Neue Biber für alte Spinnerei

Das Dach einer ehemaligen Spinnerei in Nordhorn war bereits in Teilbereichen saniert worden. Dennoch kam es vor allem bei extremen Wetterlagen mit Starkregen und Treibschnee zu Wassereinbrüchen in das Dachgeschoss des ehemalige Rohwebelagers. Dachdeckermeister Michael ten Wolde deckte das rund 2.000 qm große Dach nach Denkmalvorgaben mit roten Biberschwanz-Ziegeln - inklusive Nisthilfen für die dort ansässigen Mauersegler.

Alte Spinerei in Nordhorn
Blick auf die sanierte, 2.000 m2 große Dachfläche in Nordhorn. Zwwerchgiebel, jede Menge Gauben, Türme, und ein besonderes Oberlichtsystem im Firstbereich machten das Projekt zu etwas Besonderem für das Dachdecker-Team. Fotos: BMI Braas

Die Stadt Nordhorn galt seit dem Beginn der Industrialisierung lange Zeit als die Stadt der Spindel und des Webstuhls. Die ehemalige Nordhorner Spinnerei und Weberei Niehues & Dütting (N&D) prägte mit einem großen Firmengelände das Stadtbild bis in die Mitte der 1990er Jahre. In ihrer Blütezeit waren bis zu 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach dem Konkurs der Firma 1994 wird das 12 ha große Gelände im Rahmen eines Entwicklungsprogrammes für eine neue städtebauliche Entwicklung genutzt. Als Leuchtturmprojekte mit besonderer Bedeutung als Industriearchitektur-Denkmäler konnten dabei zwei Objekte einer neuen Verwendung durch den Landkreis Grafschaft Bentheim zugeführt werden. So wurde der historisch bedeutsame NINO-Hochbau, ein mächtiger und eindrucksvoller Gebäudekomplex aus der textilen Blütezeit Nordhorns, zu einem Kompetenzzentrum für die Region entwickelt. Auch das vom Stuttgarter Industriearchitekten Philipp Jacob Manz in den Jahren 1921/22 erbaute Rohgewebelager konnte für eine neue Nutzung erhalten und saniert werden. In dem seit 2002 unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sind seit einer ersten Renovierung 2003 die Nordhorner Volkshochschule und Teile des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn untergebracht.

Denkmal mit Firstlicht

Mit der nun erforderlichen Dachsanierung wurde das alteingesessene Bedachungsunternehmen ten Wolde & Sohn Bedachungs GmbH aus Nordhorn beauftragt. Dachdeckermeister Michael ten Wolde führt das 1962 gegründete Unternehmen in zweiter Generation zusammen mit Sohn Simon, Dachdeckermeister in dritter Generation. Das 5-geschossige Gebäude aus Backstein hat einen L-förmigen Grundriss, dass sich mit einem Hauptdach als Mansardenwalmdach präsentiert. Die genauere Hinsicht zeigt dabei zwei langgestreckte Hauptdächer über dem Mittelbau mit einem Dachgraben sowie Walmdachflächen. Zahlreiche Gauben sowie zwei lange Firstoberlichter, an den Enden jeweils von kleinen Türmchen begrenzt, bringen Licht unter die gewalmten Dachflächen. Die Firstlichter waren mit einfachem Drahtglas ausgeführt und wiesen keinen ausreichenden Wärmeschutz für das Dachgeschoss aus. An der Südseite ist ein großer Turm angeordnet, die Ostseiten wird von einem großen Zwerchgiebel geprägt. Die vielfältigen Dachflächen mit Dachneigungen von 24°, 30°, 40°, 45° und 74° ergeben insgesamt eine spannungsvolle Dachlandschaft und viel Arbeit für die Innungs-Dachdecker.

Tragwerk sanierungsbedürftig

Undichtigkeiten im Bereich der Dachflächen wurden wegen der geringen Nutzung der Dachgeschossbereiche lange nicht bemerkt und führten unweigerlich an der Tragkonstruktion zu Schäden im Bereich der Sparren und Pfetten. Zur Prüfung der Standfestigkeit des Dachtragwerks wurde ein Statikbüro eingeschaltet, das einen Sanierungsplan entwickelte. Im Ergebnis mussten zahlreiche Bestandteile des Dachstuhls erneuert und ersetzt werden. Auch die Dachdeckung mit der ersten Biberschwanzeindeckung wies große Schäden auf. Zahlreiche Ziegel hatten sich bereits in der Vergangenheit aus dem Verband gelöst und waren zu Boden gefallen. Um die Schülerinnen und Schüler vor herunterfallenden Ziegeln zu schützen, waren schadhafte Dachflächen im Bereich des Schulhofes bereits neu befestigt worden.

Horst Pavel

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 13/2020



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Letzte Aktualisierung: 14.07.2020