Metallkorrosion an Fallrohren

Gerade das Handwerk lebt und funktioniert durch die Summe der Erfahrungen. Über seine Erfahrungen mit Lochfraß und Korrosion an metallischen Deckungen berichtet Dachdeckermeister und Sachverständiger Bernhard Walther – eine Exkursion.

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Kein seltener Anblick: Hier wurden die Fallrohre durch säurehaltiges Abwasser stark beschädigt. Die Fallrohre werden durch das ablaufende Regenwasser an der Unterseite der Fallrohrbögen am stärksten geschädigt. Auch wenn die Innenseite der Dachrinnen mit Schutzanstrich versehen ist, die Innenseite der Rohre Und Bögen können nicht gestrichen werden. Fotos: Walther

Ich erinnere mich genau, wie das kleine Stückchen Metall im Reagenzglas in Schaum versank und sich in mitten von Bläschen auflöste. Das dabei entstandene Gas Wasserstoff wurde aufgefangen und vor unseren Augen abgebrannt. Das war in einer der ersten Unterrichtsstunden Chemie in der Schule. Ich war gerade in die siebente Klasse gekommen und es war eins der wenigen Experimente, das ich mir bis heute gemerkt habe. Möglicherweise, weil es am Schluss eine kleine Verpuffung mit einer beachtlichen Flamme gab, vielleicht aber auch nur, weil die Häufigkeit von solchen spektakulären Versuchen mit zunehmender Schulzeit abnahm, eigentlich vollständig zum Erliegen kam. Als ich zum ersten Mal sah, wie ein Klempner vor dem Löten Zinkblech mit reiner Salzsäure einpinselte, fiel mir dieses Experiment wieder ein.

Kommentar Klempnerarbeiten zur VOB/C: ATV DIN 18339

Lötflussmittel mit Bedacht einsetzen

Heute besteht das Flussmittel nicht mehr ausschließlich aus konzentrierter Salzsäure, dennoch entwickelt sich ein wenig Schaum bei Anwendung des Flussmittels. Jeder, der Zinkblech lötet weiß sowohl um die Notwendigkeit der Verwendung von Flussmitteln als auch um die nötige Vorsicht beim Arbeiten damit. Nicht nur die eigene Haut muss vor der Einwirkung des aggressiven Flussmittels unbedingt geschützt werden, auch die am Blech verbleibenden Reste des Flussmittels müssen sorgfältig entfernt werden, wenn sie keinen Schaden anrichten sollen. Im abgebildeten Fall wurde die Dachrinne an einem Stoß mit einer Überdeckung der Rinnenden von ca. 7 cm verlegt. Der Rinnstoß wurde von innen und von außen verlötet, wobei Lötwasserreste zwischen den beiden zusammengefügten Rinn-Enden eingeschlossen wurden.

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Gesimsabdeckung aus Titanzinkblech, geschädigt durch das aus dem Loch der darüber liegenden Dachrinne tropfende saure Wasser.

Da das Lötwasser nicht durch Luftfeuchte verdünnt oder durch Regenwasser abgewaschen wurde, fraß es mit der Zeit ein kleines Loch in die Rinne. Kleine Ursache, dennoch ein Schaden, der durch eine aufwendige Reparatur behoben werden musste.

Ein Herankommen an die Dachrinne, war nur durch ein aufwendiges Gerüst möglich, das mehr als die Reparatur selbst kostete. Noch größer sind die Schäden, die durch Säure hervorgerufen werden, die aus den Materialien der Dacheindeckung in Verbindung mit Sauerstoff und Regenwasser entstehen kann. Es können Schäden von kleinen Löchern, bis zum Auflösen ganzer Rohre und Rinnen entstehen.

Schwefel greift Metalle an

In Bitumen ist Schwefel enthalten. Somit findet sich auch in allen bitumenhaltigen Materialien, die bei verschiedenen Dacheindeckungen Anwendung finden, wie Schweißbahnen, Schindeln oder Bitumenwellplatten, Schwefel. Durch den in der Luft vorhandenen Sauerstoff kann der Schwefel oxidieren. Kommt Wasser hinzu, bilden sich schwefelhaltige Säuren, welche das Titanzink der Dachrinnen und Fallrohre angreifen. Da auch Gummi Schwefel enthält, gilt dieses Problem auch für Dachabdichtungen aus diesem Material, wie zum Beispiel EPDM Bahnen.

Zum Fachbuch Schäden an Abdichtungen :

Schäden Metallkorrosion Regenrinnen (2)
Scheinbar unwillkürlich auftretende lokale Schäden an einem 600 m² großen Zinkstehfalzdach. Dabie konnte nicht festgestellt werden, warum die Korrosion an einigen stellen auftrat, andere Stellen wiederum, völlig unbehelligt blieben.

Bei der Verwendung von Kupferblech für Dachrinnen und Fallrohren kann es ebenso zu einer Reaktion mit entstandener Säure kommen. Die Langlebigkeit des Kupfers beruht auf dem Schutz der Oberfläche durch eine über Jahre hinweg entstehende natürliche Patina aus wasserunlöslichen Kupferhydroxiden und Kupfercarbonaten, die die Dachrinnen und Dächer aus Kupfer auf Dauer grün werden lässt. Der Einfluss der Säure verhindert, unter anderem, die Bildung dieses effektiven Schutzes und das Kupferblech korrodiert.

Bernhard Walther

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05.2019.

Letzte Aktualisierung: 01.03.2019