Landesverbandstag Berlin

Allen bisherigen Bemühungen zum Trotz – die Zahl verunfallter Dachdecker bleibt hoch und die relative Schwere nimmt zu. Drohnen und VR-Brillen können helfen, Abstürze zu vermeiden. Entscheidend ist aber eine andere Stellschraube.

LVT Absolventen
Ab jetzt meisterhaft: Die stolzen Absolventen des Berliner Dachdeckermeisterkurses erhielten im Rahmen des Landesverbandstags ihre Meisterbriefe. Fotos: DDH

Mietdeckel nicht zu rechtfertigen

Mieten, so Mann in seiner Begrüßung der Teilnehmer im Berliner City Cube, müssten bezahlbar sein, die Berliner Dachdecker würden eine „vernünftige Wohnungspolitik“ unterstützen. Das geplante Gesetz helfe jedoch dem kleinen Mieter nicht, schade den Genossenschaften und verhindere Investitionen im Neubau.
Rund um die Berliner Dachdecker konnten Thaler und Mann in ihren Berichten jedoch viel Positives berichten: Die Berliner Dachdecker blicken auf ein Jahr mit guter Auslastung zurück, konnten als Verband ihren sehr hohen Organisationsgrad von 75% halten und vermelden mit 275 Auszubildenden einen Höchstwert seit Erfassung der Zahlen 2003.
Ihre Ausbildung erfolgreich beendet hatten die Absolventen des Meisterkurses, die als Höhepunkt der Veranstaltung ihre Meisterbriefe überreicht bekamen. Geehrt wurden zudem Thomas Kleinegees, Geschäftsführer von Sita Bauelemente, für die Unterstützung des Bildungszentrums sowie DDM Bernd Rudolph, der nach 16 Jahren sein Amt als stellvertretender Bezirksmeister in Reinickendorf in jüngere Hände gelegt hatte.

Junge Asbest-Geschädigte

Zum Arbeitssicherheit konnten die Veranstalter mit BG BAU Geschäftsführer Klaus-Richard Bergmann einen Hochkaräter gewinnen. Der BG-Chef zeigte sich als Mann der Praxis, der das Thema mit Herzblut vortrug und nicht mit deutlichen Aussagen sparte. Die Tatsache, so Bergmann einleitend, dass unter den Top Ten der beliebtesten Ausbildungsberufe kein Bauberuf auftauche, habe auch mit Sicherheit am Arbeitsplatz zu tun: „Der Bau gilt als gefährlich.“ Neben Abstürzen tragen dazu auch Berufskrankheiten bei, als Hauptauslöser: Asbest, Staub und Lösemittel. Die zehn jüngsten Asbest-Erkrankten wurden in den Jahren 1979-1984 geboren. Bergmann: „Sie sind alle erst ins Berufsleben gekommen, als Asbest bereits lange verboten war. Das bedeutet: Wir haben ein Problem im Bestand und zwar für die nächsten dreißig Jahre.“

Verhalten ändern, Hightech nutzen

Als Hauptursache für Abstürze machte Bergmann nicht fehlende technische Lösungen aus, es sei vielmehr die gewohnheitsmäßige Missachtung der grundlegenden Sicherheitsregeln. Auch der Blick auf die Zahlen erregte Besorgnis. Rund 10.000 Arbeitsunfälle bei Dacharbeiten mit Ausfall bis zu einer Woche verzeichnet die Statistik, davon verliefen 1.200 schwer mit mehr als 100 Tagen Arbeitsunfähigkeit, Reha und Lohnfortzahlung.
Die Folgen, so Bergmann, seien nicht nur jede Mege Leid, massive Störungen im Betriebsablauf und extreme Kosten: „Diese Zahlen werden im Dachdeckerhandwerk nicht besser und die relative Schwere nimmt zu.“ Wie aber bringt man Professionalisierung in die Köpfe der Mitarbeiter? Bergmanns Ansatz: Eine Mischung aus betrieblicher Kultur („Jeder darf Stop sagen auf der Baustelle. Jeder.“) und guter Ausrüstung wie PSAgA Höhensicherungsgeräten, Plattformleitern mit Stufen sowie Helmen mit Kinnriemen und Nackenschutz. Ein Teil dieser Produktentwicklung gehe auf die Initiative der BG Bau zurück, schilderte Bergmann, der damit auch den Wandel der Organisation zum echten Partner des Handwerks verdeutlichen wollte. Abschließend stellte Bergmann technische und digitale Hilfsmittel vor, die auf verschiedenen Ebenen helfen können: Der bezuschusste Drohnenführerschein ist dabei ebenso im Gespräch wie die Gefährdungsbeurteilung mit mobilen Endgeräten oder die Simulation von Gefahrensituationen mit VR-Brillen.

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Entsorgung von asbesthaltigen Werkstoffen

Berend Wilkens, Geschäftsführer der Sonderabfallgesellschaft Berlin Brandenburg, referierte über die Entsorgungssituation von HBCD-haltigen Dämmstoffen sowie asbesthaltiger Teerpappe. Zwar habe sich der zwischenzeitlich extreme Entsorgungsstau gelöst, berichtete Wilkens. Die Preise der überwiegend privatwirtschaftlichaufgestellten Müllverbrennungsanlagen sei jedoch weiterhin sehr hoch. Das Problem asbesthaltiger Teerpappe bezieht sich auf Dachaufbauten vor dem Jahr 1993. Wilkens zeigte in seinem Vortrag die verschiedenen Entsorgungswege für Teerpappen und Bitumenbahnen auf.



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Wie wird was verarbeitet, welche Anforderungen müssen erfüllt sein? Anstatt dicke Ordner zu wälzen zeigt Michael, wie die Suche im Regelwerk Digital funktioniert.
Thema: Mechanische Befestigung von Bitumenbahnen.

Allianz für barrierefreie Praxislösungen

Drei Themenbereiche aus der Weiterentwicklung der Fachtechnik hatte Christian Anders vom ZVDH im Gepäck: Beim neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) konnte Anders „Entwarnung“ geben – außer Bezeichnungen ändert sich für den Dachdecker-Unternehmer nichts. Beim zweiten Thema – Barrierefreie Übergänge – berichtete Anders von einer „breiten Allianz“ beteiligter Fachverbände, die daran arbeiten, aus der Sonderkonstruktion perspektivisch ein Regeldetail zu entwickeln. Im ersten Schritt, schilderte Anders, werde es darum gehen, zunächst positive Beispiele vor allem mit Flüssigkunststoff. zusammenzustellen. Ziel sei ein Verbändemerkblatt, das schließlich Teil der Flachdachrichtlinie werden soll. Ein großer Vorteil der engen Kommunikation der Verbände besteht in der Möglichkeit, die Anforderungen weiterer Beteiligter Gewerke besser zu verstehen.
Idealerweise fließen diese Erkenntnisse in die Produktentwicklungen zum Beispiel der Fensterhersteller ein. Als Drittes gab Anders einen Überblick auf den Arbeitsstand in der Arbeit der Fachtechniker des ZVDH, dazu gehört das Produktdatenblatt Dachziegel ebenso wie das Produktdatenblatt Unterdeckbahnen, die kommende Fachregel Metallarbeiten und das Vorhaben, die Unterschiede zur DIN 18531 weiter abzubauen.

Malte von Lüttichau

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Letzte Aktualisierung: 20.11.2019

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