Lernen, um zu bleiben

Für Ibrahim Hassani steht fest: „Ich will viel lernen, um hier zu bleiben und eine gute Zukunft zu haben.“ Der 20-Jährige ist aus Afghanistan geflohen und lernt seit August im Weseler Dachdeckerbetrieb von Dirk Jarchau.

Dirk Jarchau Ibrahim Hassani
Dirk Jarchau (links) zeigt Ibrahim Hassani Details zu Abbrucharbeiten am Flachdach. Foto: Siebert

Er sei glücklich, eine Arbeit gefunden zu haben, die ihm Spaß macht und seiner Neigung, praktisch tätig zu sein, entspricht, freut sich Hassani in erstaunlich gutem Deutsch. Auch sein Chef ist zuversichtlich, mit der Einstellung des jungen Mannes eine gute Wahl getroffen zu haben. Dessen Bewerbung war ihm positiv aufgefallen. Auch das zweiwöchige Praktikum, das Hassani in dem 16-Mann-Betrieb absolviert hat, half dabei. Mit dem neuen Azubi schließt sich Jarchau den vielen Handwerkskollegen an, die – ungeachtet der häufig damit verbundenen Schwierigkeiten – Geflüchtete einstellen und ausbilden. Nicht zuletzt versuchen diese Betriebe, mit diesen Mitarbeitern die Personalengpässe und den Nachwuchsmangel zu mildern.

Dachdecker Winns gute Erfahrungen mit einem Flüchlting .

In seiner Heimat Afghanistan sei es ihm und seiner Familie zunächst gut gegangen, blickt Hassani zurück. Die politischen Wirren und der Krieg hätten dies aber zunichtegemacht, weil die Familie der Minderheit der Hazara angehört. Sein Vater sei getötet worden, sein Bruder habe bei der Explosion einer Mine ein Bein verloren. Die Familie entschloss sich zur Flucht. In überfüllten Autos, zu Fuß und per Bus gelangte Ibrahim schließlich 2015 nach Deutschland, während der Rest der Familie in den Iran ging, wo sie aber auch nicht sicher seien.

Der Jugendliche gelangte über mehrere Stationen in die Weiterbildungseinrichtung Akademie Klausenhof in Hamminkeln. Dort besuchte er zunächst einen Deutschkursus. Anschließend absolvierte er die neunte und zehnte Klasse der Hauptschule sowie eine Berufsvorbereitung im Berufskolleg. Schon dabei habe er in den praktischen Fächern gute Noten gehabt, strahlt Hassani. Im Internet informierte er sich über Bau- und Ausbauberufe und schrieb Bewerbungen. Auf viele habe er gar keine Antwort bekommen. Bei Dirk Jarchau war dies jedoch anders. Der Dachdecker- und Klempnermeister bildet regelmäßig junge Leute aus und gab deshalb dem Afghanen mit dem Praktikum eine Chance. Der nutzte sie und war so froh darüber, dass er am letzten Tag das Jarchau-Team mit einem Blech selbstgebackenem Kuchen überraschte.

Er wolle „es schaffen im Leben“, lässt der junge Mann an seiner Zielstrebigkeit keinen Zweifel aufkommen. Dazu gehöre, dass er Nachhilfe in Anspruch nimmt, um die Anforderungen der Berufsschule zu schaffen, und dass er auch an den Samstagen und Sonntagen lerne. Als besonders ärgerlich schildert er, dass er wegen seines noch nicht geklärten Aufenthaltsstatus nicht nach Wesel umziehen dürfe und deswegen auf dem Weg zur Arbeit und in den Klausenhof zurück viel Zeit verliere, die er nicht für sich und sein Weiterkommen nutzen könne. In Afghanistan habe er lediglich für drei Jahre eine Koranschule besuchen können. „Lesen, schreiben und alles andere habe ich erst in Deutschland gelernt. Sogar Persisch kann ich jetzt schreiben, weil ich es mir hier beigebracht habe.“

Für Dirk Jarchau sind die ersten Monate mit seinem neuen Mitarbeiter positiv verlaufen. „Wir haben ein gutes Team. Daher wird Ibrahim sich dort integrieren können. Wenn das klappt und er sich weiter so anstrengt, ist seine Zukunft bei uns gesichert.“    

Letzte Aktualisierung: 14.12.2018

NEU: Ratgeber Schäden digital


Schäden und ihre Lösungen beschreiben Sachverständige, Dachdeckermeister und Industrievertreter in diesem Ratgeber.