Moselschiefer Schließung: Barbarafest mit 400 Menschen

Es war ein bewegendes Fest zwischen Feierlichkeit und Trauer in der überfüllten Clemens-Kirche mit ihrem schiefen Schieferturm in Mayen. In der von der Bergmannskapelle Fell begleiteten Eucharistiefeier zu Ehren der Heiligen Barbara betone Dechant Veit, dass alle die Sorgen der Kumpels teilten.

Herz Jesu Kirche Mayen
Anlässlich einer Veranstaltung der Mayener Bergleute wurde die Herz-Jesu-Kirche in Mayen durch den Polcher Lichtkünstler PeterBaur beleuchtet. Foto: Peter Baur

Betriebsrats-Vorsitzender Karl Schubert legte in seinen Worten den Schwerpunkt auf den Dank der solidarischen Unterstützung durch die Bevölkerung, Kunden, Lieferanten, kommunaler Politik und Medien. Radio und Fernsehen waren auch vertreten. Sein Kollege Andreas Rech-Groboch, gelernter Bergmann und Initiator einer Petition „Schacht Katzenberg darf nicht sterben“ mit bundesweit rd. 5000 Unterstützern, stellte u.a. heraus, dass die Argumentation der geologischen Verhältnisse wie vieles andere nicht richtig sei: „Der Steinstand ist so gut wie lange nicht mehr. Man gibt hier eine Lagerstätte auf, die noch eine lange Zukunft hat“, sprach er sichtlich überzeugt und bewegt aus.

Der Staatssekretär im Mainzer Ministerium für Arbeit und Soziales Dr. Alexander Wilhelm, hatte auch Punkte, die ihn an der Wertschätzung von Menschen durch die Geschäftsleitung zweifeln ließen, obgleich er sich zu Recht oder Unrecht der Schließung kein Urteil bilden könne. Er appellierte an die Verantwortlichen, wenigstens für eine außergewöhnliche finanzielle Entschädigung für den Verlust der 50 Arbeitsplätze Sorge zu tragen. Auch brachte er Umschulungen ins Gespräch, „ um den Bergleuten eine Perspektive anzubieten“.

Der langjährige frühere Geschäftsführer und Ehrenbürger der Stadt Mayen, Ewald A. Hoppen, war kurz zuvor der Bitte des Betriebsrats nachgekommen, sich ebenfalls in der Mahnwache zu äußern. Er brachte interessante Einblicke und Erhellungen in die Geschehnisse und Situationslage. Dabei zog er auch den traditionellen Zusammenhang zur Region und zu den Verbindungen zur Stadt. Beispielsweise sei das BBZ Dachdecker-Fachschule 1925 auf dem Gelände des Katzenberg-Bergbaues gründet worden und habe zu einem Kompetenz-Zentrum des Deutschen Dachdecker-Handwerks geführt. Was den Moselschiefer-Bergbau, der Wurzel und dem Image-Standbein des Unternehmens angehe, sei das jetzt zerstört. Er zweifelte an der verantwortlichen Führung mit den jährlich im Bergbau notwendigen kontinuierlichen Investitionen und Ressourcen-Sicherungen sowie -Aufschlüssen.

Auch er appellierte an die Werhahn-Konzernleitung in Neuss , wenigstens bei den sozialen Lösungen den Ruf nicht auf‘s Spiel zu setzen. „Man kann nicht 50 Mitarbeiter auf die Straße setzen, öffentlich und schriftlich große Hoffnung machen, und sich dann knickrig zeigen“.

Nach der Mahnwache gab es unter Führung der Bergmannskapelle einen Gedenkzug über den Marktplatz zur für alle überraschend illuminierten Herz-Jesu-Kirche, wo die Teilnehmer im Pfarrsaal bei Getränken und Imbiss noch lange zusammensaßen.

Letzte Aktualisierung: 12.12.2018