Praxisworkshop Integration für den Bundespräsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck erfuhr in Köln, wie das Handwerk erfolgreich die Integration von Mitarbeitern ausländischer Herkunft praktiziert. Gauck kam auf Einladung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Handwerkskammer zu Köln.

Joachim Gauck
Bundespräsident Joachim Gauck im Dialog mit Auszubildenden. Foto HWK zu Köln

Begleitet wurde er von Hans Peter Wollseifer, Präsident des ZDH und der Handwerkskammer zu Köln, dem nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialminister Rainer Schmeltzer, ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke und dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Dr. Ortwin Weltrich. Der Bundespräsident zeigte sich in seinen Gesprächen vor allem vom Optimismus und der Tatkraft im Handwerk beeindruckt. Und er dankte den Betrieben und ihren Mitarbeitern für gelebtes gesellschaftliches Engagement.

In Troisdorf-Spich besuchte er die Firma Eubel, die auf Sondermaschinenbau spezialisiert ist und als besonders innovativer Handwerksbetrieb mit der Universität Duisburg-Essen kooperiert. 13 der 46 Mitarbeiter haben ausländische Wurzeln (sieben aus Russland, zwei aus der Türkei, je einer aus Kasachstan, Kroatien, Spanien und dem Iran).

Im Bildungszentrum Butzweilerhof der Handwerkskammer zu Köln erlebte der Bundespräsident live Ausbilder und Auszubildende, Praktikanten und Schüler auf Informationsbesuch zur Berufsorientierung. Bewerbungen von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien sind sehr willkommen, erläuterte Wollseifer: „Die Kammer hat das bisher bundesweit einmalige Konzept einer mehrsprachigen Ausbildungsbörse entwickelt. In mittlerweile elf Sprachen informieren wir über die Berufsausbildung, bald auch in Arabisch.“

Wollseifer informierte den Bundespräsidenten über die erfolgreiche Praxis der Handwerksbetriebe bei der Integration der Mitarbeiter ausländischer Herkunft. „Im Betrieb, in der Werkstatt, auf der Baustelle zählt das gemeinsame Ziel der Mannschaft – nicht die individuelle Herkunft“, so der Handwerkspräsident. Die Aufnahme und Integration der vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sei zwar eine große nationale Herausforderung, aber auch eine Chance. "Im demographischen Wandel können gut ausgebildete Fachkräfte helfen, Lücken in den Belegschaften zu schließen“, so Wollseifer.

Eine abschließende Gesprächsrunde bewies nachdrücklich, wie breit das Handwerk beim Thema Integration aufgestellt ist. Teilnehmer waren u.a. der 21-jährige spanische Auszubildende im Elektro-Handwerk, Lluis Crispin Asensi, seit zwei Jahren Auszubildender in einem Kölner Elektrobetrieb und Mohammad Trabelsi, ein 23-jähriger Flüchtling aus Syrien, der seit Herbst 2014 in Deutschland lebt, und eine Berufsvorbereitung für Flüchtlinge im Bildungszentrum absolviert. Zwei für die Berufsausbildung stark engagierte Unternehmer, Carmen Heinke, Geschäftsführerin der Bäckerei Hardt mit rund 30 Filialen, und Marc Schmitz, Unternehmer aus der Sanitär- und Heizungsbranche, stellten am Beispiel ihrer Unternehmen vor, wie bunt gemischt die Belegschaften im Handwerk inzwischen sind. „Feiertage aller Kulturen stehen im Dienstplan“, heißt es bei der Bäckerei Hardt. Beim gemeinsamen Essen in der Firma Marc Schmitz wird die „muslimische Esskultur berücksichtigt“. Doch im Unternehmen „wird nur Deutsch gesprochen“, so Schmitz.


Letzte Aktualisierung: 01.12.2015