auf dem Etikett weitere Informationen zur Wirkung der Inhaltsstoffe, die P-Sätze (Sicherheitshinweise) unterrichten über den sicheren Umgang sowie die korrekte Lagerung und Entsorgung des Produktes. Detaillierte Informationen bietet das Sicherheitsdatenblatt (SDB). Es ist Aufgabe der Hersteller von als gefährlich eingestuften Stoffen, aber auch der Lieferanten, das SDB den Anwendern kostenfrei und unaufgefordert bereitzustellen – auch jedes Mal dann, wenn eine Änderung vorgenommen wird. Die Erstellung, Weitergabe und Aufbewahrung der SDB unterliegt in der EU der REACH-Verordnung (Titel IV – Information in der Lieferkette). Der Inhalt von Sicherheitsdatenblättern und deren Unterteilung in 16 Abschnitte ist dort geregelt. Die Abschnitte 2 (Mögliche Gefahren), 7 (Handhabung und Lagerung), 8 (Schutzkleidung und mögliche Arbeitsplatzgrenzwerte) sowie 13 (Entsorgung) liefern wichtige Hinweise für einen sicheren Umgang mit dem Produkt und zur Prävention von Fehlern, die Gesundheit und Umwelt beeinträchtigen könnten. Kommt es dennoch zu einem Schadensfall, geben die Abschnitte 4 (Erste Hilfe), 5 (Brandbekämpfung) und 6 (Unbeabsichtigte Freisetzung) Hilfestellung.

Den Überblick bewahren: der GISCODE

Um im Arbeitsalltag den Überblick über alle Pflichten beim Umgang mit Gefahrstoffen zu behalten, hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) den sogenannten GISCODE (Gefahrstoff-Informations-System-Code) entwickelt.

WINGIS
Das Portal WINGIS-Online der BG BAU – GISBAU macht die Erstellung und Führung eines Gefahrstoffverzeichnisses einfach. Mit wenigen Mausklicks sind die Stoffe und Gemische zu finden und können dem Verzeichnis hinzugefügt werden. Abbildung: Triflex

Der Grundgedanke dahinter ist folgender: die große Anzahl chemischer Produkte auf wenige Produktgruppen zu reduzieren, wenn die Gesundheitsgefährdung vergleichbar ist und die Schutzmaßnahmen dementsprechend dieselben sind. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe der Methylmethacrylat-Beschichtungsstoffe.



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Verantwortung des Arbeitgebers

Auch seitens des verarbeitenden Unternehmens gibt es verbindliche Maßnahmen. In der Verantwortung liegt vornehmlich der Arbeitgeber, der die Angestellten in regelmäßigen Abständen bezüglich Schutzmaßnahmen zu unterweisen und auf die Einhaltung zu achten hat. Grundlage dessen ist unter anderem die Betriebsanweisung, die für alle Tätigkeiten, bei denen Mitarbeiter einer potenziellen Gefahrensituation ausgesetzt sind, anzufertigen ist. Dies betrifft die Bedienung technischer Anlagen, Maschinen und von Werkzeugen, ebenso wie die Handhabung von Produkten, die als Gefahrstoffe klassifiziert sind. Die Betriebsanweisung fasst neben den möglichen Gefahren für Mensch und Umwelt entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zusammen und beschreibt auch das Verhalten bei Unfällen und Störungen. Jeder Mitarbeiter ist vor Aufnahme seiner Tätigkeit anhand der Betriebsanweisung zu unterrichten. Darüber ist per Unterschrift Nachweis zu erbringen. Darüber hinaus hat jeder Betrieb, in dem Gefahrstoffe Verwendung finden, ein entsprechendes Stoffverzeichnis zu erstellen.

Geregelt ist dies gemäß Gefahrstoffverordnung §6, Absatz 12, Satz 1, wonach das Verzeichnis folgende Anhaben zu enthalten hat:

  1. Bezeichnung des Gefahrstoffs
  2. Einstufung des Gefahrstoffs oder Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften
  3. Angaben zu den im Betrieb verwendeten Mengenbereichen
  4. Bezeichnung der Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte dem Gefahrstoff ausgesetzt sein können

Gefährdungen richtig einschätzen

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehört auch die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen. Dabei sind als Basis für die Anordnung von entsprechenden Schutzmaßnahmen alle Gefährdungen, denen die Beschäftigten bei ihren Tätigkeiten ausgesetzt sind, zu ermitteln und zu bewerten. Es besteht eine Nachweis- und Dokumentationspflicht. Die Berufsgenossenschaften bieten dazu umfassendes Hilfsmaterial. Die BG BAU empfiehlt deswegen, diese auch zur Kontrolle der Arbeitsschutzmaßnahmen und als Hilfestellung bei der organisatorischen Umsetzung zu nutzen. Eine Gefährdungsbeurteilung ist bei der Einrichtung eines Betriebes und vor Aufnahme aller Tätigkeiten sowie der erstmaligen Verwendung neuer Arbeitsmittel zu erstellen. Außerdem ist sie fortzuschreiben, wenn es Veränderungen im Betrieb gibt oder sich ein Unfall ereignet hat, bei dem sich die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen unter Umständen als nicht wirksam erwiesen haben. Sollte der Arbeitgeber nicht über ausreichend geschultes Personal zur Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung verfügen, kann er auf externe Dienstleister zurückgreifen.

Wichtig: Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung kann eine arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich werden. Dass diese stattfindet, hat der Arbeitgeber sicherzustellen. Die BG BAU bietet einen regionalen Arbeitsmedizinischen Dienst (ASD), der Auskunft zur Notwendigkeit gibt und die Untersuchungen übernimmt.

Richtig ausgerüstet und gekleidet für den persönlichen Schutz

Jeder Arbeitgeber ist verantwortlich dafür Sorge zu tragen, dass seine Beschäftigten durch die beauftragten Tätigkeiten keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleiden. Für alle Tätigkeiten, von denen eine potenzielle Beeinträchtigung des körperlichen Wohlergehens des Ausführenden ausgeht, muss der Arbeitgeber entsprechende Abhilfemaßnahmen treffen. Dabei stehen technische Maßnahmen an erster Stelle. Sind technische Maßnahmen nicht umsetzbar, so hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob die potenziellen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch organisatorische Maßnahmen verhindert werden können. Sind weder technische noch organisatorische Maßnahmen möglich, so ist eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen. Welche Bestandteile diese umfasst, hängt von der Art der Gefährdung ab, sei sie beispielsweise mechanischer Natur, wie beim Bedienen einer Bohrmaschine, oder chemischer Natur, wie bei der Verarbeitung von Gefahrstoffen. Welche PSA zu tragen und welches Material für das jeweilige Einsatzgebiet am besten geeignet ist, darüber geben die jeweiligen Sicherheitsdatenblätter der Hersteller Empfehlungen.


Ausrüstung
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge legt die Persönliche Schutzausrüstung fest. Für die Verarbeitung von PMMA-Produkten empfohlen werden Körper- und Handschutz ebenso wie ein Augen- und Atemschutz. Foto: Triflex


Effiziente Maßnahmen für die Handhabung von Flüssigkunststoff sind eine lange Arm- und Beinbekleidung sowie Armstulpen für die Sommermonate, Handschuhe sowie eine dichtschließende Schutzbrille oder ein Gesichtsschutz. Zusätzlich sollte eine Augenspülflasche für den Notfall bereitstehen. Hersteller wie Triflex bieten diese persönliche Schutzausrüstung in Ihrem Produktprogramm an. Sollten trotz Be- und Entlüftungsmaßnahmen die Arbeitsplatzgrenzwerte in der Atemluft überschritten werden, ist das Tragen einer Atemschutzmaske mit Filter notwendig. Zum Beispiel ist für die Verarbeitung von PMMA-Produkten ein Filtertyp A1 oder A2 – bei höherer Konzentration – zu empfehlen. Dies ist auch dem Abschnitt 8 der Sicherheitsdatenblätter zu entnehmen.

Jan Wittemöller

Den ausführlichen Artikel mit weiteren Hinweisen finden Sie in der Ausgabe 23.19


Letzte Aktualisierung: 06.12.2019