Polystyrolabfälle: Recyceln statt verbrennen

Viele Dachdecker sind trotz der neuen Abfallverordnung (POP-Abfall-Überwachungsverordnung) verunsichert und kennen die inzwischen wieder vereinfachten Möglichkeiten der Entsorgung von Polystyrolabfällen nicht. Noch immer wird in verschiedenen Medien – leider auch in Fachpublikationen – fehlerhaft über eine Gefährlichkeitseinstufung von EPS-Dämmstoffen berichtet, die das Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododekan) enthalten. Lesen Sie hier, was Dachdecker wissen müssen.

Rühle HBCD Polystyrolabfälle
Viele dieser nur äußerlich unscheinbaren PS-Platten liegen noch bei den Dachdeckern auf Halde und finden keinen Entsorger. Foto: DDH

Dem ZVDH liegen Berichte von Dachdeckerbetrieben vor, die immer noch keine kostengünstige Möglichkeit gefunden haben, um Polystyroldämmstoffe zu entsorgen, und diese somit weiterhin zwischenlagern müssen. Das Thema entwickelt sich leider zu einem echten Dauerbrenner. Umso besser, dass mit der PolystyreneLoop-Initiative (PSLoop) ein Projekt verwirklicht wird, das es erlaubt, HBCD-haltige Dämmstoffabfälle zu recyceln. Getragen wird PSLoop unter anderem vom Industrieverband Hartschaum (IVH) und der BASF, inhaltlich und politisch vom ZVDH begleitet und unterstützt.

Rückblick: Entsorgungsnotstand Polystyrol

Von Oktober bis Dezember 2016 wurden HBCD-haltige Dämmstoffabfälle zur besseren Nachverfolgung und sicheren Ausschleusung des sogenannten POP-Stoffs HBCD in Deutschland als gefährlicher Abfall klassifiziert. Die geänderte Einstufung, zusammen mit der ohnehin hohen Auslastung von Müllverbrennungsanlagen, führte vielerorts zu einem enormen Entsorgungsstau, der viele Dachdeckerbetriebe in ernste logistische und wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. In einer beispiellosen gemeinsamen Aktion des ZVDH und aller Landesverbände des Dachdeckerhandwerks sowie anderen betroffenen Organisationen gelang es, sich bei der Politik Gehör zu verschaffen – konkret bei den Umweltministern der einzelnen Bundesländer – und so im Bundesrat für eine Mehrheit zu sorgen, die die Einstufung als gefährlichen Abfall befristet bis zum 31.12.2017 aussetzte. Am 07.07.2017 beschloss der Bundesrat dann eine komplette Rücknahme der Einstufung als gefährliche Abfallart, allerdings mit einer Einschränkung: Die Entsorgung HBCD-haltiger Dämmstoffabfälle unterliegt seitdem einer Dokumentationspflicht und einem Nachweisverfahren. Weiterhin gilt neben einem Getrenntsammlungsgebot auch ein Vermischungsverbot mit anderem Bauschutt (Ausnahmen gelten für Baustellen mit beschränktem Lagerplatz). In der Praxis regeln die Bundesländer die Umsetzung individuell, Auskunft geben die jeweiligen Entsorgungsbetriebe. Die Verordnung wurde im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und gilt seit dem 01.08.2017. Ab dann trat auch das sogenannte Nachweisverfahren in Kraft. Für größere Abfallmengen verläuft die Entsorgung als Sammelverfahren, das den bürokratischen Aufwand möglichst gering halten soll. Konkret bedeutet das, dass Betriebe, die HBCD-haltige Dämmstoffe entsorgen wollen, dafür einen Übernahmeschein vom Entsorgungsbetrieb benötigen, der ihnen sowohl die entsorgte Menge als auch deren fachgerechte getrennte Sammlung bescheinigt. Alle anderen Nachweispflichten entfallen für den Handwerksbetrieb.

Mehr zum Thema HBCD und Entsorgungsnotstand Polystyrol.

Damit gibt es einen klar definierten Entsorgungsweg von der Baustelle bis zur thermischen Verwertung. Auch die bislang geltende Massenbegrenzung auf 20 Tonnen wurde aufgehoben. Zudem werden Anhaftungen an Dämmstoffe eindeutig von der Pflicht der Getrenntsammlung befreit, da eine Präzisierung von Verbundstoffen vorgenommen wurde: So werden in der Verordnung nun konkret XPS- und EPS-Dämmstoffe mit Bitumen- und PU-Kleber-Anhaftungen aufgeführt. Dass die Massenbegrenzung wegfällt, ist zum Beispiel für Großprojekte wie Sanierungen von Schulen wichtig. Es kann somit derselbe Entsorger die Abfälle immer dann abholen, wenn sie anfallen, und am Ende einen Übernahmeschein für die Gesamtmenge ausstellen.

Josef Rühle

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH, Ausgabe 15-16.2018.

Letzte Aktualisierung: 09.08.2018

Kommentar verfassen:

captcha