Neue Schuppe für historische Siedlung

Über 2.000 m² Dachfläche, Wangen-, Sattel- und Hauptkehlen, dazu Zwiebeltürmchen und Gauben – die Sanierung der historischen Himmelsbachsiedlung in Bingen lässt das Herz jeden Schieferdeckers höherschlagen. In monatelange Feinarbeit sanierte die Firma Reiner-Dach GmbH & Co. KG aus Dörth die rund 100 Jahre alten Dach-, Walm- und Mansardflächen nach historischem Vorbild.

denkmalgeschützte Himmelsbachsiedlung
Nach erfolgreichem Eigentümerwechsel mit nachfolgender Sanierung präsentiert sich die denkmalgeschützte Himmelsbachsiedlung heute als attraktives Wohnumfeld für Jung und Alt. Das Dach ist eins zu eins dem Original nachempfunden – in Schuppendeckung. Fotos: Reiner-Dach

Wehrhaft von außen präsentiert sich die denkmalgeschützte Himmelsbachsiedlung in Bingen. Durchschreitet man das große Tor, wirkt das Anwesen wie ein kleines romantisches Dorf. Der ursprünglich aus dem Jahr 1922 stammende fünfeckige Zuschnitt wurde von Josef Himmelsbach, Chef des Imprägnier- und Kyanisierwerks, als Arbeitersiedlung in Auftrag gegeben. Es entstand ein Rundbau mit zehn Häusern, üppigem Garten und Gemeinschaftshof. Als weniger wehrhaft zeigte sich die Gebäudesubstanz, die nach Jahren des Stillstands aufgrund fehlender Investitionen, immer maroder wurde. Insbesondere das knapp 100 Jahre alte Dach litt unter fehlender Wartung und Inspektion. Anfang 2015 sollte sich dies grundlegend ändern: Die Himmelsbachsiedlung fand, nach über einem Jahrzehnt Stagnation, einen neuen Investor. Der Wiesbadener Architekt Jens-Paul Neugebauer erkannte das Potenzial und weckte den Rundhof aus dem Winterschlaf. Er kaufte das denkmalgeschützte Anwesen kurzerhand und sanierte es behutsam vom Keller bis zur Dachspitze.

Behutsame Sanierung mit regionalen Fachfirmen

Für alle Bauteile sollte ein Experte aus der Region eingesetzt werden. Für den Bereich Dach zeichnete sich die Firma Reiner-Dach GmbH & Co. KG aus dem naheliegenden Dörth verantwortlich. DDM Oliver Reiner: „Die Arbeiten wurden vom Auftraggeber nicht klassisch ausgeschrieben. Herr Neugebauer setzte sich lediglich mit einigen wenigen Fachfirmen in Verbindung. Wir hatten das Glück, nicht zuletzt aufgrund unserer Referenzen im Bereich Denkmalsanierung, dass Herr Neugebauer dann auf uns zukam. Nach einigen Gesprächen und Baustellenterminen erhielten wir letztendlich den Auftrag für die Dachsanierung.“

Sanierung in Teilschritten

Die Sanierungsarbeiten begannen Ende Mai 2019, nachdem im März 2019 die Vergabe an die Firma Reiner-Dach erteilt wurde. Durch die Architektur des Gebäudes und der kompletten Siedlung war die Baustelleneinrichtung ein wichtiger Faktor.

Lange Wege sollten vermieden werden, daher entschied sich der Innungsbetrieb für eine Dachsanierung in fünf Bauabschnitten. Dies sollte auch für das Arbeits- und Schutzgerüst gelten, welches von Abschnitt zu Abschnitt mitwanderte. Der Innenhof wurde als Lagerfläche für sämtliche Materialien genutzt. Insgesamt dauerte die Baumaßnahme elf Monate, was in etwa der ursprünglichen Planung entsprach. Reiner: „Im Sommer konnten wir aufgrund der großen Hitze drei Wochen lang nicht arbeiten. Gleiches galt für den Winter. Hier konnte unser Team aufgrund der Witterung von Mitte Dezember bis Ende Januar nur wenig bis gar nicht arbeiten. Dennoch lagen wir am Ende im Zeitplan.“

2.000 m² Schuppendeckung

Die axialsymmetrisch angelegte Siedlung wurde bei der Sanierung in ihrer historischen Gestalt nicht verändert. Die Häuser wurden in ihrer räumlichen Disposition und Organisation exakt beibehalten. Technisch sollte das Anwesen so ausgerüstet werden, das es heutigen modernen Wohnvorstellungen voll entspricht und die nötigen Energiestandards einhält. Die bis dato komplett fehlende Heizungseinrichtung und Bäder wurden entsprechend geplant und nachgerüstet. Die über 2.000 m² großen Dachflächen waren im Ursprung mit Schiefer gedeckt und sollten im Zuge der Sanierung selbstverständlich wieder den gleichen Deckwerkstoff erhalten.

Michael Zenk

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17/2020.


Baustoffe für Dach und Wand

Das Standardwerk behandelt Herkunft, Herstellung, Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Werkstoffe. Insbesondere im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist der Titel ein unentbehrliches Hilfsmittel und entspricht dem aktuellen Rahmenlehrplan des Dachdeckerhandwerks.

Letzte Aktualisierung: 15.09.2020