Nicht belüftetes Dach: Tipps zur Ausführung

Serie "belüftete und unbelüftete Flachdächer" - Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Flachdächer werden grob unterschieden in belüftete und nicht belüftete Dächer. Beide Varianten haben sich bewährt, jedoch nur bei einwandfreier Ausführung. Wir stellen in unserer zweiteiligen Serie beide Varianten vor und zeigen, worauf es – gerade in punkto Bauphysik – ankommt. Teil 1 behandelt das nicht belüftetet Dach.

Beispiel einer nicht belüftete Konstruktio
Beispiel einer nicht belüftete Konstruktion und ihre Schichten im bituminösen Aufbau. Grafiken: RM Rudolf Müller, Handbuch für Abdichtungen - Aufbau, Stoffe, Verarbeitung, Detail 4. Auflage

Grundsätzlich werden nicht genutzte und genutzte Dächer/Abdichtungen unterschieden in:

  • nicht belüftete Dächer/Abdichtungen (die alte, teilweise noch geläufige Bezeichnung dafür ist einschaliges Flachdach oder Warmdach) und
  • belüftete Dächer/Abdichtungen, die auch zweischaliges Flachdach oder Kaltdach genannt werden.

Beide Abdichtungsarten können folgende Funktionsschichten haben:
Unterlage/Untergrund,
Haftbrücke,
Ausgleichsschicht,
Trennschicht/-lage,
Dampfsperre,
Wärmedämmung,
belüfteter Dachraum,
Unterlage/Untergrund,
Dampfdruckausgleichsebene/Trennlage,
Abdichtung,
Schutzschicht, Schutzlage/Wurzelschicht/Filterschicht,
Oberflächenschutz/Auflast/Begrünung/Nutzschicht.

Funktionsweise entscheidend

Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Konstruktionsarten besteht in der Funktionsweise, wie in der Dachkonstruktion die Kondenswasserbildung vermindert oder vermieden und Kondenswasser abgebaut wird.
Von vielen Experten wird das nicht belüftete Flachdach, auf leichter oder massiver Unterlage ausgeführt, als optimaler Flachdachaufbau bezeichnet. Seine kompakte Schichtenfolge schützt die Wärmedämmung sicher vor Feuchtigkeit in jeglicher Form und bietet größtmögliche Freiheit bei der Dachflächennutzung von der begehbaren Dachterrasse bis zur intensiven Begrünung.
Nicht belüftete Dächer/Abdichtungen bestehen aus einer Schale (Unterkonstruktion), die dabei aus mehreren Schichten bestehen kann (beispielsweise Betondecke mit aufgebrachtem Gefälleestrich und unterseitiger Putzschicht zum Innenraum). Alle erforderlichen Schichten des Abdichtungsaufbaus liegen dabei auf der Tragkonstruktion. Alle vorhandenen Schichten, vom Innenputz bis zum Oberflächenschutz, beteiligen sich an der Dämmleistung des nicht belüfteten Daches/der Abdichtung. Damit ein nicht belüfteter Abdichtungsaufbau auf Dauer seine vielseitigen bauphysikalischen wie auch abdichtungstechnischen Funktionen erfüllen kann, ist eine bestimmte Schichtenfolge in Zusammenhang mit den zu verwendenden Werkstoffen erforderlich.

Beispielhafter Querschnitt einer nicht nachweisfreien, nicht belüftete Konstruktion
Beispielhafter Querschnitt einer nicht nachweisfreien, nicht belüftete Konstruktion

Vorsicht bei „Nicht belüftet in Holzbauweise“

Auch in der Gegenwart noch kommt es bei den nicht belüfteten Konstruktionen leider immer noch zu massiven Schadensfällen, weil bauphysikalische Zusammenhänge vernachlässigt, oder falsch eingeschätzt werden. Bauarten, bei denen Holz oder Holzwerkstoffe beidseitig von diffusionshemmenden oder diffusionssperrenden Schichten eingeschlossen werden, zeigen sich immer wieder als besonders schadensanfällig.
Aus diesem Grund gelten sie gemäß aktuellen Fachregelwerk Abdichtungen als Sonderkonstruktionen und werden im Merkblatt Wärmeschutz bei Dach und Wand ab einem äußeren sd-Wert von ≥ 2 m als nicht nachweisfreie Bauteile geführt (Anforderung aus DIN 4108-3). Weiterhin ist für solche Dachkonstruktionen eine Trocknungsreserve von 250 g/m² ∙ a (Gramm pro Quadratmeter und Jahr) beim Feuchteschutznachweis sicherzustellen (Anforderung gemäß DIN 68800-2 „Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau“).
Doch selbst bei erfolgreicher Berechnung/Simulation einer solch kritischen Konstruktion kann es durchaus vorkommen, dass sie in der Baupraxis kläglich versagt. Man spricht in diesem Zusammenhang durchaus berechtigterweise abwertend vom „sich selbst kompostierenden“ Dach.

Tipp 1 : Wie kann man erfolgreich Schäden vermeiden?

Nachweisfreie Konstruktionen gemäß DIN 4108-3 und Merkblatt Wärmeschutz bieten ausreichende Sicherheit ohne zusätzlichen Planungsaufwand. Sie müssen lediglich gebaut werden!

Grundbedingung 1: Unterhalb der Wärmedämmung wird eine diffusionshemmende Schicht mit sd,i ≥ 100 m verbaut.

Grundbedingung 2: Nicht mehr als 20 % des Gesamtwärmedurchlasswiderstands sind unterhalb der diffusionshemmenden Schicht angeordnet (z. B. durch Untersparrendämmung oder Zwischensparrendämmung in geringer Dicke).

Die nachweisfreie Konstruktion

Eine nachweisefreie nicht belüftete Konstruktion kann sehr einfach ausgeführt werden. Modifikationen von nicht belüfteten Dächern/Abdichtungen sind das Umkehrdach, das Plus-Dach, das Kompaktdach und selbstdämmende Tragkonstruktion aus Porenbeton. Dabei kann das Umkehrdach als Sonderform dieser Modifikationen gelten, bei dem die bauaufsichtlich zulassungspflichtige Wärmedämmung oberhalb der Abdichtung liegt.

Querschnitt einer nachweisfreien, nicht belüfteten Konstruktion
Querschnitt einer nachweisfreien, nicht belüfteten Konstruktion

Tipp 2 : Holz muss atmen können! 
Das bedeutet, dass der Feuchteausgleich
mit der Umgebung im Innenraum unter
normalen Klimarandbedingungen auf einfachste Weise schadensfreie Konstruktionen sicherstellt.


Hans Peter Eiserloh, Michael Oliver Schaaf

Den Artikel finden Sie auch in der Printausgabe DDH 01.20

Regeln für Abdichtungen

Taschenbuchformat: Grundregel und Fachregel für Abdichtungen - mit Flachdachrichtlinie 




Letzte Aktualisierung: 02.01.2020

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