Landesverbandstag Dachdecker Nordrhein 2019: Handwerker in die Politik

"Handwerker engagiert euch in der Politik“ - das forderte Professor Hennecke in seinem Vortrag beim 15. gemeinsamen Landesverbandstag der Dachdecker und Zimmerer. Warum die Zukunft der Arbeit in der Vergangenheit liegt, verdeutlichte Dr. Leon Windscheid.

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„Vor allem im Osten ist es der Politik nicht gelungen, Vertrauen herzustellen“, sagte Professor Hennecke mit Blick auf die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. Fotos: DDH

Zum bereits 15. gemeinsamen Landesverbandstag der Dachdecker und Zimmerer begrüßten Raban Meurer, Vorsitzender des Dachdecker Verbands Nordrhein und Johannes Schmitz, Vorsitzender des Zimmerer- und Holzbau Verbands Nordrhein die rund 150 Gäste im Wellings Parkhotel, Kamp-Lintfort.

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„Kalkulation im Delta zwischen Konjunktur und Kundenwunsch“ war das Thema von Dipl.-Ökonom Felix Fink, Bereichsleiter Wirtschaft und Unternehmensführung ZVDH.

Einen kurzen Überblick über die Themen Öffentlichkeitsarbeit und Arbeitsschutz gab ZVDH Vizepräsident André Büschkes in seinem Grußwort. „Ein Zuwachs von 11,4 Prozent mehr Azubis ist ein erstes positives Zeichen in Sachen Nachwuchsgewinnung“, sagte Büschkes, der zudem auf die Aktivitäten des ZVDH auf der kommenden DACH+HOLZ International hinwies. Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland, fasste die Aktivitäten des Holzbauverbandes zusammen.

„Als es bei uns um das Problem HBCD ging, sind wir in positiven Sinne vom Netzwerk Handwerk NRW überrascht worden“, sagte Geschäftsführer Thomas G. Schmitz in seiner Anmoderation zum Vortrag „Wie kann und muss das Handwerk seine Interessen gegenüber der Politik vertreten?“ von Professor Dr. Hans Jörg Hennecke, Hauptgeschäftsführer Handwerk, NRW. „Vor allem im Osten ist es der Politik nicht gelungen, Vertrauen herzustellen“, betonte Professor Hennecke mit Blick auf die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. „Interessant ist, dass wir versuchen, Menschen zu entlasten aber gleichzeitig dabei Werte verloren gehen. Und gerade das Handwerk füllt hierbei eine Lücke, steht für Werte und Tradition“, so Hennecke.

Engagement und Verständnis

„Die Politik muss Regeln vorgeben und sie sollten und können als Problemlöser auftreten, zum Beispiel bei den Themen Energie, Mobilität und Solar - also Angebote machen, statt oft nur auf Protest und Forderungen zu setzen. Gerade beim Thema Bürokratieabbau brauchen wir präzise Vorschläge statt Allgemeinplätze“. „Auch Sie können als Handwerker Flagge zeigen und sich engagieren, sonst haben wir oft nur Lehrer und Verwaltungsbeamte, die ihre Interessen in der Region vertreten“, appellierte Professor Hennecke.  

Zimmerer erwirtschaften mehr als Dachdecker

„Kalkulation im Delta zwischen Konjunktur und Kundenwunsch“ war das Thema von Dipl.-Ökonom Felix Fink, Bereichsleiter Wirtschaft und Unternehmensführung ZVDH. Der „Hüter der Zahlen“ verdeutlichte anschaulich eine Menge Zahlen und zeigte, wo am Bau Potenzial und wo Stagnation ist .

Nach der Pause wurde es anspruchsvoll technisch. Zimmermeister und Sachverständiger Kai Köhler erläuterte humorvoll die Knackpunkte einer Steildach-Sanierung, ausgeführt als Sonderkonstruktion, inklusive Berechnungsbeispiel. Aktuelles zu den Themen KUG, Überschüsse der Sozialkassen und Harmonisierung Regelwerke präsentierte ZVDH Präsident Dirk Bollwerk. „Angaben zu Regeldachneigungen von Herstellern sind mit Vorsicht zu genießen. Diese müssen alle konform der Fachregeln kommuniziert werden“, sagte Bollwerk.

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Unterhielt die Dachdecker bestens und brachte sie zum Nachdenken: Dr. Leon Windscheid.

Zurück ins Hirn – warum die Zukunft der Arbeit in der Vergangenheit liegen soll, erklärte amüsant Dr. Leon Windscheid. Nach einigen Selbsttests staunten die Dachdecker, warum wir alle in immer gleichen Kategorien denken. „Wir wollen mit künstlicher Intelligenz mithalten. Dabei gehen die Werte wie Teilen und Achtsamkeit verloren. Es gibt alte Tugenden, die wir wieder ausgraben müssen und davon hat das Handwerk eine Menge“, betonte der Psychologe unter großem Beifall.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 19.2019.

Letzte Aktualisierung: 09.09.2019