Leib und Seele für Dachdecker

Gerade im Handwerk sind Unternehmer von der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter abhängig. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Chefs die Gesundheit ihres Teams positiv beeinflussen – oft sogar steuerlich absetzbar.

Wasser Apfel Hantel Fitness
Essen, Trinken, Sport: Unternehmer können die Gesundheit ihrer Mitarbeiter mit zahlreichen Maßnahmen fördern. Teuer muss das nicht sein. Foto: Clipdealer.de

Ganz klar: Inhaber von Unternehmen können ihren Mitarbeitern keine gesunde Lebensweise vorschreiben. Als Chef kann man jedoch nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, es bieten sich auch einige Möglichkeiten, sein Team mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zu unterstützen. Das signalisiert Wertschätzung und ist häufig sogar steuerlich absetzbar. Das tägliche Fitnessprogramm kann schon am Morgen mit einem gesunden, ausgewogenen Frühstück beginnen. Als Alternative zur hektischen Nahrungsaufnahme im Stehen oder im Pritschenwagen sprechen Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ob man nicht einmal in der Woche morgens etwas früher kommen will, um zusammen in Ruhe zu frühstücken. Wenn Sie wollen, können Sie das Frühstück spendieren (steuerlich absetzbar). Wichtig ist aber, dass man sich genügend Zeit hierfür nimmt. Eine halbe bis Dreiviertelstunde sollte es schon sein. Und während des gemeinsamen Frühstücks sollte nicht über die Arbeit diskutiert werden.

Im Betrieb „blaumachen“?
Natürlich reagieren Sie nicht begeistert, wenn Ihre Mitarbeiter blaumachen. Doch die Farbe Blau sollte als Farbe der Entspannung in Ihrem Geschäft eine besondere Rolle spielen. Sie hat nachweislich eine beruhigende Wirkung auf Sie und Ihre Mitarbeiter. Darum können Sie beispielsweise im Aufenthaltsraum für Ihre Mitarbeiter eine „blaue Insel“ gestalten. Sie werden sehr schnell feststellen, dass sich dies insgesamt positiv auf Ihr Betriebsklima auswirkt.
Tipp: Wenn Sie über einen ausreichend großen Aufenthaltsraum verfügen, sollte die blaue Insel auch gleichzeitig als „Ruhebereich“ gestaltet werden, wo auf Radio oder andere akustische Quellen verzichtet wird (siehe auch Absatz „Lassen Sie sich nicht überreizen“).

Der gesunde Snack
Jeden überfällt im Laufe des Tages einmal der Appetit, den wir fälschlicherweise als „Hun­gergefühl“ bezeichnen. Dann greift man schnell zum Stück Schokolade oder einer anderen Süßigkeit. Das ist kontrapro­duktiv. Greifen Sie und Ihre Mitarbeiter lie­ber zu einem Apfel oder anderem Obst. Das vertreibt nicht nur das Hungergefühl, sondern liefert auch einen weiteren Energieschub.
Tipp: Gerade auf dem Bau wird häufig zwischendurch zu schwer gegessen. Stellen Sie deshalb auf der Baustelle einen Korb mit Obst für Ihre Mitarbeiter bereit, an dem sich jeder bedienen kann. Die Kosten hierfür sind gering. Auch manch Skeptiker unter Ihren Mitarbeitern wird für eine „Vitaminspritze“ dankbar sein.

Das Richtige trinken
Gerade Menschen, die körperlich hart arbeiten, müssen dem Körper genügend Flüssigkeit zuführen. Allerdings wird meist das Falsche getrunken. Dass Alkohol am Arbeitsplatz tabu ist, dürfte selbstverständlich sein. Doch auch die beliebte „Limo“ oder „Cola“ sind aufgrund des hohen Zuckeranteils alles andere, als empfehlenswert. Sorgen Sie deshalb dafür, dass auch auf der Baustelle Wasser (möglichst ohne Kohlensäure oder „medium“) zur Verfügung steht. Im Sommer ist auch kalter Tee ein gesunder Durstlöscher.

An sich selbst denken
Ein Team ist eine Einheit – und Sie sind der Kopf dieser Einheit. Darum sollten Sie nicht nur an die anderen sondern auch an die eigene Fitness denken. So können Sie auf Dauer kein guter Chef sein, wenn Sie von einem Termin zum anderen hetzen. Denken Sie deshalb bei Ihrer Planung auch an Ruhezonen im Terminkalender. Mindestens einmal am Tag sollten Sie sich 30 bis 45 Minuten Ruhe verschaffen, in der Sie entspannen und Ihren Körper und Ihren Geist regenerieren.
Tipp: Wenn es gar nicht anders geht, nutzen Sie die Mittagspause für diese Entspannungsphase. Aber entspannen Sie dann auch wirklich: Denken Sie nicht an das Geschäft, essen Sie in Ruhe und gönnen Sie sich nach dem Essen auch noch Zeit für sich. Blättern Sie in einer Zeitung, lesen Sie ein wenig in einem Buch oder schauen Sie einfach den Menschen zu, die vielleicht gerade vor ihrem Haus oder vor dem Restaurant vorbeigehen.

Gegen die Reizüberflutung
Ein großes Problem für den heutigen Menschen ist die Überflutung mit Reizen. Überall nehmen Sie Töne wahr und sehen Sie Bilder. Auch wenn dies in den meisten Fällen nicht bewusst geschieht, aber alle diese optischen und akustischen Reize müssen verarbeitet werden. Das kann dazu führen, dass Sie sich selbst nicht mehr erklären können, warum Sie nervös werden. Darum sollten Sie immer wieder versuchen, „Reize abzuschalten“. Das ist einfacher, als man glaubt. Wenn Sie Ihre Büroarbeit erledigen, sollten Sie beispielsweise keine Musik laufen lassen, die im Hintergrund spielt und sie ablenkt. In stillen Räumen arbeiten Sie schneller und konzentrierter, auch wenn das zu Beginn erst einmal ungewohnt ist.
Tipp: Wenn Sie durch die Arbeit in der Stille Zeit gewonnen haben, belohnen Sie sich, indem Sie sich jetzt entspannt hinsetzen und die Musik hören, die Sie besonders mögen. Schon wenige Minuten einer solchen Hörphase geben Ihnen viel neue Kraft und neue Energie.

Aktiv abschalten
Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal so richtig abgeschaltet? Können Sie sich daran überhaupt noch erinnern? Dann wird es höchste Zeit, einen Wochentag für die eigene Seele einzurichten. An diesem Wochentag geht es dann abends ins Theater, ins Kino oder in ein schönes Restaurant. Alles ist erlaubt, außer sich Gedanken über den Betrieb zu machen. Seien Sie sich bewusst, dass dies keine vertane Zeit ist. Sie tanken hier Ihre Batterien auf und können in den kommenden Tagen umso mehr leisten.

Ausgleichssport fördern
Ihre Mitarbeiter auf dem Bau dürften körperlich in einer guten Verfassung sein. Die harte Arbeit stählt die Muskeln und der Einsatz bei Wind und Wetter härtet gegen viele Krankheiten ab. Dennoch sind Ihre Mitarbeiter häufig krank. Woran liegt das? Auf der einen Seite liegt dies an der einseitigen körperlichen Belastung. Darum sollten Sie Ihre Mitarbeiter ermuntern, neben der Arbeit Ausgleichssport zu betreiben. Sie können zum Beispiel den Besuch eines Fitnessstudios unterstützen. Allerdings müssen Sie den Vertrag mit dem Studio für Ihre Mitarbeiter abschließen. Hierfür kann dann der Freibetrag von bis zu 44,00 Euro eingesetzt werden. Schließt der Mitarbeiter den Vertrag ab und Sie unterstützen ihn finanziell, ist dies ein geldwerter Vorteil, der versteuert werden muss.

Neben der körperlichen Fitness spielt aber auch das psychische Element eine wichtige Rolle. Ist das Gleichgewicht zwischen physischer und psychischer Gesundheit aus den Fugen geraten, kann sich dies auch körperlich negativ auswirken. Aber gerade Menschen, die körperlich hart arbeiten, vernachlässigen oft ihre Seele. Sie können natürlich nicht alles auffangen. Aber denken Sie an dieses Gleichgewicht, wenn ein Mitarbeiter mit Ihnen über private Sorgen und Probleme reden möchte. Schon indem Sie zuhören, helfen Sie, sein psychisches Gerüst zumindest ein wenig besser zu gestalten. Und ein in sich ausgeglichener Mitarbeiter ist ein besserer Mitarbeiter.

Hartmut Fischer

Letzte Aktualisierung: 19.09.2017