Politischer Ausblick auf der DACH+HOLZ 2016

Mit 49.500 Fachbesuchern, 550 Ausstellern auf rund 70.000 Quadratmetern Fläche ging die viertägige Fachmesse DACH+HOLZ International letzten Freitag zu Ende. Die Aussteller zeigten sich durchweg sehr zufrieden und lobten vor allem die Fachkompetenz der Besucher.

Schneider_Grillo
K. H. Schneider und U. Grillo, Foto: ZVDH

Erfreulich sei auch der hohe Anteil der ausländischen Messeteilnehmer, sagte Karl-Heinz Schneider, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). So kamen Gäste aus 86 Ländern, um sich in Stuttgart über Innovationen der Dachbaubranche zu informieren. Bei den Ausstellern lag der internationale Anteil bei fast 20 Prozent.

Digitale Wunderwelt
Zahlreiche Sonderaktionen begleiteten die Messe; die Drohnenshow war laut Umfrage der Messegesellschaft mit 93,5 Prozent die beliebteste Attraktion. „Zahlreiche Messegäste ließen sich die Vorteile des Drohneneinsatzes erläutern und staunten über die Qualität der Aufnahmen“, so Diplom- Bauingenieur Norman Hallermann (Bauhaus-Universität Weimar). Drohnen reduzieren bei der Inspektion der Dächer den Aufwand erheblich. Sie kommen an schwer zugängliche Stellen, liefern detaillierte Aufnahmen in hochauflösender Qualität, dokumentieren auch kleinste Schäden wie Risse oder Abplatzungen, und das alles ohne kostspieligen Gerüstaufbau, erläuterte Hallermann die Vorteile der Dächer-Drohne.

Politischer Ausblick
Traditionell zog der ZVDH-Präsident auf der Delegiertenversammlung des Zentralverbands ein kurzes „Polit-Resümee“. Er begrüßte den vorgesehenen Anstieg des Meisterbafögs als wichtige Maßnahme zur Fachkräftesicherung und versprach, sich für weitere Verbesserungen der sogenannten Flexirente einzusetzen: „Ein erster Schritt war es, die Erwerbstätigkeit bei Rentenbezug attraktiver zu gestalten. Wir arbeiten daran, die Flexirente noch besser zu gestalten“, so Schneider. Klare Worte fand er bei der Versteuerung der Abschlagszahlung: „Das ist kompletter Unsinn! Schon lange vor der Fertigstellung und Abnahme sollen die in den Abschlagsrechnungen enthaltenen kalkulierten Gewinnanteile realisiert werden, das verstößt gegen das Handelsgesetz. Gerade im Dachdeckerhandwerk gibt es traditionell viele Kleinbetriebe, für diese ist es besonders schmerzlich, noch nicht verdiente und nicht sichere Gewinnanteile in ihrer Bilanz ausweisen und versteuern zu müssen!“

Zum Wohnungsbau stellte er fest, dass zwar 260.000 Wohnungen geplant sind, notwendig aber 400.000 Neubauten seien, und dies nicht nur angesichts hoher Flüchtlingszahlen. Um Investitionen anzukurbeln, müssten hier vor allem für private Investoren Steueranreize verbessert werden, zum Beispiel durch eine höhere Afa (Abschreibung für Abnutzung). „Denn gerade privaten Bauherren und Eigentümer sind für das Dachdeckerhandwerk die wertwichtigsten Auftraggeber, sie sind für 61 Prozent unseres Umsatzes verantwortlich“, machte Schneider deutlich.

BDI-Chef Grillo: Industrie und Handwerk gehen Hand in Hand

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), betonte als Gastredner auf der ZVDH-Delegiertenversammlung die starke Verbundenheit von Handwerk und Industrie und bezog diese vor allem auf die Umsetzung der Energiewende: „Die vollständige Umstellung der Energieversorgung in Deutschland stellt unser Land vor enorme Herausforderungen. Es sind deutsche Unternehmen, die heute schon alle innovativen Technologien zur Energie-Effizienzsteigerung herstellen. Und Sie, das deutsche Handwerk, bringt diese High-Tech-Produkte „Made in Germany“ zur Anwendung. Die besten Produkte der Welt in der Hand des besten Handwerks der Welt – eine unschlagbare Kombination“, lobte Grillo.

Letzte Aktualisierung: 12.02.2016