Marktspiegel Dach 2019: Das Jahr der vollen Auftragsbücher

2019 war ein erfolgreiches Jahr für das Dachdeckerhandwerk – was gerade in der derzeitigen Anspannung durch das Corona-Virus nicht vergessen werden sollte. Der Umsatz, die Erlöse und die Beschäftigtenzahlen sind jeweils moderat gewachsen. Vor allem aber entstand in vielen Betrieben ein solides Auftragspolster, das den zu erwartenden Rückgang im Baugeschäft zumindest dämpfen kann.

DDM Klimek Sanierung Herdecke Schiefer (2)
Mit Herzblut bei der Sache: DDM Waldemar Klimek Foto: DDH

Der Marktbericht zur Situation im Dachdeckerhandwerk im DDH who is who beschäftigt sich üblicherweise mit den Vorjahresergebnissen und -ereignissen. Davon soll auch in diesem Jahr nicht abgewichen werden, zumal das Jahr 2019 für die gesamte Branche der Dachdecker zufriedenstellend bis gut verlief. Es gibt also durchaus Positives aus den Vor-Corona-Zeiten zu berichten. Aber durch die Entwicklungen seit März 2020 fühlen sich diese noch nicht einmal ein Jahr alten Informationen ein wenig so an, als wären sie Botschaften aus einer längst vergangenen Zeit. Vereinzelt sprechen Akteure – etwa in der Tourismus- oder konsumorientierten Industrie – sogar schon von einer untergegangenen und nicht mehr wiederkehrenden Zeit.

So dramatisch muss es in der Bauwirtschaft und auch im Dachdeckerhandwerk nicht kommen. Was unter anderem daran liegt, dass das Virus aufgetreten ist. Der jetzt zu verzeichnende Rückgang beendet dadurch für viele Betriebe eine Periode sehr voller Auftragsbücher und hoher Kapazitätsauslastung. Durch die vielerorts gute Lage konnten im günstigsten Fall Auftragspolster und Rücklagen gebildet werden.

Das mag ein schwacher Trost sein, wenn man das durch die Pandemie verursachte Leid betrachtet oder auch im eigenen Betrieb die wirtschaftlichen Konsequenzen der zurückgehenden Aufträge tragen muss. Aber der Blick auf 2019 zeigt eben, dass das Virus uns auch zu einem deutlich schlechteren Zeitpunkt hätte erwischen können. Die Branche ist im Prinzip gesund und leistungsfähig, was hoffen lässt, dass eine Vielzahl der Betriebe die Durststrecke überstehen und an der späteren Normalisierung wieder teilnehmen werden.

Gesamtwirtschaft und Bau

Die Zusammenschau der gesamtwirtschaftlichen und bauwirtschaftlichen Daten für 2019 ergibt ein differenziertes Bild. So wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nach Angaben des Statistischen Bundesamts in diesem Jahr um lediglich 0,6 %. Das ist eine deutliche Abschwächung gegenüber den beiden Vorjahren (2017 + 2,5 %, 2018 + 1,5 %) und liegt auch unter dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre (+ 1,3 %). Das gesamtwirtschaftliche Wachstum hatte also schon vor Corona an Schwung verloren.

Hauptverantwortlich hierfür war das produzierende Gewerbe (ohne Bau), das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht und sogar einen Rückgang von 3,6 % verzeichnen musste. Nach Darstellung des Statistischen Bundesamts trug insbesondere die schwache Produktion in der Automobilindustrie zu diesem negativen Wachstum bei. Positive Ausreißer waren hingegen die Dienstleistungsbereiche Information und Kommunikation sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleister mit jeweils 2,9 % Wachstum und noch deutlicher das Baugewerbe, das mit einem Plus von 4,0 % in diesem Jahr den stärksten Zuwachs verzeichnen konnte. Für die Bauwirtschaft war dies das neunte positive Jahr in Folge. Der Umsatz in allen Betrieben des Bauhauptgewerbes stieg auf 135 Milliarden Euro, fast 8,5 Milliarden Euro oder 6,7 % mehr als 2018.

Umsatz und Preise im Dachhandwerk

Das Dachdeckerhandwerk erwirtschaftete 2019 nach den derzeit vorliegenden Zahlen einen Gesamtumsatz von 10,5 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 2,3 % bedeutet. Bei diesem Zuwachs ist das hohe Ausgangsniveau zu beachten,  das durch den außerordentlich starken Umsatzsprung von 8,2 % im Jahr 2018 entstanden war. Trotzdem sind die Zahlen niedriger als erhofft und erwartet, speziell wenn man die Jahresteuerungsrate von + 1,4 % und die insgesamt starke Baukonjunktur berücksichtigt. Das Umsatzplus der Dachdecker liegt somit unter den Werten sowohl des Bauhauptgewerbes insgesamt als auch des Ausbaugewerbes.

Markant ist die zeitliche Verteilung der Umsatzentwicklung in den einzelnen Quartalen, die der ZVDH in seinem Geschäftsbericht 2019 genauer darstellt: „Nach den ersten drei Quartalen 2019 stimmte die Rechnung noch: Das Statistische Bundesamt hatte vorläufige Zuwachsraten von 5,6 %, 2,8 % und 4,1 % jeweils gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet. Das 4. Quartal verhagelte mit -1,5 % dann aber das Gesamtergebnis bei den Umsatzerlösen, auch weil das letzte Jahresquartal im Dachdeckerhandwerk immer das stärkste Gewicht hat: Im langfristigen Durchschnitt beträgt der Anteil des 4. Quartals 30,8 % des Jahresumsatzes.“

Als erfreulich kann die im dritten Jahr in Folge anhaltene Entspannung an der Preisfront bewertet werden. Zwar wuchsen die Preise für Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten etwas weniger als im Vorjahr, haben aber trotzdem speziell im Neubaugeschäft deutlich angezogen. Ihre Steigerungsrate lag – anders als noch 2018 – über dem Durchschnitt aller Bauleistungen am Bauwerk. Auch bei der Instandhaltung von Wohngebäuden konnten die Dachdeckerbetriebe ihre Preise um 3,4 % anheben, erreichten aber hier nicht die Steigerungsrate aller Bauinstandhaltungsleistungen, die 2019 rund 4,1 % betrug.

Der ZVDH geht für die Gesamtbranche von einer zufriedenstellenden Ertragslage aus, die die finanzielle Stabilität der Betriebe im Vergleich zu den Vorjahren verbessert haben dürfte. Dies ist aber ausdrücklich eine Gesamteinschätzung, die nicht zwingend für jede Region und jeden einzelnen Betrieb zutrifft.

Gebäudefertigstellungen nach Auftraggebern und Gebäudearten

Ein wichtiger Grund für die gute bauwirtschaftliche Situation war auch 2019 wieder der Wohnungsbau. 293.000 Wohnungen wurden fertiggestellt, was einen Anstieg um 2,0 % gegenüber dem Vorjahr darstellt. Eine höhere Anzahl fertiggestellter Wohnung hatte es zuletzt 2001 gegeben. Trotzdem liegen die aktuellen Wohnungsbauzahlen immer noch deutlich unter dem Bedarf, der in den verschiedenen Analysen meist in Regionen um 350.000 Wohnungen pro Jahr beziffert wird.

Noch beeindruckender als die Zahl der fertiggestellten Wohnungen stiegen die Baugenehmigungen (+ 4,0 %), wodurch der Überhang der zwar genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 740.400 Wohnungen stieg, eine letztmals 1998 beobachtete Dimension. Sicher werden – gerade unter dem Eindruck der Coronakrise – nicht alle Baugenehmigungen zu praktischen Bauprojekten und damit Aufträgen. Aber der Überhang der Genehmigungen kann, in Kombination mit der weiter vorhandenen Differenz zwischen den benötigten und den gebauten Wohnungen, durchaus als ein Polster wirken, das bauwirtschaftliche Rückgänge infolge der Pandemie puffert.

Fortgesetzt hat sich 2019 der Trend, dass Neubau-Wohnungen vor allem in Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen errichtet werden, also in Mehrfamilienhäusern. Hier betrug das Plus im Vorjahr 6,0 %, während Wohnungen in Einfamilienhäusern mit 0,4 % deutlich schwächer wuchsen und im Segment der Zweifamilienhäuser sogar Rückgänge zu verzeichnen waren (- 2,8 %).

Die Fertigstellung von Nichtwohngebäuden bemisst das Statistische Bundesamt nicht nach Stückzahlen, sondern nach Kubikmetern umbautem Raum. Hier gab es einen leichten Rückgang von 0,1 % auf jetzt rund 187,8 Millionen m³. Spannender als die absolute Zahl sind aber eher die Anteile der Bauherrngruppen: Öffentliche Bauherren steigerten ihr Volumen im Nichtwohnungsbau um 18,4 %, während nichtöffentlichte Bauherren sogar einen Rückgang verzeichneten (- 1,8 %).

Auftraggeber und Dachdecker

Einschränkend muss allerdings gesagt werden, dass die skizzierten Entwicklungen der Baufertigstellungen im Vorjahr sich offenbar nicht unmittelbar auf das Dachdeckerhandwerk übertragen lassen. Denn nach Umfragen des ZVDH wuchsen hier die Umsatzanteile sowohl bei den öffentlichen als auch bei den gewerblichen Auftraggebern.

Dachdeckerhandwerk in Zahlen

Die tariflichen Sozialkassen des Dachdeckerhandwerks SOKA-DACH verzeichneten zum Jahresende 2019 insgesamt 14.652 Dachdeckerbetriebe und Dachdecker-betriebsabteilungen anderer Unternehmen in Deutschland.

Die Zahl der insgesamt im Wirtschaftszweig Dachdeckerei und Bauklempnerei tätigen Personen, also inklusive der kaufmännischen und technischen Angestellten, Inhaber sowie Auszubildenden, stieg zu Jahresmitte 2019 nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 100.815. Das ist ein Anstieg von 2,1 % gegenüber 30.6.2018 und setzt den seit etlichen Jahren zu beobachtenden und nur 2013/14 unterbrochenen Zuwachs fort (2009 = 86.676 tätige Personen).

Markus Hoeft

Den kompletten Marktbericht finden Sie in der digitalen Medienbibliothek unter DD/H Who is Who



Deutsches Dachdeckerhandwerk Regelwerk Ordner/DVD/Internet

Anforderungen, Vorschriften & Regeln: alles für die fachgerechte und sichere Ausführung von Dach-, Wand- und Abdichtungsarbeiten können Sie in der Regelwerk Kombination Ordner/DVD/Internet nachlesen. Immer aktuell dank Aktualisierungsservice!

Jetzt bestellen.


Letzte Aktualisierung: 06.08.2020

Ratgeber Schäden digital


Schäden und ihre Lösungen beschreiben Sachverständige, Dachdeckermeister und Industrievertreter in diesem Ratgeber.