"Bio, bunt und Verzällcher"

DDM Brigitte Latsch-Weber: "Meinen Messebesuch starte ich mit einem Rundgang und Zahlen: 576 Aussteller auf 70.000 m². Das ist die größte DACH+HOLZ, die es bis dato in Köln gegeben hat".

Dachdeckermeisterin Brigitte Latsch-Weber aus Herdorf schilderte uns Ihre Messe-Ein­drücke. Das Fazit: Keine überraschenden Innovationen, aber dennoch äußerst lohnenswert. Und der Austausch unter Kollegen kam auch nicht zu kurz.

Bio und bunt, das ist mein erster Eindruck. Gelbe Fensterbänke, grüne Dachentwässerung, rosa und goldene Ziegel. Rote UV- und witterungsbeständige Bahnen für die Fassade, welche an Tapeten erinnern. Sie werden aufgespannt und dienen als Hintergrund für Holz- und Glasfassaden. Nun, grau gibt es ja genug. Die Dämmstoffhersteller überbieten sich gegenseitig mit den Schlagworten biologisch, nachhaltig, gesund oder schadstofffrei. Kommt PU-Schaum tatsächlich mit weniger Chemie aus als Holzfaserdämmstoffe, wie es mir ein Hersteller darlegt? Da lohnt sich doch mal ein genauerer Blick hinter die Kulissen. Wenigstens der Hanf hat nur die Jute beigemischt, aus alten Kaffeesäcken recycelt. Und die Dämmpakete werden nach wie vor immer dicker. Zum Thema passend finde ich die Vorstellung des diffusionsoffenen, wasserdichten Unterdaches bei der Firma Dörken. Die Zulassung ist beantragt, aber in der Schweiz wird es schon verbaut. Kann nicht falsch sein, wenn´s die Schweizer machen. In Halle 7 finde ich das nachweisfreie Flachdach. Ich muss nur sieben Regeln beachten, dann klappt es. Nachbars Baum darf aber nicht mehr wachsen. Nur gut, wenn man einen Gutachter kennt, an dessen hochroten Kopf man die Warnung vor solchen Versprechen ablesen kann. Interessante Neuerungen bieten die großen Dachfenster-Hersteller. Roto zeigt das Fenster ohne Griff, komplett elektrisch, auch mit Smartphone von unterwegs zu steuern. Velux bietet die automatische Lüftung mit Wärmetauscher. Tolle Sache, aber leider noch nicht auf dem Markt. Neugierig geworden durch die Beilage im letzten DDH, steuere ich zu Protan, einem norwegischen Hersteller, dessen Dachbahn sich durch Vakuumtechnik auf dem Dach „festsaugt“. Verlegt werden darf diese Bahn nur von speziell geschulten Firmen – könnte auch eine Überlegung wert sein. Auf Fassadenbekleidung liegt das Messe-Hauptaugenmerk der Firma Rathscheck – symmetrische Bekleidung mit großen Rechteckformaten auf Holz- oder Aluminiumunterkonstruktionen. Funktioniert ohne Fugenhinterlegung, versichert man mir. Es sind doch immer wieder die kleinen Dinge im Leben, die Freude machen. So entdecke ich noch zwei Neuerungen, die geeignet sind das Dachdeckerleben zu erleichtern. Die Firma Flender hat mit „ConArc“ ein Befestigungssystem mit großem Verstellbereich entwickelt. Weniger Verbindungen und der Einsatz für große Dämmstoffdicken versprechen Zeitersparnis. So auch die integrierte Sturmklammer bei der Firma Nelskamp. Am Ziegel befestigt, muss man diese nur noch umklappen und einhaken. Auch hier ist die Zulassung beantragt. Schlussendlich lässt sich eines festhalten: es gibt vielleicht nicht die riesen Sensation in Sachen Innovation, aber etliche Dinge, die es kennenzulernen lohnt. Handwerker, Hersteller und Händler bescheinigen der Messe übereinstimmend, ein großer Erfolg zu sein. Es habe viel interessanten, intelligenten und intensiven Informationsaustausch in Köln gegeben. Und wenn man dann noch Kollegen über den Weg läuft, die man Jahre nicht gesehen hat, mit denen man bei Kaffee oder Kölsch ein paar Verzällcher halten kann, hat sich der Besuch doch allemal gelohnt.

Letzte Aktualisierung: 21.02.2014